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Sommerrätsel 2020 Lösung 4

Die Jungfernzeugung eines Hai-Weibchens machte das Karlsruher Naturkundemuseum weltberühmt

Im viertel Teil unseres Sommerrätsels war das Naturkundemuseum Karlsruhe gesucht. Dort sorgte eine Hai-Dame für Furore, die ohne männliche Beteiligung Nachwuchs bekam.

Jungfernzeugung: Die Weißgepunkteter-Bambushai-Dame Mariechen sorgt im Naturkundemuseum Karlsruhe seit vielen Jahren ohne Partner für Nachwuchs. Foto: Hannes Kirchhauser

Sie ist wahrlich eine Besonderheit: Mariechen, die Weißgepunkteter-Bambushai-Dame des Staatlichen Museums für Naturkunde in Karlsruhe. Seit mehr als 20 Jahren sorgt sie regelmäßig für Nachwuchs – und dies ganz allein, sprich ohne Partner.

Das Hai-Weibchen hat das Museum weltweit berühmt gemacht. Ungewöhnlich ist nicht nur, wie es sich vermehrt. Als beispiellos gilt auch, dass der Fisch die sogenannte Jungfernzeugung ständig aufs Neue wiederholt.

Mariechen lebt seit 1996 in der Erbprinzenstraße 13 in Karlsruhe, zuvor war sie in Privatbesitz. Das Museum freute sich damals, Besuchern eine Vertreterin der wohl bekanntesten Raubtiere der Meere zeigen zu können. Auch wenn das Tier einer eher kleinen Hai-Art angehört. Weißgepunktete Bambushaie werden maximal einen Meter groß, zu Hause sind sie in den Korallenriffen Südostasiens.

Als das Hai-Weibchen relativ bald nach seinem Eintreffen Eier legte, dachte man sich nichts dabei. Die kleinen Päckchen wurden in einem Aquarium ausgestellt. Niemand rechnete damit, dass sich in der lederartigen Hülle Fische entwickeln würden. Die Eier waren schließlich nicht befruchtet worden. Doch dann die große Überraschung: Plötzlich waren Embryonen sichtbar, und nach drei Monaten schlüpften einige Jungtiere.

Mutter und Kinder haben identische DNA

Die Erklärung damals: „Spermaspeicherung“, sagt Hannes Kirchhauser, Leiter des Vivariums im Museum. Denn Hai-Damen können in ihrem Körper sozusagen eine Sperma-Vorratskammer anlegen und sich daraus mehrere Jahre bedienen. Man war der Meinung, dass Mariechen irgendwann einmal Kontakt zu einem Hai-Mann gehabt hatte.

Dass dem nicht so war – das stellte sich erst vor zehn Jahren heraus. In den USA hatten zuvor Wissenschaftler bei einem Hai eine Jungfernzeugung nachgewiesen. Aus unbefruchteten Eizellen waren Nachkommen entstanden. Eine Laune der Natur, ausgelöst durch Hormone.

Kirchhauser ließ daraufhin die DNA von Mariechen und drei ihrer Töchter untersuchen. Und siehe da: Das Erbgut von Mutter und Kindern war fast identisch. Damit war in Europa bei einem Hai zum ersten Mal die Zeugung ohne Mann nachgewiesen worden.

War da doch ein Männchen im Spiel? Ein DNA-Test zeigte: Mutter und Kinder haben die gleiche DNA. Foto: Hannes Kirchhauser

Museumsbesucher bekommen die inzwischen betagte Hai-Dame jedoch nicht zu Gesicht. Sie schwimmt ungestört in einem Aquarium im Keller des Museums. Im Vivarium ist aber ihr Nachwuchs zu sehen. Doch man muss schon genau in das Becken gucken: Bambushaie sind nachtaktive Einzelgänger, die Tiere verstecken sich gerne in Höhlen.

Mariechens Familie ist keineswegs die einzige Besonderheit im Naturkundemuseum Karlsruhe. Allein das Vivarium macht wegen seines großen Korallenriffs von sich reden. Zudem gibt es verschiedene Dauer- und Sonderausstellungen, die Besuchern Wissen über unseren Planeten sowie die Tier- und Pflanzenwelt vermitteln.

Das Naturkundemuseum Karlsruhe blickt auf eine lange Geschichte

Das Haus am Friedrichsplatz hat eine lange Geschichte. Untrennbar ist mit ihm der Name Karoline Luise von Baden verbunden. Die Markgräfin legte Mitte des 18. Jahrhunderts den Grundstein für die wissenschaftliche Sammlung. Sie war von Mineralien fasziniert und trug eine große Zahl davon zusammen.

Es ging ihr dabei nicht nur darum, schöne Steine zu besitzen. „Karoline Luise wollte auch wissen, was sie vor sich hatte“, sagt Eduard Harms, Leiter des Referats Bildung und Vermittlung. Die Markgräfin galt in ihrer Zeit als ausgesprochene Fachfrau in puncto Mineralienkunde.

