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Sommerrätsel 2020 Lösung 1

Fast wie in Versailles: Kurfürst Carl Philipp baute das zweitgrößte Barockschloss Europas

Im ersten Teil unseres Sommerrätsels war das Mannheimer Schloss gesucht. Der Pfälzer Kurfürst Carl Philipp ließ es ab 1720 errichten – und stellte damit einen Rekord auf: Seine neue Residenz war das größte Barockschloss in deutschen Landen.

Alte Pracht: Nur wenige Räume im Mannheimer Schloss sind im ursprünglichen Stil rekonstruiert worden – einer davon ist dieser Speisesaal. Foto: Dirk Alten

„Er sah sich als Nachfolger der römischen Kaiser“, sagt Uta Coburger und schaut zur Decke hoch. Über ihr befiehlt Juno – barbusig und in wallendem Gewand – Aeolus, die Winde gegen Aeneas zu entfesseln. Das Fresko erzählt eine Episode aus der antiken Mythologie.

Die darin enthaltene Botschaft – „die Adelswelt verstand sie damals sofort“, erklärt die Konservatorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg. Das Deckengemälde befindet sich im Mannheimer Schloss. Sein Erbauer, Carl Philipp, Kurfürst von der Pfalz, ließ sich in dem Fresko verewigen. Denn Aeneas, der Stammvater Roms, sollte ihn darstellen.

Der Kurfürst hatte 1720 den Grundstein für seine neue Residenz gelegt und später dafür gesorgt, dass Cosmas Damian Asam die Decke des prachtvollen Treppenhauses mit drei Aeneas-Szenen ausmalte. Die Fresken sowie überhaupt das gesamte Schloss sollten eines betonen: der Herrscher der Pfalz ist mächtig. Denn wer konnte schon von sich sagen, dass er mitbestimmt, wer auf dem Kaiserthron des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation sitzt?

Zweiter Weltkrieg zerstört die Pracht

Besucher Mannheims schenken dem Schloss meist wenig Beachtung. Es wurde im Zweiten Weltkrieg fast komplett zerstört, dann zwar wiederaufgebaut, doch längst nicht in der einstigen Pracht. Kaum jemand steuert daher heute die nordbadische Metropole wegen der ehemaligen Residenz der Kurfürsten an.

Das Heidelberger Schloss dagegen zählt zu den Sehenswürdigkeiten mit Weltruhm, in Scharen strömen Touristen von überall hierher. An sich absurd. Denn das war anders geplant.

„Altertümlich“

1716 wird Carl Philipp Kurfürst von der Pfalz. Er ist schon 55 Jahre alt, als er den Titel von seinem verstorbenen Bruder erbt und nach Heidelberg zieht. Die Stadt am Neckar war Stammsitz seiner Vorgänger. Carl Philipp aber gefällt es dort überhaupt nicht. Er ist Katholik, seine Untertanen sind Protestanten. Die beiden Parteien beäugen sich mit Argwohn, es kommt zum Streit.

Dies allein hätte den neuen Kurfürsten vielleicht nicht bewogen, Heidelberg den Rücken zu kehren. Da gibt es noch eine zweite Sache: Carl Philipp will nicht auf Dauer im Schloss leben. „Er findet es hässlich und altertümlich“, sagt Coburger. Der Bau ist damals schon eine Ruine. Der 30-jährige Krieg sowie der pfälzische Erbfolgekrieg haben ihn stark in Mitleidenschaft gezogen, und danach war er nur halbherzig renoviert worden.

Carl Philipp verwirft einen Wiederaufbau. Er will anders wohnen, der Mode der Zeit entsprechend. Das heißt: groß, prunkvoll und herrschaftlich. Wie Ludwig XIV. eben. Der Sonnenkönig hatte mit Versailles Maßstäbe gesetzt, dem Kurfürst gilt der Franzose als Vorbild. „Er wünscht sich ein richtig schönes Barockschloss“, erklärt Coburger.

Neuer Standort für neues Schloss

So entscheidet sich Carl Philipp, neu zu bauen. Doch nicht am Rand des Odenwalds: Der Kurfürst beendet das Kapitel Heidelberg und verlegt seine Residenz weiter nach Westen, an den Zusammenfluss von Rhein und Neckar. Das dortige Städtchen betrachtet er als perfekt für sein Großprojekt: Mannheim hat Platz. Und weil der Ort als Festung konzipiert war, hat er einen geometrischen Grundriss, die Straßen bilden Quadrate - für Carl Philipp die ideale Umgebung für ein neues Schloss.

Vor 300 Jahren, am 2. Juli 1720, wird der Grundstein für den Neubau gelegt. 40 Jahre vergehen, bis er fertig ist. Es entsteht ein Barockensemble, das in Europa seinesgleichen sucht. Das Schloss besteht aus fünf Flügeln, in denen sich hunderte, prunkvoll eingerichtete Räume verteilen. Es gibt einen Ehrenhof und einen großen Garten. Nur das Versailler Schloss bietet mehr.

Eingeengt von Straßen und Schienen ist der riesige Bau heute. Foto: Achim Mende

Carl Philipp begleitet den Bau bis zu seinem Tod 1742. Sein Erbe, Carl Theodor, vollendet das Projekt. Die Fertigstellung damals dürfte genauso viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben wie rund 200 Jahr später die Zerstörung: Die Bomben des Zweiten Weltkrieg treffen auch das Schloss, von der prachtvollen Anlage bleibt fast nichts übrig.

