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Kommunen sollen Einhaltung durchsetzen

Gastronomen in der Region entsetzt über Glühwein-Verbot: Was bedeutet das für die Stände vor Ort?

Angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen verhängt die Landesregierung ein Alkoholausschankverbot. Davon betroffen ist auch der beliebte „Glühwein to go“. Die Wirte in der Region sind entsetzt.

Ab Sonntag verboten: In ganz Baden-Württemberg gilt ab dem 13. Dezember ein striktes Alkoholausschankverbot. Dann darf auch der „Glühwein to go“ nicht mehr verkauft werden. Foto: Philipp Schulze/dpa

Schluss mit dem beliebten „Glühwein to go“. Angesichts unverändert hoher Infektionszahlen verbietet die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart den Alkoholausschank unter freiem Himmel und bereitet damit auch dem Glühweinausschank am Fenster oder außer Haus ein Ende.

Gesundheitsminister Manne Lucha von den Grünen kündigte am Dienstag an, ein flächendeckendes Alkoholverbot in die nächste Corona-Verordnung aufzunehmen. Dieses soll bereits am kommenden Sonntag, den dritten Adventsonntag, in ganz Baden-Württemberg gelten. Die Kommunen forderten Lucha auf, die strikte Einhaltung des Ausschankverbots durchzusetzen.

Die Verkaufsstände sind Anziehungspunkte

Die strikte Maßnahme kommt nicht überraschend. Nachdem es am vergangenen Wochenende in vielen Städten und Gemeinden zu großen Menschentrauben und Ansammlungen vor den Glühweinständen oder Gaststätten gekommen war, die das heiße Getränk am Fenster verkauften, wobei oftmals die geltenden Abstands- und Hygienevorschriften missachtet wurden, hatte Lucha bereits am Montag angekündigt, sich für ein derartiges Verbot einsetzen zu wollen.

„Wir haben jetzt gerade am Wochenende in den großen Innenstädten gesehen, dass im Prinzip die Weihnachtsmärkte über die Hintertür kommen, dass wir Riesenschlangen an Glühweinständen hatten“, bemängelte Lucha. Das könne und dürfe nicht sein. Die Verkaufsstände seien „Anziehungspunkte“, und die Kunden hielten sich dort nicht mehr an die Abstandsregeln.

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg nannte das Ausschankverbot gegenüber unserer Redaktion „bedauerlich“ für die Betriebe, die sich an die geltenden Regeln gehalten und die Gäste gedrängt hätten, die nötigen Abstände einzuhalten. „Wenn aber nach Ansicht der Landesregierung zur Bekämpfung der Infektion ein flächendeckendes Alkoholverbot zwingend notwendig ist, müssen wir das akzeptieren“, sagte Dehoga-Sprecher Daniel Ohl den BNN.

Schausteller haben das Verbot erwartet

In Karlsruhe haben die Schausteller der „Weihnachtsstadt“ ein derartiges Verbot bereits erwartet. Die Vorsitzende der Schausteller, Susanne Filder, sagt, sie gehe davon aus, dass die Besucherzahlen nicht zurückgehen werden, dass die Gäste sich aber ohne Glühweinausschank nicht mehr so lange aufhalten werden.

Unser Motto war: Wir retten Weihnachten!
Ramo Ertürk, Cafe „Extrablatt“ in Bruchsal

In Bruchsal überlegt Ramo Ertürk, der Geschäftsführer des Cafes „Extrablatt“ in der Fußgängerzone, wenigstens noch alkoholfreien Kinderpunsch auszuschenken. „Unser Motto war: Wir retten Weihnachten!“, sagt er. „Die Leute waren froh, dass sie bei uns wenigstens etwas Weihnachtsstimmung bekommen haben.“ Ansammlungen von Menschen habe es vor seinem Cafe nicht gegeben.

Drive-In-Markt auf Privatgelände

Regelrecht „geschockt“ von der Nachricht ist der Rastatter Event-Techniker Tobias Petraschko, der im Industriegebiet einen „Drive-In-Weihnachtsmarkt“ veranstaltet. „Wenn das wirklich so kommt, müssten wir das hier bleiben lassen. Die Kosten wären nicht mehr gedeckt“, sagt er.

Noch hat er allerdings die Hoffnung, dass der Drive-In samt Cocktail-Lieferservice in einer rechtlichen Grauzone angesiedelt ist.

Kunstschnee und Funkellichter: Beim Drive-In-Winterzauber in der Lochfeldstraße gibt es richtig viel Weihnachtstimmung zum Vorbeifahren. Foto: Elisa Walker

„Wir sind auf einem privaten Gelände. Derzeit prüft das Ordnungsamt die Lage.“ Während des ersten Lockdowns, als alles dicht war, sei Alkohol kein Thema gewesen. „Da durften wir unsere Cocktails liefern.“ In der Rastatter Innenstadt gilt ohnehin ein striktes Alkoholverbot.

Bis Samstag, 17 Uhr, verkaufe ich ihn noch. Dann hat sich das leider erledigt.
Andreas Schreiber, Glühweinverkäufer in Pforzheim

Groß ist die Enttäuschung auch bei Alexander Schreiber, dessen Glühweinstand auf dem Pforzheimer Sedanplatz als magischer Anziehungspunkt wirkt. „Wir Schausteller sind in diesem Jahr mit sehr vielen Nackenschlägen konfrontiert – und das ist nun ein weiterer“, klagt er.

Die Umsatzeinbußen, die ihn mit dem Ausschankverbot ab Sonntag treffen, bezeichnet er als dramatisch. „Bis Samstag, 17 Uhr, verkaufe ich ihn noch. Dann hat sich das leider erledigt.“ Die meisten Kunden seien wegen des Glühweins gekommen. „Und dann essen sie auch etwas.“ Ohne Glühwein würden die meisten erst gar nicht mehr kommen.

Für Thomas Meurer vom beliebten „LeBistro“ in der Baden-Badener Sophienstraße ist nach dem seit Anfang November geltenden Teil-Lockdown klar, dass die Gastronomie nicht der Verbreitungsmotor für Covid-19 ist oder war. „Demnach halte ich die weiterführenden Maßnahmen wie Alkoholverbot oder die angekündigte Ausgangssperre nur für wirtschaftsschädigend.“

Glühwein aus eigenem Anbau

„Gerade jetzt“ lautet dagegen die Devise in Weingarten. Die „Mühle“ lädt am Samstag von 16 bis 20 Uhr demonstrativ zu einem neuen Weihnachtsmarkt mit Glühwein, Flammkuchen, Grillwurst und Pommes auf ihr Außengelände ein.

Daneben präsentieren Holzschnitzer, Schmuckverkäufer und Winzer ihre Produkte. „Wir haben überlegt, wie wir den Menschen eine Freude machen können“, sagt Stefan Lepp. Mit einer Einbahnstraßenregelung und Abstandsmarkierungen sei der ganze Markt Corona-konform. Und der Glühwein stammt aus eigenem Anbau.

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