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Zahlen im Elsass immer noch auf hohem Niveau

Das Elsass lebt mit der Angst vor Virusmutationen

Die Corona-Zahlen im Elsass stabilisieren sich langsam. Allerdings liegen sie immer noch auf einem hohen Niveau. Sollte das Elsass wieder zum Hochinzidenzgebiet erklärt werden, könnte sich das auch negativ auf den kleinen Grenzverkehr auswirken.

Noch funktioniert der kleine Grenzverkehr: Auf der deutschen Seite geht allerdings die Angst um, dass die Corona-Zahlen im Elsass wieder steigen und es als Hochinzidenzgebiet eingestuft wird. Foto: Philipp von Ditfurth picture alliance/dpa

Zusammenhalten und an das kollektive Verantwortungsbewusstsein appellieren – so beschreibt die Straßburger Präfektin Josiane Chevalier die derzeit in Frankreich geltende Maxime bei der Pandemieeindämmung. Und sie erinnert im selben Atemzug eindringlich an die „Barrieregesten“, wie die Hygieneregeln in Frankreich genannt werden.

Was sich zunächst recht liberal anhört, ist bei der Umsetzung hart gegen die Gastronomie und die Kultur im Land, die wie in Deutschland seit dem vergangenen Herbst dicht sind. Geschäfte und Frisöre dürfen hingegen, mit Ausnahme von Läden in großen Einkaufszentren, arbeiten.

Vor allem aber schließt die Pariser Regierung bislang einen erneuten harten Lockdown aus, um einen fast normalen Schulbetrieb zu ermöglichen.

Im Elsass und in der Region Grand Est fühlt man sich mit dieser Leitlinie bestätigt. „Derzeit sind nur acht Schulen in den Distanzunterricht übergegangen, und das auch nur für die Zeit der Quarantäne“, sagt der Rektor der Schulbehörde Grand Est, Jean-Marc Huart, vor Journalisten am Mittwoch.

Kostenloses Testangebot an Schulen

Kontrolle über das Infektionsgeschehen ausüben will man mit einer Reihe von Werkzeugen. Zunächst die nächtliche Ausgangssperre zwischen 18 und 6 Uhr, die für das gesamte Land gilt. Dann mit kostenlosen Testangeboten, auch in den Schulen, wo seit Februar verstärkt in den Einrichtungen Teststellen eingerichtet werden - zwar nicht flächendeckend, aber doch breit gestreut und nach aktuell begründetem Bedarf ausgewählt, wie der Epidemiologe Michel Vernay erläutert.

Denn auch in der Ostregion beobachtet man mit Sorge die Ausbreitung der Virusmutationen. Nach den jüngsten Laboruntersuchungen ist die britische Variante für fast 15 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. Alle Varianten sind Ursache für knapp ein Viertel der Positivfälle.

Vor diesem Hintergrund schickt die Schulbehörde Klassen inzwischen ab dem ersten nachgewiesenen Corona-Fall in Quarantäne. Bislang war dies erst nach dem dritten Fall angezeigt. Wird dabei eine Virusmutation nachgewiesen, verlängert sich die Quarantäne von bislang sieben auf zehn Tage.

Quarantäne endet erst bei negativem Testergebnis

Sie kann zudem nur durch einen Negativtest beendet werden. Bei Mutationsinfektionen ordnet die Behörde auch Quarantäne bei bloßen Verdachtsfällen an, auch bei Lehrkräften. Je komplexer dieses Geflecht, desto schwieriger wird es, den Präsenzunterricht aufrecht zu erhalten.

Insgesamt klingt das französische Vorgehen dennoch nach relativer Normalität, bedenkt man, dass Präsenzunterricht in üblicher Klassenstärke und mit Mittagspausen in der Kantine stattfindet, wobei sich die Klassen hierbei nicht mehr mischen dürfen.

7-Tage-Inzidenz pendelt um 200

Dies alles findet bei einer seit Wochen um die 200 pendelnden 7-Tage-Inzidenz statt. Wobei die Zahlen seit Februar langsam etwas sinken. Im Elsass liegt die Inzidenz inzwischen wieder unter 200. Michel Vernay, Epidemiologe beim staatlichen Gesundheitsdienst, spricht von einem hohen, aber stabilen Plateau. Auch wenn die Inzidenz im französischen Grenzgebiet langsam, aber stetig sinkt – die Sorge vor einer Einstufung des Elsass’ als Hochinzidenzgebiet besteht nach wie vor. Und das auf beiden Seiten des Rheins. Denn die Auswirkungen auf den kleinen Grenzverkehr könnten hier wie dort groß sein.

Zuerst hatte sich Rastatts Landrat Toni Huber in der Sache an Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) gewandt. Wenig später schrieb Kehls Oberbürgermeister Toni Vetrano einen Brandbrief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Und am Mittwoch folgte die Straßburger Oberbürgermeisterin Jeanne Barseghian, die sich ebenfalls in einem Schreiben an Kretschmann für einen weiterhin reibungslosen Grenzverkehr einsetzt. Direkte Antworten sind bisher weder im Landkreis Rastatt noch der Stadt Kehl eingegangen. Die Ankündigung des Sozialministeriums, dass das Land die Kosten für eventuelle Tests an den Grenzen übernehmen werde, wird in Rastatt allerdings als positives Signal gewertet.

Behörden hoffen auf Impfkampagne

Die Behörden im Elsass hoffen indes, dass die Impfkampagne nach anfänglichen Schwierigkeiten weiter gut vorankommt. Drei Prozent der Bevölkerung der Ostregion haben mindestens die erste Dosis erhalten. Diese erste Bilanz schließe medizinisches Personal sowie 60 Prozent der mehr als 75-Jährigen ein, von denen viele bereits ihre zweite Dosis erhalten hätten, betont Virginie Cayré, Leiterin der regionalen Gesundheitsagentur.

Ins Wanken geraten könnte die Strategie des nun seit Herbst andauernden Teil-Lockdowns allerdings durch eine rasche Ausbreitung der ansteckenderen Virusmutationen. „Es bleibt abzuwarten, ob sich die Lage zeitnah verschlechtert“, sagt Michel Vernay. Konsequent überwachen müsse man insbesondere die Ballungsräume und auftretende Hotspots und dann mit massiven Tests, Rückverfolgung und Isolation durchgreifen.

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