Skip to main content

Interview mit Andreas Matzarakis

Experte für Medizin-Meteorologie: „Wetterfühligkeit ist kein Mythos“

Mit dem Wetterumschwung kommen wieder die Wehwehchen. „Wetterfühligkeit ist kein Mythos“, sagt Andreas Matzarakis, Experte für Medizin-Meteorologie beim Deutschen Wetterdienst. Im Interview gibt der Professor auch Tipps, wie man vorbeugen kann.

Andreas Matzarakis forscht beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg. Foto: Klaus Polkowski

Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Gelenkschmerzen – rasche Wetterumschwünge machen vielen Menschen zu schaffen. Aktuell spielt der Winter mit seinen Temperaturkapriolen verrückt.

Andreas Matzarakis ist beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg Experte für Medizin-Meteorologie. Im Interview mit BNN-Redakteur Dirk Neubauer erklärt er, warum Wetterfühligkeit kein Mythos ist und gibt Betroffenen Tipps.

Vom Kälte-Keller in die Wärme: Schon am Dienstag soll es im Oberrheingraben wieder gut zweistellige Temperaturen geben. Ist so etwas normal?
Matzarakis

Das kann durchaus vorkommen. Abrupte Temperaturunterschiede von bis zu 20 Grad Celsius sind keine Seltenheit.

Ist Wetterfühligkeit denn ein Mythos?
Matzarakis

Nein, das ist sie nicht. Alle Menschen reagieren auf Wetterveränderungen, das ist wissenschaftlich erwiesen. Unter Wetterfühligkeit versteht man übrigens alles, was mit dem vegetativen Nervensystem zu tun hat.

Wie viele Menschen in Deutschland sind betroffen?
Matzarakis

Über 50 Prozent bezeichnen sich als wetterfühlig. Sie sagen, dass das Wetter – konkret die Wetterveränderung – einen Einfluss auf sie hat. Die Menschen reagieren unterschiedlich stark. Der Grund dafür ist, dass die Vorgeschichte der Betroffenen jeweils unterschiedlich ist. Da geht es dann um Krankheiten, um den aktuellen Gesundheitszustand, Krankheitsgeschichte, Stress, um Hormone oder auch um den Biorhythmus.

Wann wird es kritisch?
Matzarakis

Rasche Veränderungen von einem Hochdruck- in ein Tiefdruckgebiet, wie aktuell, machen vielen Menschen zu schaffen. Das Wetter selbst ist übrigens nicht schuld. Es bringt aber das Fass zum Überlaufen. Der Organismus kommt nicht so schnell mit, weil die Anpassungsfähigkeit eingeschränkt ist.

Wer leidet am ehesten?
Matzarakis

Ältere Menschen, eben, weil es da schon eine längere Krankheitsgeschichte gibt. Frauen leiden auch eher unter starken Wetterwechseln als Männer. Und bei Stress sind häufig die jüngeren Berufstätigen betroffen.

Was sind die häufigsten Symptome?
Matzarakis

Wir Wissenschaftler nennen da vier Gruppen: Zur ersten Gruppe gehören Schlafstörungen und Abgeschlagenheit. Bei der zweiten geht es um Herz und Kreislauf. Drittens sind Atemwegsbeschwerden zu nennen. Und bei der vierten Gruppe sind rheumatische Beschwerden das Thema.

Wer wetterfühlig ist, kann auch vorbeugen …
Matzarakis

… ja, durchaus. Fitness und eine gesunde Ernährung sind wichtig. Man sollte Stress reduzieren. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, Saunieren und Kneipp-Bäder sind ebenfalls gut. Ich dusche zum Beispiel jeden Morgen kalt und bin bislang nicht wetterfühlig.

Und wenn es zum Wetterumschwung kommt und die Menschen dennoch massiv leiden?
Matzarakis

Das trifft vor allem sogenannte wetterempfindliche Menschen. Sie machen etwa 20 Prozent der Bevölkerung aus. Ihnen kann häufig nur der Arzt helfen.

Kostenlos weiterlesen

  • 7 Tage BNN+ lesen
  • Kein Abo, keine Kosten
  • Weniger Werbung

Informationen zur Verarbeitung personenbezogener Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Die BNN ist berechtigt, Ihre E-Mail-Adresse zur Information über eigene und ähnliche Produkte (wie BNN+, ePaper oder Zeitung) zu nutzen. Sie können der Verwendung jederzeit hier widersprechen, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.
nach oben Zurück zum Seitenanfang