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„Ignatz“ hinterlässt Spuren

Der erste Herbststurm des Jahres sorgt für Schäden in der Region

Sirenen waren schon in der Nacht auf Donnerstag zu hören: Sturmtief „Ignatz" verursachte an manchen Orten der Region Chaos, andernorts blieb es ruhig. Ein Überblick.

Komplett gesperrt: Keine Durchfahrt gab es auf der Rheinbrücke Speyer, nachdem der Anhänger eines Lastwagens umgekippt war. Foto: René Priebe

Ein umgekippter Laster, ausgebüxte Rinder, ein waghalsiger Hubschrauber-Einsatz: Der erste kräftige Herbststurm des Jahres hat seine Spuren in der Region hinterlassen.

Sturmtief „Ignatz“ hat an einigen Orten schon früh am Donnerstag für Chaos gesorgt, andere Teile blieben weitestgehend verschont.

Die Sturmfront zog im Bundesgebiet nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts mit Spitzenwindgeschwindigkeiten von teils mehr als hundert Stundenkilometern von West nach Ost über Deutschland, wobei der Schwerpunkt in der Mitte des Landes lag. Im Lauf des Donnerstags wurden die Unwetterwarnungen nach und nach wieder aufgehoben. Es blieb allgemein aber stürmisch.

Mit etwa 200 Einsätzen war alleine die Karlsruher Polizei beschäftigt. Die Einsatzkräfte berichten von beschädigten Dächern und Fahrzeugen, von umgestürzten Bäumen und umgeknickten Verkehrszeichen.

Demnach ist ein Sachschaden von etwa einer halben Million Euro entstanden. Die städtische Feuerwehr rückte nach eigenen Angaben im Stadt- und Landkreis wegen des Unwetters bis zur Mittagszeit über 200 Mal aus.

In Ettlingen brachen Hochlandrinder aus

Im Albtal wurde ein Pferdebesitzer im Höhenort Malsch-Völkersbach von einem Baum begraben, als er nach seinen Tieren schauen wollte. Der Baum war am Waldrand abgebrochen und traf den Mann.

Der Hubschrauber konnte aufgrund starker Böen nicht landen, der lebensgefährlich verletzte 64-Jährige wurde von der Feuerwehr befreit und dann mit dem Rettungswagen in die Klinik gebracht.

In Karlsruhe-Durlach ist ein Baum durch Sturm „Ignatz“ umgefallen und auf ein geparktes Auto gekracht. Foto: Thomas Riedel

Nur wenige Kilometer weiter mussten in Ettlingen-Spessart am Morgen mit Hilfe von Polizisten Hochlandrinder eingefangen werden. Ein Baum hatte den Weidezaun niedergedrückt, die Tiere konnten ausbrechen, rannten zum Glück der Einsatzkräfte aber nicht in Richtung Straße.

Chaos auch am Ortseingang: Dort hatte sich ein Linienbus festgefahren, nachdem er einem auf die Straße gefallenen Ast über den Radweg ausweichen wollte.

Für die Verkehrsteilnehmer waren die Auswirkungen des Sturmtiefs an mehreren Orten zu spüren. Die Rheinbrücke Speyer musste zeitweise komplett gesperrt werden. Durch den Wind ist der Anhänger eines Lastwagens auf der Brücke umgekippt. Mehrere darauf folgende Lastwagen mussten bremsten und kamen quer auf der Fahrbahn zum Stehen.

Verspätungen im Bahnverkehr in der Region

Wegen einer starken Windböe ist auch ein Lkw auf einer Brücke zwischen Philippsburg-Huttenheim und Bruchsal umgekippt. Im nördlichen Landkreis Karlsruhe gab es insgesamt viel zu tun: Die Feuerwehr Bruchsal meldete 18 Einsätze, Waghäusel alleine zwölf.

Zwischenzeitlich musste auch der Bahnverkehr bei Bruchsal ruhen, weil ein Baum in die Oberleitung gefallen war. Der Schlossgarten wurde vorsorglich gesperrt, um Fußgänger vor herabstürzenden Ästen zu schützen.

Auch andernorts hatten Bahnfahrer ihre Probleme, etwa auf der Bahnstrecke zwischen Stuttgart, Pforzheim und Karlsruhe. Vielerorts im Regionalverkehr kam es zu Ausfällen und Verspätungen. In Nordrhein-Westfalen wurde der Fernverkehr der Deutschen Bahn zeitweise eingestellt.

Zum Glück gab es keine Verletzten und keine allzu großen Schäden.
Annika Willig, Betreiberin Tierpark Bretten

Die Merkur-Bergbahn in Baden-Baden wurde aus Sicherheitsgründen am Donnerstag bis auf Weiteres geschlossen. Ohnehin waren der Stadtkreis Baden-Baden sowie der Landkreis Rastatt und der Ortenaukreis betroffen.

Insgesamt meldete das Polizeipräsidium Offenburg im Zusammenhang mit dem Sturmtief „Ignatz“ mehr als 50 Einsätze. Größere Schadensereignisse blieben nach ersten Erkenntnissen allerdings aus.

Der Zunftbaum in Bretten war bedroht

In Bretten war vor allem der 22 Meter hohe Zunftbaum auf dem Marktplatz im Fokus. Dieser drohte umzufallen, doch die Feuerwehr konnte das mithilfe eines Krans verhindern. Wegen einiger umgestürzter Bäume blieb der Brettener Tierpark geschlossen.

Sicher ist sicher: Feuerwehrleute kümmern sich in Bretten mithilfe eines Krans um den Zunftbaum, der zu fallen drohte. Foto: Thomas Rebel

Wie Betreiberin Annika Willig mitteilt, gab es „zum Glück keine Verletzten und keine allzu großen Schäden“. Insgesamt kam Bretten relativ glimpflich davon.

In Pforzheim sperrte die Stadtverwaltung den beliebten Wildpark und den Hauptfriedhof aus Sicherheitsgründen. In der Heinrich-Wieland-Schule war der Unterricht wegen des Sturms früher zu Ende: Ein Baugerüst wurde beschädigt und drohte einzustürzen. Die Schule wurde evakuiert, auch am Freitag soll noch kein Präsenzunterricht stattfinden.

Die Stadtwerke meldeten Stromausfälle. Im Bahn- und Busverkehr kam es zu Verspätungen und Fahrtausfällen.

Am Freitag soll sich die Lage im Süden beruhigen. Der Deutsche Wetterdienst meldet für den Norden noch mögliche stürmische Böen, Schauer und Gewitter. Im Süden aber soll es in einem breiten Streifen vom Schwarzwald bis nach Ostbayern länger sonnig bleiben. Der Wind soll deutlich schwächer wehen.

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