Was Besucher heute sehen, ist daher nicht das Original. Das Schloss wurde Stück für Stück wiederaufgebaut. Seine Hülle jedenfalls. Die Innenräume dagegen erhielten eine neue Bestimmung. Sie dienen nicht mehr dem Repräsentieren, sondern der Lehre: Die Universität Mannheim ist im Schloss zuhause.

Der Erbauer ist überall präsent

In die Zeit der Kurfürsten tauchen Besucher lediglich in einem kleinen Teil ein. Zu diesem gehört das wieder hergestellte Treppenhaus. Carl Philipp ist dort überall präsent - nicht nur als Aeneas in den Deckengemälden, die Carolus Vocke 1956 mit Hilfe von Vorlagen anfertigte, sich dabei aber nicht in jedem Detail an das Original hielt. Der Kurfürst ließ sich symbolisch auch im Stuck der Wände verewigen. „Er feierte sich als Kriegsheld“, erklärt Coburger. Denn Carl Philipp war in den Türkenkriegen als Feldherr dabei.

Vom prunkvollen Treppenhaus aus gelangte Carl Philipp in den Rittersaal. Der große Raum ist heute einer von acht, die die die glorreiche Vergangenheit auferstehen lassen. Sie wurden mit dem Inventar aus der Zeit der Kurfürsten bestückt, sprich mit verzierten Möbelstücken, wertvollen Gemälden und großen Tapisserien. Und auf einer langen Tafel steht ein wahrer Schatz: das badische Hofsilber. Es wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Paris für Karlsruhe gefertigt, genauer: für Großherzog Ludwig von Baden. Mannheim erstand es 2004, als das Haus Baden seine Kostbarkeiten versteigerte.

Mannheim, Schloss Foto: Petra Hirschel Foto: Petra Hirschel

Ein Stockwerk tiefer gibt es ein Museum. Dort sind Dinge zu sehen, die sich irgendwann einmal im Schloss befunden haben. Zum Beispiel Bücher aus der einstigen Hofbibliothek. Oder ein Konsolentisch mit einer Porzellanzarge. „Etwas Besonderes“, sagt Konservatorin Coburger. Denn die Zarge ist aus nur einem Stück gefertigt und vermutlich der übrige gebliebene Rest eines Tisches, der komplett aus Porzellan war.

Künftig soll es noch mehr zu sehen geben. Ein einst berühmtes Schlafzimmer soll wieder entstehen. Da der Raum nicht mehr vorhanden ist, will sich das Museum behelfen. Die Rekonstruktion geschieht digital. Besucher können dann mit Hilfe einer VR-Brille durch das Schlafzimmer gehen. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich eines Tages die gesamte einstige Pracht des riesigen Schlosses erleben. Petra Hirschel

Das Mannheimer Schloss

Das Schloss hat von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Beim Besuch des Schlosses gelten die Regeln der aktuellen Corona-Verordnung. Für Besucher ab sechs Jahren ist das Tragen einer Maske Pflicht, zudem müssen sie auf einen Mindestabstand von 1,5 Metern achten.

Weitere Infos gibt es unter Telefon (06221) 658880 und online unter www.schloesser-und-gaerten.de .

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner

Es ist das allererste Mal, dass Alfred Köhler aus Waghäusel etwas gewinnt – dabei macht der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Wiesental bereits seit der ersten Auflage beim Sommerrätsel der BNN mit. Mit dem ersten Rätsel hat er nun zwei Übernachtungen mit Halbpension im Hotel Auerhahn gewonnen und kann sein Glück noch gar nicht fassen. „Ich hielt es eigentlich für ausgeschlossen, dass ich gewinne”, sagt Köhler, als er die Nachricht von seinem Gewinn erhält.

Alfred Köhler hat beim ersten Sommerrätsel einen Gutschein für das Hotel Auerhahn gewonnen. Er ist Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Wiesental. Foto: Michael Bender

Ins Hotel begleiten wird ihn seine Frau. Die beiden Eheleute haben in diesem Jahr noch keinen richtigen Urlaub gemacht. Sie waren lediglich zu einer Präventionswoche unterwegs, der Gesundheit wegen. Mit dem Hotelgutschein wollen die beiden sich jetzt ein paar schöne Tage machen. „Ich freue mich besonders, dass man wieder ein schönes Hotel erleben darf”, sagt Alfred Köhler.

Der Geschenkkorb mit badischen Spezialitäten geht an Irene Deger aus Ettlingen.

Die Gewinner der drei Zoo-Bücher sind Ursula Oesterle aus Pforzheim, Jenny Winterscheid aus Karlsruhe und Gerhard Hollstein aus Elchesheim-Illingen.

Über drei DVD-Boxen „Zurückgespult” dürfen sich Bergit Müller-Bohnert aus Achern, Gudrun Haas aus Marxzell und Reinhold Seemann aus Remchingen freuen.

Teil 2 des Sommerrätsels

Der nächste Teil unserer Sommerrätsel-Serie „Rekorde und Kuriositäten” erscheint am kommenden Montag, 10. August.

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