Das Naturkundemuseum am Friedrichsplatz in Karlsruhe zieht jährlich zahlreiche Besucher an. Foto: Jörg Donecker

Zu den besonderen Stücken in der Mineralien-Sammlung zählt heute ein Tropfchalzedon. Schon Johann Wolfgang von Goethe soll sich für solche mit Kristallen gefüllte Gesteinshohlräume begeistert haben.

Ältestes Gestein der Erde

Der Dichter wäre vermutlich auch von einem anderen Stück angetan gewesen: In der Ausstellung „Geologie am Oberrhein“ liegt in einem Schaukasten ein Stein, der von der ältesten Gesteinsschicht der Erde stammt. „Die meisten Besucher gehen leider an ihm vorbei“, weiß Harms. Dabei ist der eher unscheinbar wirkende Amphibolit rund 4,3 Milliarden Jahre alt.

Einem Schmuckstück gleicht dagegen der Stein-Eisenmeteorit. Er ist klein, mit grünlichen Olivinkristallen durchsetzt – und äußerst selten. „Und für die Geologie sehr interessant“, erklärt Harms. Denn das Material erzählt von der Geschichte der Erde.

5.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche hat das Museum zur Verfügung. Im Erdgeschoss sind neben Meteoriten und Co. auch Fossilienfunde aus Südbaden sowie Skelette von Sauriern zu sehen. Außerdem geht es um heimische Tiere und ihre Lebensräume. Im Obergeschoss begeben sich die Besucher in die Welt der Insekten und lernen sowohl die hiesige Natur als auch die Fauna Afrikas kennen. Modelle, Präparate, Fotos und Videos dienen der Wissensvermittlung.

Führungen geben vertieften Einblick

Wer sich intensiv mit einem Thema beschäftigen will: Das Museum bietet verschiedene Führungen an. So geht es etwa am Donnerstag, 3. September, um die Baukünstler der Natur. Die Biologin Petra Guder führt Interessierte durch die Dauerausstellung „Form und Funktion – Vorbild Natur“. In normalen Zeiten gibt es zudem Kurse für Kinder. Sie fallen momentan jedoch wegen Corona aus.

Die Pandemie ist auch der Grund dafür, dass derzeit die geowissenschaftlichen Ausstellungen im Erdgeschoss nicht besucht werden können. Geplant ist, die Schau am 8. Oktober wieder zu öffnen – vorbehaltlich der Infektionszahlen. Es soll dort dann eine weitere Attraktion geben: Das Naturkundemuseum baut derzeit ein Becken für einen Riesenmolch. Die Amphibie lebt momentan noch im Untergeschoss.

Das Vivarium ist allerdings auch jetzt geöffnet. Besucher haben also die Möglichkeit, nach einer Tochter der berühmten Bambushai-Dame Ausschau zu halten.

Naturkundemuseum Karlsruhe

Das Naturkundemuseum befindet sich in der Erbprinzenstraße 13 in Karlsruhe. Es öffnet Dienstag bis Freitag von 9.30 bis 17 Uhr, samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro für Erwachsene und ist für Kinder sowie Jugendliche bis 18 Jahre frei. Freitags kann das Museum ab 13 Uhr kostenlos besucht werden.

Weitere Infos unter Telefon (07 21) 1 75 21 11 und im Internet unter www.smnk.de .

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner

Ein passionierter Weintrinker ist Klaus Straub aus Lauf schon mal. In seinem kleinen Weinkeller hat er auch einige Tropfen – am liebsten „trocken, rot und holzig”. Als Wein-Kenner würde der 51-Jährige sich dennoch nicht beschreiben. „Ich weiß, was mir schmeckt”, fasst er sein Wissen lachend zusammen. Das kann er jetzt bei einem Weinseminar bei der Expertin Natalie Lumpp aufbessern. Wahrscheinlich werde ihn seine Frau Nicole begleiten, verrät Klaus Straub, auch wenn die seine Leidenschaft für gute Tropfen nur bedingt teile. Doch immerhin hat er ihr zu verdanken, dass er beim vierten Teil des BNN-Sommerrätsels gewonnen hat. Sie hat ihn zur Teilnahme überredet, seiner allerersten überhaupt.

Klaus Straub aus Lauf hat beim vierten Teil des BNN-Sommerrätsels gewonnen. Foto: Hubert Doll

Über den Geschenkkorb mit badischen Spezialitäten darf sich Robert Schultheis aus Weingarten freuen.

Die drei BNN-Wanderführer gehen an Kai Kade aus Karlsruhe, Birgit Kempa aus Eggenstein-Leopoldshafen und Nicole Kohler aus Bühlertal.

Die Gewinner der drei DVD-Boxen „Zurückgespult” sind Wilhelm Jäger aus Achern, Dorle Drausnigg aus Ettlingen und Axel Ochs aus Gaggenau.

Teil 5 des Sommerrätsels

Der nächste Teil unserer Sommerrätsel-Serie „Rekorde und Kuriositäten” erscheint am kommenden Montag, 31. August.

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