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Doku-Drama über badischen Flussbaumeister

Filmpremiere im Karlsruher Kino: „Tullas Traum“ in der Schauburg

Er war ein genialer Ingenieur, technikbegeistert und getrieben von der Idee, den wilden Rhein zu bändigen: Johann Gottfried Tulla. Das Doku-Drama „Tullas Traum“ beleuchtet unterhaltsam und historisch hochinteressant Werk und Leben des badischen Flussbaumeisters.

Filmmoment: Johann Gottfried Tulla (Schauspieler Steffen Schroeder) braucht den Schutz von Soldaten, weil an der Knielinger Rhein-Baustelle die Bauern rebellieren. Foto: Peter Bardehle/Vidicom

Es ist das Jahr 1817. Die Bauern rebellieren in Knielingen bei Karlsruhe gegen den Ausbau des Rheins. „Niemals! Mir gehet net weg!“, rufen sie. „Wovon solle wir denn lebe?“ Soldaten reiten auf.

„Nein, nicht schießen“, brüllt Baumeister Johann Gottfried Tulla. Dann sind Schüsse zu hören. Wurde tatsächlich jemand getroffen, oder gar getötet? Die Frage kann heute niemand mehr beantworten. Aber dem Doku-Drama „Tullas Traum – Wie der Rhein seinen Fluch verlor“ verleiht diese Szene Würze.

Mein Traum wäre es, endlich dem Rhein Paroli zu bieten.
Johann Gottfried Tulla, Film-Titelheld in „Tullas Traum“

Zum Wochenende lief der gleichermaßen unterhaltsame wie historisch hoch interessante Film zum ersten Mal im Kino, in der Karlsruher Schauburg. Geplant war das bereits zum 250. Geburtstag des Rhein-Bändigers Tulla im März 2020 – doch der Corona- Lockdown kam dazwischen.

Nun holte Regisseur Peter Bardehle die Premiere des SWR- und Arte-Films auf großer Leinwand nach. Auch Hauptdarsteller Stefan Schroeder kam. „Mein Traum wäre es, endlich dem Rhein Paroli zu bieten“, ruft er als großherzoglicher Flussbaumeister.

Die Bauern leiden an Malaria – und fürchten doch den Rhein-Umbau

Der Film wechselt zwischen Spielszenen und Experten-Interviews. Historiker und Naturwissenschaftler kommen zu Wort. Sie berichten von Tullas Technikbegeisterung und seinen Bildungsreisen. Aus Paris bringt er das Meter-Maß mit – die Badener messen damals noch ungenau in Gliedmaßen, in „Ellen“.

Bei den Bauern schürt Tullas Jahrhundert-Projekt am Rhein jedoch Existenzängste. Sie fürchten um ihre Weidegründe, die mit den Rheinschleifen abgeschnitten werden und plötzlich am Pfälzer Ufer liegen. Allerdings leiden sie auch an Malaria, dem „Wechselfieber“, das die Rhein-Schnaken übertragen. Und der wilde Strom spült Häuser und Ernten hinweg.

Junggeselle Tulla war finanziell oft klamm

Die Rheinbegradigung beschert Wohlstand – doch Tulla muss zäh ums Geld kämpfen. Auch privat ist der Karlsruher Junggeselle oft klamm.

Der Fluss-Umbau zerstört auch Naturlebensräume. Das ist Thema im Film und bei einer Podiumsdiskussion nach der Kino-Premiere. Tulla könne man diese Folgen schwerlich anlasten, räumt Christian Damm vom Aueninstitut des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) ein: „Tulla war ein Kind seiner Zeit – er hat die damaligen Probleme gelöst.“

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