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Ferien in Corona-Zeiten

Heimaturlaub statt Fernreise? So verbringen unsere Leser ihren Sommerurlaub

Ob Kinderfreizeit oder Kreuzfahrt: Die Corona-Pandemie macht vielen Urlaubern einen Strich durch die Rechnung. Fünf BNN-Leser erzählen, wie das Virus ihre Sommerferien verändert.

Sandra und David Köhler aus Rheinstetten wollten diesen Sommer mit ihrer fünfjährigen Tochter und deren Großeltern durch die USA reisen. Alles war organisiert und gebucht, dann kam Corona. Foto: Privat

Diesen Donnerstag beginnen in Baden-Württemberg die großen Ferien. Doch die Coronavirus-Pandemie hat viele Urlaubspläne durchkreuzt. Laut einer aktuellen Umfrage des Energieanbieters E.ON will immerhin noch knapp ein Drittel der Baden-Württemberger (28 Prozent) in den nächsten Wochen eine Urlaubsreise antreten. Damit liegt der Südwesten nah am Deutschland-Trend: Bundesweit geben 30 Prozent der Befragten an, diesen Sommer zu verreisen. Wir haben uns bei BNN-Lesern umgehört, wie ihr Sommerurlaub in Corona-Zeiten aussieht.

Schwarzwald statt Westküste

Sandra und David Köhler aus Rheinstetten hatten große Pläne. „Wir wollten im August nach Las Vegas fliegen und dann drei Wochen die Westküste entlang fahren”, sagt die junge Mutter. „Mit unserer fünfjährigen Tochter und den Schwiegereltern. Es war schon alles organisiert und gebucht. Vor einem Jahr haben wir mit den Reiseplanungen begonnen. Aber dann kam Corona.”

Für Sandra Köhler und ihren Mann wäre es der dritte USA-Trip gewesen. „2013 waren wir das erste Mal dort – das war unsere Hochzeitsreise. Uns hat es so gut gefallen, dass wir ein Jahr später gleich nochmal hingeflogen sind”, sagt sie. Für Köhlers Schwiegereltern wäre es das erste Mal gewesen. „Die haben sich sehr darauf gefreut. Schade, dass es jetzt nicht klappt.”

Das Geld für die Flüge haben sie noch nicht zurückerstattet bekommen. Die Lufthansa habe aber inzwischen angekündigt, dass es bald überwiesen werde, so Köhler. „In den USA war es kein Problem. Mietwagen und Übernachtungen, das konnten wir alles stornieren. Nur auf den Karten für ein Baseball-Spiel in Los Angeles bleiben wir sitzen. Die haben 170 Dollar gekostet, das können wir verschmerzen.”

Statt drei Wochen Roadtrip durch Amerika fährt die Rheinstettener Familie nun für eine Woche in den Schwarzwald: Urlaub auf dem Bauernhof In Elzach. „Darauf freuen wir uns auch”, sagt Sandra Köhler. „Und unsere USA-Reise wollen wir nächstes Jahr nachholen. Hoffentlich klappt es dann.”

Kreuzfahrt verschoben

Gerd Müller aus Grötzingen wollte diesen Sommer in den hohen Norden reisen – und zwar per Schiff. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin hatte er eine Kreuzfahrt bei TUI Cruises gebucht. In Hamburg wären sie in See gestochen, ans Nordkap gefahren, nach Spitzbergen und Island. „Es ist eine entspannte Möglichkeit, diese Region zu entdecken. Denn man hat das Hotel immer dabei”, sagt Müller. „Ohne Kreuzfahrt wären es drei Urlaube, wenn man all diese Ziele ansteuern will.”

Gerd Müller aus Grötzingen hatte ein Kreuzfahrt nach Norwegen, Spitzbergen und Island gebucht. Jetzt hofft er, dass er sie nächstes Jahr nachholen kann. Foto: Privat

Doch die Reederei musste die Reise wegen des Coronavirus absagen. Die rund 10.000 Euro für eine Außenkabine hat Müller nicht zurückgefordert. „Das war für mich nicht zur Diskussion gestanden. Wir haben die Reise auf nächstes Jahr verschoben. Die Umbuchung verlief problemlos und wir haben noch einen Bonus erhalten”, sagt er. Wobei Müller in diesen Dingen Profi ist. Er betreibt ein Reisebüro in Grötzingen.

Die Kreuzfahrt, die unter dem Titel „Norwegen mit Spitzbergen und Island” angeboten wird, wollte der Reisefachmann aber nicht aus beruflichen Gründen, sondern aus rein privatem Interesse antreten. Nun hofft er, dass man die Pandemie bald in den Griff bekommt und die nun gebuchte Schiffsreise im Juli 2021 nicht erneut abgesagt werden muss.

„Ich habe etwas Bauchschmerzen, aber die Hoffnung stirbt zuletzt”, so Müller. „Wenn das Kreuzfahrt-Geschäft nächstes Jahr nicht anläuft, gibt es die Reedereien irgendwann nicht mehr”, befürchtet er.

