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„Lernbrücken” als „Strohfeuer-Angebot”

Bildungsgewerkschaft kritisiert Eisenmanns Ferien-Nachhilfe

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will gefährdeten Schülern in den Sommerferien eine zweiwöchige Nachhilfe anbieten, damit sie die Lücken aus der Corona-Zeit füllen können - doch Lehrergewerkschaften zweifeln an der Aktion.

Susanne Eisenmann (CDU), Ministerin für Kultus, Jugend und Sport in Baden-Württemberg. Foto: Christoph Schmidt/dpa/Archiv

Zweifel am Nachhilfe-Konzept von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) melden Lehrergewerkschaften an. In den letzten beiden Sommerferien-Wochen sollen vor allem leistungsschwache Schüler in „Lernbrücken“-Kursen ihre Wissenslücken füllen. „Nein, diese Lernbrücken werden nicht tragen“, davon ist Barbara Becker von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) überzeugt. Und der Verband Bildung und Erziehung (VBE), hat die Sorge, dass die Lehrer mancherorts eher gezwungen als freiwillig die Nachhilfe anbieten werden.

GEW-Funktionärin Becker zweifelt daran, dass ausgerechnet Kinder, die während des Fernunterrichts in der Corona-Krise für keinen Lehrer erreichbar waren, freiwillig ihre Ferien „opfern“, um täglich drei Stunden intensiv zu lernen. Zudem glaubt die Vorsitzender der Landesfachgruppe Gymnasien nicht daran, dass die Ferien-Nachhilfe rein zeitlich ausreicht, um die Ausfälle aus der Zeit der Corona-Krise wettzumachen.

„Ist es realistisch, diese drei Monate innerhalb von 30 Zeitstunden aufholen zu wollen?“, fragt die Bühler Gymnasiallehrerin rhetorisch. Sie plädiert für eine gezielte Förderung im neuen Schuljahr – und dafür, den Schulen mehr Lehrerstunden zuzuweisen: „Wir brauchen statt eines Strohfeuers in den Sommerferien ein nachhaltige Förderung.“ Dann könne die Förderung auch zur Pflicht gemacht werden.

Auch der Druck auf Lehrer wächst

Aktuell spricht das Kultusministerium zwar auch davon, dass die Lehrer die gefährdeten Schüler auswählen sollen und die Ferien-Nachhilfe für diese „pädagogisch erforderlich und verbindlich eingeplant“ sei. Doch es bleibt eine Empfehlung. „In den Ferien gibt es keine Schulpflicht“, räumt Eisenmanns Sprecher ein. „Wir können niemanden zwingen, daran teilzunehmen.“

Ein weiterer Kritikpunkt am Ferien-Konzept: Die GEW verweist ebenso wie der VBE darauf, dass Lehrkräfte und Schulleitungen ohnehin gegen Ende der Ferien voll arbeiteten, um das neue Schuljahr vorzubereiten, Stundenpläne und Stoffverteilungspläne zu erstellen.

„Es wird an denen hängen bleiben, die immer alles machen“, fürchtet VBE-Landesvorsitzender Brand – und die seien nach langem Ausnahmezustand ohnehin an der Belastungsgrenze. „Da wird zum Teil von Schulleitungen auch Druck aufgebaut“, sagt Brand über die Ferien-Nachhilfe. „Aber Freiwilligkeit muss Freiwilligkeit bleiben.“

Der VBE-Vorsitzende schlägt vor, neben Referendaren auch Lehramtsstudenten, die auf ihren Staatsexamens-Termin warten, für die Nachhilfe einzustellen. Die versprochenen 40 Euro Stundenlohn seien für diese Gruppe ein wichtiger Verdienst. Generell rät Brand auch zu Gelassenheit. „Wir sollten nicht den Popanz aufbauen, dass wir eine verlorene Generation hätten“, sagt er. „In diesem Schuljahr liefen drei Monate daneben – aber die anderen neun Monate nicht.“ \u0009

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