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Große Nachfrage aus der Region

Das Geschäft mit Hunden aus Rumänien boomt: Nicht immer erwartet sie ein besseres Leben

Die Nachfrage nach Hunden aus Rumänien ist groß. Für die Tiere kann der Transport nach Deutschland lebensrettend, manchmal aber auch lebensgefährlich sein. Denn unter den angeblichen Tierrettern finden sich auch ein paar schwarze Schafe.

Die Karlsruher Polizei hat den Transporter gestoppt: Teilweise waren die Hunde zu zweit in den Boxen untergebracht, die ohnehin zu klein waren. Foto: Stadt Karlsruhe

Die Parkplätze in Karlsruhe und Umgebung werden zum Treffpunkt für Hundeliebhaber, für Hunderetter, und für die, die mit den Hunden einfach nur Geld machen wollen. Viele der Tiere werden aus Rumänien hierher gefahren. Sie landen über Vermittler bei Familien aus der Region oder bei einem Fahrer, der sie weiter ins Ausland bringt. Dass es bei manchen der Fahrten mehr auf das Geld als auf das Wohl der Tiere ankommt, zeigte sich zuletzt auf einem dieser Parkplätze.

Bei einer Polizeikontrolle fanden die Beamten 27 Hunde in einem Transporter. In manchen der engen Boxen saßen gleich zwei Hunde, die Wasserschalen waren umgestoßen und teils vollgekotet. Das Fahrzeug dürfte gar keine Tiere transportieren, der Fahrer konnte weitere Unterlagen nicht vorlegen.

Die dehydrierten Hunde sollten zu Besitzern nach Deutschland, Großbritannien und in die Niederlande gebracht werden. 72 Stunden lang hätten sie in dieser Lage bis zum Zielort aushalten müssen. Die Kontrolle in Karlsruhe war für sie die Rettung.

Kot, Urin, und zu wenig Platz

Zeitgleich im Tierheim: Es ist kurz vor Feierabend. Nach dem Anruf der Polizei wird es hektisch. Hier sollen die Hunde erst einmal unterkommen. 15 Mitarbeiter des Tierheims räumen schnell ein Lagerhaus aus. Noch während ein Pfleger den Boden schrubbt, fährt der Transporter mit den Hunden vor.

Der Einsatz brachte die Retter im Tierheim an emotionale Grenzen, wie Leiter Raphael Schramm erzählt. Als sie den Transporter öffneten, stank es nach Kot und Urin, die Hunde waren gestresst, teilweise panisch. „Sie waren in einem katastrophalen Zustand“, sagt Heimleiter Schramm. Regelmäßige Pausen habe es definitiv nicht gegeben.

Warum so Hilfe Hunde aus Rumänien Hilfe benötigen

Das Hauptproblem ist schnell erklärt: Es gibt in Rumänien zu viele Hunde und zu wenige Menschen, die es sich leisten können, für die Tiere zu sorgen. „Dort hat ein Hund keinen hohen Stellenwert“, erklärt Eva Eeckhaut von der Karlsruher Pfotenhilfe. „Sie werden einfach angefahren – der Tod ist für manche der Hunde dort noch die beste Lösung.“

Hinzu kommt, dass manche Menschen ein Geschäft aus den Hunden machen: Es gibt eine Förderung für eingefangene Hunde, die dann in Tierheimen oder speziellen Stationen getötet werden.

Auch wenn so ein Transport für das Tier ein großer Stress sei, betont Eeckhaut: „Wenn wir die Hunde nicht hierher holen, sterben sie.“ Zugleich ist es für die Tierschützer wichtig, dass die Hunde in Rumänien kastriert werden.

„Wir sind grundlegend an der Kapazitätsgrenze. Aber das Haus haben wir schnell und notdürftig hergerichtet.“ Man sei vorbereitet, wenn wieder einer der „berühmt-berüchtigten Transporter“ angehalten wird. Im Raum Karlsruhe gebe es den Fall „zum Glück nicht so oft“. Aber wenn, dann kämen die Transporter häufig aus Osteuropa. „Aus Frankreich kommt sowas in der Regel nicht“, sagt Schramm.

Die Kisten zu eng, die Versorgung nicht ausreichend: Ein Tiertransporter mit 27 Hunden wurde zuletzt bei Karlsruhe kontrolliert. Foto: Tierheim Karlsruhe

Etwa zwei Mal im Jahr kontrolliert die Karlsruher Polizei in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt gezielt solche Transporter. Das Karlsruher Veterinäramt erklärt, es gebe im Jahr etwa eine Handvoll gezielte Kontrollen in Zusammenarbeit mit der Polizei. Zudem wird die Polizei nach eigenen Angaben auch dann aktiv, wenn es Hinweise auf verdächtige Transporte gibt oder entsprechende Fahrzeuge im Verkehr auffallen.