Ab an die Adria

Familie Armbrust aus Karlsruhe lässt sich die Reiselust nicht nehmen. „Wir fahren am Montag nach Kroatien”, sagt Katharina Armbrust. „Wir”, das sind ihr Mann und ihre drei Kinder sowie zwei weitere Familien aus Karlsruhe und Waldbronn. „Wir haben drei nebeneinander liegende Häuser in einer Ferienanlage gemietet. Dort sind wir für uns. Vor Corona haben wir deshalb keine Angst.”

Familie Armbrust aus Karlsruhe lässt sich die Reiselust nicht nehmen: Für zehn Tage geht es in ein Ferienhaus nach Kroatien. Foto: Privat

Bei der Buchung im Januar war von einer Pandemie noch nicht die Rede. „Danach haben wir uns schon mehrfach überlegt, ob wir die Reise absagen. Aber als im Juni die Einschränkungen wieder gelockert wurden, haben wir uns entschieden, dass wir auf jeden Fall nach Kroatien zu fahren”, sagt Armbrust. „Letztes Jahr waren wir zum ersten Mal dort, es hat uns so gut gefallen, weil es ein total familienfreundliches Land ist.”

Auch wenn die Infektionszahlen aktuell wieder steigen, will sich Familie Armbrust nicht von ihrem Urlaub an der Adria abbringen lassen. „Wir beobachten die Lage schon, aber wir machen uns nicht verrückt. Maßgeblich sind für uns die Reisewarnungen der Bundesregierung”, sagt die dreifache Mutter. „Im schlimmsten Fall bleiben wir eben innerhalb unserer Ferienanlage und gehen nur zum Einkaufen raus. Aber das könnte uns hier zuhause genauso passieren.”

Lagerfeuer in Rüppurr

Pauline Supper wohnt mittlerweile in München. Denn dort studiert sie Osteopathie. Ihrer Karlsruher Heimat fühlt sie sich aber noch sehr verbunden. Besonders im Sommer. Dann fährt sie ins Ferienlager der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) Rüppurr. Seit Jahren schon, erst als Teilnehmerin, später als Gruppenleiterin und inzwischen als Organisatorin. Doch dieses Jahr musste sie die KjG-Freizeit zum ersten Mal absagen.

Pauline Supper aus Karlsruhe hat mit ihrer KjG-Gruppe ein Ferienlager in Bayern organisiert. Schweren Herzens musste sie absagen. Nun gibt es ein Ersatzprogramm – zuhause in Rüppurr. Foto: Privat

„Das war ein harter Schritt, wir haben uns sehr schwer getan und die Entscheidung lange hinausgezögert”, sagt Supper. „Wie jedes Jahr wollten wir wieder an den Walchensee in Bayern fahren. Wir sind dort in Zeltdachhütten auf einem sehr schönen Gelände, direkt am Wasser.” 80 Kinder waren schon angemeldet, 20 weitere standen auf der Warteliste. Und auch bei den ehrenamtlichen Gruppenleitern sei der Andrang groß gewesen, so die junge Frau. Vor zwei Monaten sei dann jedoch klar gewesen, dass die Freizeit dieses Jahr ausfallen muss.

Supper und ihre Mitstreiter haben auf die Schnell ein Ersatzprogramm auf die Beine gestellt. Statt des Ferienlagers am See gestalten sie nun eine Woche Ferienspaß im Gemeindehaus der Pfarrkirche Christkönig im Stadtteil Rüppurr. Zwar ohne Übernachtung, aber immerhin mit zwei Abenden am Lagerfeuer. „Das ist für die Kinder ganz toll: zur Ruhe kommen, gemütlich zusammensitzen und erzählen.”

My caravan is my castle

Lionel Eckert aus Iffezheim fährt dieses Jahr zum ersten Mal mit dem Wohnmobil in Urlaub. Mit seiner Frau und den beiden Kindern geht es an die französische Atlantikküste. „Sonst sind wir mit dem Flugzeug unterwegs: nach Griechenland, in die Türkei oder die Dominikanische Republik. Aber wegen Corona wollten wir das dieses Jahr nicht. Wir wollen ja nicht krank werden”, sagt Eckert.

Linoel Eckert (links) aus Iffezheim fährt mit seiner Familie zum ersten Mal im Wohnmobil in den Urlaub. Foto: Privat

So kam er auf die Idee, ein Wohnmobil zu mieten. „Da kann ich mich abschirmen, da habe ich meine eigenen vier Wände, kann alles desinfizieren”, erklärt er. Bei der Firma RTS Bühl wurde Eckert fündig. Dort habe man ihn auch bei der Campingplatzsuche unterstützt. „Ich bin ja Anfänger und wusste nicht, worauf man achten muss.”

Und als er fündig wurde, etwa 100 Kilometer nördlich von Bordeaux, habe der Caravan-Vermieter aus Bühl sogar für ihn dort angerufen. „Er ist Franzose und hat das mit den Damen an der Rezeption in fünf Minuten geregelt.”

Am 18. August soll es losgehen. Doch Eckert beunruhigen die aktuellen Nachrichten etwas. „Im Moment ändert sich alles ziemlich rasch, das gibt uns schon zu denken”, sagt er. „Aber Stand jetzt fahren wir auf jeden Fall.”

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