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Enttäuschung für den Landessportverband

Im November steht der Amateursport wieder still

Von dem erneuten Lockdown ab kommendem Montag ist auch der Amateursport betroffen. Denn ab dann ist nur noch individuelles Training erlaubt. Der Landessportverband Baden-Württemberg zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung der Politik.

Im November wie einst im Mai: Ab kommendem Montag ist in Deutschland im Amateurbereich kein Sportbetrieb mehr erlaubt. Foto: Bernd Thissen dpa

Für den Mittwochabend hatte Trainer Dietmar Blicker wie üblich die Spieler des Fußball-Verbandsligisten ATSV Mutschelbach zur Übungseinheit einbestellt. Geplant waren Routinearbeit und die Vorbereitung auf das für den kommenden Sonntag terminierte Punktspiel beim SV Waldhof II. Doch statt Anweisungen auf dem Platz zu geben, verfolgte Blicker die Corona-Pressekonferenz der Kanzlerin, das Training hatte er da schon abgesagt.

„Wir wollen einfach kein Risiko eingehen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir am Wochenende noch in Mannheim spielen“, meinte Blicker eingedenk des Berliner Beschlusses, mit Wirkung vom 2. November für einen Monat den Amateursport komplett zu verbieten. Wie schon im April und Mai ist nur noch individuelles Training wie Joggen erlaubt.

Der Sport hätte als Teil der Lösung gesehen werden sollen und nicht des Problems.
Martin Lenz, Präsident des Badischen Sportbunds

Mit Enttäuschung hat Martin Lenz auf den neuerlichen Lockdown reagiert. Der Präsident des Badischen Sportbunds (BSB) und Karlsruher Sportdezernent sagte den BNN, dass er die Entscheidung zwar irgendwo schon auch verstehe, aber: „Der Sport hätte als Teil der Lösung gesehen werden sollen und nicht des Problems. Wir haben doch bewiesen, dass wir diszipliniert die Regeln einhalten.“

Landessportverband spricht von einem „nicht notwendigen Schritt“

Der Landessportverband Baden-Württemberg stieß in einer Presseerklärung ins gleiche Horn. Er halte die Schließung des Freizeit- und Amateursportbetriebes „für einen nicht notwendigen Schritt zur Eindämmung des derzeitigen Infektionsgeschehens“. Die Hygienekonzepte hätten dazu beigetragen, „dass der organisierte Sport nicht als Hotspot und Ausgangspunkt für das erhöhte Infektionsgeschehen verantwortlich gemacht werden kann“.

Der LSVBW „fordert in der Bewertung der geplanten Lockdown-Maßnahmen und im Hinblick auf die Wiedereröffnung des Sportbetriebes ein gesundes Augenmaß und Fingerspitzengefühl – insbesondere vor dem Hintergrund der Gesundheitsförderung und -erhaltung der Gesellschaft“.

Bis zur Winterpause wohl keine Spiele mehr

Wie Präsident Ronny Zimmermann vom Badischen Fußball-Verband (bfv) dieser Zeitung sagte, würden die bfv-Gremien an diesem Donnerstag darüber beraten, ob am Wochenende noch einmal gespielt werden soll. Die Worte von Ministerpräsident Winfried Kretschmann zur Corona-Lage seien jedenfalls „sehr eindringlich“ gewesen.

Die Ansage der Politik bedeute in der Praxis laut Blicker: „Wir werden bis nach der Winterpause kein Spiel mehr machen.“ Wie der ATSV-Trainer rechnet auch Wolfgang Lipps, der Vorsitzende des Handball-Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen, nun mit einem Lockdown für den Ligenbetrieb über den November hinaus. Ohne Mannschaftstraining seien Spiele im Dezember nicht durchführbar.

Saisonabsage beim Handball, Pause beim Tischtennis, Ungewissheit beim Volleyball

Die Dritte Liga, die der Deutsche Handball-Bund (DHB) organisiert, zählt nicht zu den von der HBL verantworteten beiden Bundesligen. Die Profis in allen Sportarten dürfen weiter ihren Beruf ausüben, bei Spielen sind aber keine Zuschauer zugelassen. Der Badische Handball-Verband (BHV) hatte schon am Dienstagabend für den Bereich von Verbandsliga abwärts beschlossen, aufgrund der enorm gestiegenen Corona-Fallzahlen und immer häufigeren Spielabsagen den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung bis zum 31. Dezember auszusetzen. Der Druck aus den Vereinen wurde immer größer.

Der BHV ging damit noch einen Schritt weiter als der nordbadische Tischtennis-Verband, der eine zweiwöchige Pause angeordnet hatte. Die Schläger müssen nun aber bis mindestens Ende November in der Sporttasche bleiben, auch das Handwerkszeug des Drittligisten TTC Wöschbach.

Meiner Meinung nach sollten wir die Saison abblasen.
Torsten Kirchhardt, Spielertrainer TSG Blankenloch

In der Dritten Liga sind auch die Volleyballer der TSG Blankenloch zuhause. Für sie gilt ebenfalls, dass spätestens nach dem Auswärtsspiel am kommenden Sonntag beim TV Waldgirmes der Ball ruht. Die Männer um Spielertrainer Torsten Kirchhardt würden am Wochenende aber nur mit einem äußerst unguten Gefühl nach Mittelhessen reisen. Es sei es nicht wert, dass Spieler, die montags wieder arbeiten müssen, Risiken eingingen für ihr Hobby, meinte Kirchhardt: „Meiner Meinung nach sollten wir die Saison abblasen.“

Der Nordbadische Volleyballverband (NVV) hatte noch am Montag in einer Pressemitteilung betont, dass weiter gespielt werden sollte, wo es behördlich erlaubt ist. Am vergangenen Wochenende hätten 55 Prozent der Spiele im NVV stattgefunden, 45 Prozent seien auf Wunsch der Vereine verlegt worden. Die Frage, die Kirchhardt für die Dritte Liga aufwarf, hat angesichts fehlender Puffer in den Spielplänen auch für die NVV-Klassen – wie eigentlich für jede Ballsportart – Relevanz: „Wann sollen die Spiele nachgeholt werden?“

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