In den Tagen nach der Ankunft im Tierheim wurden die Hunde intensiv untersucht, entwurmt und von Flöhen befreit. Dann war auch Zeit für Recherchen. Die Hunde stammten laut Schramm von einer offiziellen Tierschutzorganisation, die auch mit Organisationen in Deutschland zusammenarbeitet.

Das ist kein Tierschutz, sondern knallhartes Business.
Raphael Schramm, Karlsruher Tierheimleiter

Schramm bezeichnet diese als „Pseudo-Tierschutzorganisation“ und kritisiert die Unterkunft in Rumänien. „Das waren selbst für rumänische Verhältnisse katastrophale Zustände. Das tatsächliche Schicksal der Tiere interessiert niemanden. Das ist kein Tierschutz, sondern knallhartes Business.“

Nach seinen Recherchen wurde der Transport nur durch gute Kontakte zu den rumänischen Behörden erlaubt. Schramm betont: „Hier in Deutschland wäre der Transport nicht legal gewesen.“ Die Erlaubnis vom Veterinäramt in Rumänien sei aber ausgestellt worden. „Es ist ein grundlegendes Problem der EU. Wenn alle sich an das scharfe deutsche Tierschutzgesetz halten würden, wäre es sinnig.“

Aus Rumänien geholte Hunde: 2020 ist ein Rekordjahr

Es ist nicht einfach, seriöse und unseriöse Tierschutzorganisationen zu unterscheiden. Wer sich dafür interessiert, einen Hund aus dem Ausland aufzunehmen, könne im Tierheim Karlsruhe gerne um Rat fragen, sagt Schramm, und rät: „Wenn ein Hund da für unter 500 Euro zu bekommen ist, dann lieber Finger weg. Das ist unseriös.“

Die Karlsruher Pfotenhilfe, die für Transporte aus Osteuropa einem spezialisierten Anbieter vertraut, verlangt etwa 380 Euro für den Transport. Doch man wolle kein Geschäft damit machen, betont Vereinsvorsitzende Eva Eeckhaut. „Im besten Fall haben wir einen kleinen Gewinn von 100 Euro. Es gibt aber genügend Hunde, die wir intensiv behandeln müssen.“ Wenn Geld übrig bleibe, setze man das für Kastrationsprojekte ein.

Bislang habe man 232 Hunde aus Rumänien in die Region vermittelt, Eeckhaut spricht von einem Rekordjahr. „Die Menschen haben gerade mehr Zeit.“ Bevor ein Interessent aber als Hundehalter in Frage kommt, würde man mit ihm sprechen. „Einen Welpen groß ziehen und Vollzeit arbeiten, das geht nicht.“ Jeden dritten Interessenten lehne man ab.

Es lohnt sich, lokale Tierschutzvereine oder das Tierheim zu fragen.
Jana Hoger, Peta-Sprecherin

46.000 Hunde monatlich werden nach Angaben der Tierrechtsorganisation Peta innerhalb der EU transportiert. „Die meisten kommen aus Osteuropa, viele aus illegalem Handel“, sagt Peta-Sprecherin Jana Hoger. „Das Geschäft mit dem Hundehandel floriert.“ Bei manchen Transport-Anbietern würden die Hunde drei, vier Tage in den Boxen sitzen.

EU-System soll Tiertransporte regeln – eigentlich

Seit 2004 wird der Tierverkehr innerhalb der EU durch das digitale System „Traces“ gesteuert. Transporte müssen angemeldet werden und können dann von Behörden der anderen Länder kontrolliert werden. Das System kann offenbar aber umgangen werden, wie Recherchen des Karlsruher Tierheimleiters zeigen.

Daher rät Peta-Sprecherin Hoger zu einem genauen Blick auf den Anbieter, um schwarze Schafe zu entlarven. „Es gibt leider viele Vereine, die das auf unschöne Weise betreiben und damit Geld verdienen. Es gibt aber auch Vereine, die wahnsinnig tolle Arbeit leisten. Es lohnt sich, lokale Tierschutzvereine oder das Tierheim zu fragen.“

Denn generell sei der Auslandstierschutz wichtig. Raphael Schramm von Karlsruher Tierheim betont auch: „Auslandstierschutz ist wichtig, wenn er richtig gemacht wird.“

Die 27 Hunde aus dem Karlsruher Tierheim wurden mittlerweile direkt von ihren neuen Besitzern abgeholt, andere wurden weiter transportiert. Die Karlsruher Behörden gaben aufgrund der nun verbesserten Transportbedingungen die Freigabe. „Uns ist völlig klar, wie es mit ihnen weiter geht“, sagt Schramm. „Da können wir kein gutes Gefühl haben. Aber uns sind die Hände gebunden.“

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