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Corona-Impfkampagne startet zur Not mit Plan B

Im Karlsruher Impfzentrum sind kurz vor dem Start noch viele Fragen offen

Am 27. Dezember soll in Baden-Württemberg die Corona-Impfkampagne starten. Im Karlsruher Impfzentrum sind kurz vor dem Start noch viele Fragen offen. Trotzdem soll es auf jeden Fall pünktlich losgehen. In Offenburg geht man einen völlig anderen Weg.

Warten auf den Start der Impfkampagne: In Halle 2 der Messe Karlsruhe sind die meisten Vorbereitungen abgeschlossen. Trotzdem hakt es noch an verschiedenen Stellen, beispielsweise bei der Software für die Terminvergabe. Am Sonntag soll es trotzdem mit den ersten 15 bis 20 Personen losgehen. Foto: Jörg Donecker

Drei Tage vor dem Beginn der Corona-Impfkampagne gibt es rund um die Zentralen Impfzentren (ZIZ) in der Karlsruher Messe und in Offenburg noch viele Baustellen.

Am Mittwochnachmittag fehlte in Karlsruhe weiterhin die Software für die Terminvergabe und die Dokumentation. Drucker für die Codes der Impfchargen waren nicht geliefert. Selbst der Vertrag zwischen dem Land Baden-Württemberg als Auftraggeber und der Stadt als Betreiberin des Zentrums war nicht unterschrieben.

Trotzdem ist man im Rathaus bemüht, Optimismus zu verbreiten. Am Sonntag sollen in der Messehalle 2 die ersten 15 bis 20 Menschen geimpft werden. Mobile Teams fahren zur selben Zeit die ersten zwei Heime im Stadt- und Landkreis Karlsruhe an.

Offenburg geht anderen Weg

In Offenburg will sich das ZIZ hingegen zunächst ausschließlich mit den mobilen Teams auf Pflegeeinrichtungen konzentrieren. Der Betrieb vor Ort in der Messe beginne voraussichtlich erst am 5. Januar, teilt die Stadt mit.

Dass in Karlsruhe zum Auftakt vermutlich vieles eher nach Plan B als nach Plan A laufen wird, machen die Erklärungen des Oberbürgermeisters Frank Mentrup (SPD) und der verantwortlichen Bürgermeisterin Bettina Lisbach (Grüne) kurz vor den Feiertagen deutlich.

Wir können nicht zusagen, dass es am Montag Termine geben wird.
Frank Mentrup, Oberbürgermeister von Karlsruhe

Für die ersten Gaben des Vakzins setzt man demnach auf selbst akquiriertes Personal, erst nach ein bis zwei Wochen soll die Verantwortung – wie vom baden-württembergischen Städtetag gefordert – auf das Land übergehen.

Geimpft werden am Sonntag Menschen, die das Städtische Klinikum Karlsruhe dafür ausgewählt hat, eine Terminvereinbarung per Telefon gibt es dafür nicht. Selbst auf eine analoge Dokumentation hat man sich vorbereitet. Die Schwierigkeiten im Umfeld sollen den Start auf keinen Fall verzögern, das ist die eindeutige Botschaft.

In Offenburg wählt man zu Beginn eine andere Strategie. Die Stadt will das gesamte Potenzial an Personal und Impfstoff in Pflegeheimen einsetzen. Das habe „absolute Priorität“, heißt es in einer Mitteilung.

Bis auch in den Offenburger Messehallen der Impfbetrieb beginnt, werden knapp zehn Tage vergehen, so die Schätzung. Am Sonntag rechnet man mit einer Zuteilung von etwa 1.500 der rund 20.000 für Baden-Württemberg angekündigten Impfstoff-Dosen.

Polizei kündigt erhöhte Präsenz an

In Karlsruhe gibt es noch keine konkreten Zahlen. Bürgermeisterin Lisbach spricht von rund 1.000. „Damit können wir etwa 500 Personen impfen, da wir angehalten sind, die Hälfte für den zweiten Termin zurückzuhalten“, erklärt die Bürgermeisterin.

Doch auch das ist eine besondere Herausforderung. Das Vakzin des Herstellers Biontech muss bei etwa minus 80 Grad gelagert werden. In der Messe steht dafür derzeit ein spezieller Gefrierschrank zur Verfügung, ein Ersatzgerät gibt es nicht.

Nicht nur deshalb erklärt man in Karlsruhe die Sicherheit rund um den bevorstehenden Impfbetrieb zur Chefsache. Am Dienstag telefonierte OB Mentrup mit der Polizeipräsidentin Caren Denner. Die versicherte ihm, dass man das ZIZ besonders im Fokus habe. Zusätzliche Streifenfahrten und Präsenz während der Betriebszeiten sollen zusätzlich zu den Mitarbeitern eines Sicherheitsdienstes für einen reibungslosen Ablauf sorgen.

Funktionierende Terminvergabe wichtiger Schlüssel zum Regelbetrieb

Den Sonntag will man in der Messe als Testlauf nutzen. Es gehe darum, den Prozess gemeinsam durchzugehen. Den Übergang zum Regelbetrieb wünscht man sich möglichst zeitnah, idealerweise schon am Montag. Doch er ist noch an viele „Wenns“ geknüpft.

Noch nicht ganz klar ist beispielsweise, wie gut das Sozialministerium bei der Personal- und Dienstplanung vorankommt oder wie viele der etwa 87.500 Dosen, die wöchentlich im Südwesten ausgeliefert werden sollen, in der Karlsruher Messe landen. Lisbach geht deshalb davon aus, dass man sich nur Schritt für Schritt der vollen Leistungsfähigkeit nähern wird.

Einer der entscheidenden Schlüssel ist voraussichtlich die Organisation der Termine, die über eine zentrale Software abgewickelt wird. Die Vereinbarung soll über die Hotline 116 117 laufen, mittelfristig auch über Telefonnummern direkt in den großen Impfzentren oder über eine App. Bis Mittwoch lagen in Karlsruhe zu diesen Puzzleteilen aber so gut wie keine Informationen vor. Mit jedem Tag steigt bei den Verantwortlichen die Ungeduld.

Nicht ohne Termin zum ZIZ

„Diese Software ist ganz wichtig – um zu klären, wer überhaupt einen Termin hat. Und um sicherzustellen, dass es auch einen zweiten Impftermin drei Wochen später gibt“, sagt Mentrup. „Stand heute können wir noch nicht verbindlich zusagen, dass es am kommenden Montag schon Termine geben wird.“ Dennoch solle sich bitte niemand ohne eine Zusage auf den Weg machen.

In den ersten Tagen bis zum Start der geplanten Kreisimpfzentren Mitte Januar ist das ZIZ in Karlsruhe inklusive seiner mobilen Teams für ein relativ großes Gebiet zuständig. Neben dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe geht es um die Stadtkreise Baden-Baden und Pforzheim, den Enzkreis und die Landkreise Rastatt und Freudenstadt.

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