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„Kunststoff“ aus Papier

Innovationspreis Neo2020 für Karlsruher DHBW-Projekt Plafco

Eine Ausgründung der DHBW ist der Träger des Neo2020-Innovationspreises der Technologieregion Karlsruhe. Die Firma Plafco gewann das Preisgeld von 20.000 Euro für einen neuartigen Faserverbundstoff aus Papier, der in vielen Bereichen das Plastik ersetzen kann.

Vielseitig und strapazierfähig wie Plastik, nachhaltig und recycelbar wie Papier: Der innovative Faserverbundstoff der Karlsruher Firma Plafco, aus dem zum Beispiel umweltfreundliche Trinkhälme erzeugt werden, ist mit dem Innovationspreis Neo2020 ausgezeichnet worden. Foto: DHBW Karlsruhe

Überall ist Plastik um uns herum, der vielseitige Werkstoff ist komfortabel für Verbraucher, aber ein Gift für die Natur. Allein in Deutschland gelangen in die Umwelt jährlich 450.000 Tonnen Kunststoff, der teils Jahrhunderte braucht, um abgebaut zu werden. Die EU hat ein Verbot von Einweg-Plastik ab Mitte 2021 auf den Weg gebracht.

Und so liegt auch der diesjährige Neo2020-Preis der Technologieregion Karlsruhe (TRK) voll im Trend, der am Dienstag in Bühl verliehen wurde. Er geht an das Unternehmen Plafco, deren neuartiges, biobasiertes Material das Potenzial hat, die globale Plastikflut nachhaltig zu mindern.

Ein Faserverbundstoff aus gewöhnlichem Papier

Als eine Ausgründung der DHBW Karlsruhe ist Plafco seit etwa drei Jahren auf dem Markt. Die Firma hat einen geschmeidigen und gleichzeitig strapazierfähigen Faserverbundstoff aus gewöhnlichem Papier entwickelt, der zum Beispiel die Kunststoffverpackungen in der Lebensmittelindustrie ersetzen kann. Er taugt auch als vollwertige Substitution für Einmalprodukte wie Besteck, Trinkhalme und Teller aus Plastik.

Das Material wird durch Anlösen von Zellulose gewonnen, die Strohhalme daraus sind später so steif, dass man damit Trinkkartons durchstechen kann. Zum umweltfreundlichen Konzept gehört auch, dass das biologisch abbaubare Plafco-Produkt wasserlöslich ist und später wiederverwertet werden kann.

Ein echter Fortschritt für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft.
Frank Mentrup, Oberbürgermeister Karlsruhe

Einen „echten Fortschritt für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft“ nannte die Innovation der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Wegen der Corona-Beschränkungen waren die Sieger nicht bei der Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Preises anwesend, sondern sie stießen per Videoschalte aus Durmersheim mit Sekt auf ihren Erfolg an. „Genial, wir wollten ihn eigentlich auf andere Mitbewerber trinken“, freute sich Firmenchef Jukka Valkama, der gleichzeitig an der DHBW Karlsruhe den Studiengang Papiertechnik leitet.

In diesem Jahr gab es 35 Bewerbungen um den seit 2010 verliehenen Neo2020-Innovationspreis - ein Rekord. 20 Projekte vertraten die Technologieregion Karlsruhe, erstmals waren auch drei Bewerbungen aus dem Nordelsass dabei. Die sechs Finalisten repräsentierten eine Vielfallt von Lösungen, wie sie für das angesagte Wettbewerbsthema Bioökonomie heute typisch sind.

Automatische Mehlwurmproduktion für Fischfütterung

Ein Preisanwärter präsentierte eine automatisierte Mehlwurm-Produktionsanlage für die Fütterung von Fisch und Geflügel. Ein anderer Finalist stellt Styropor aus Stroh her, ein weiterer Mitbewerber möchte mit nachhaltigen Einweg-Tischen, Hockern und Liegen aus Wellpappe den humanitären Hilfsorganisationen bei Kriseneinsätzen helfen.

Von Bioökonomie spricht man, wenn Ökologie und wirtschaftliche Aktivität Hand in Hand gehen. Innovative biologische Konzepte haben nach der 2019 verabschiedeten Strategie des Landes Baden-Württemberg das Ziel, erneuerbare Rohstoffquellen zu erschließen, die Treibhausgasemissionen zu senken, natürliche Ressourcen zu schonen und die Biodiversität zu stärken.

Ich träume davon, dass Karlsruhe zu einem Reallabor für die Bioökonomie wird.
Thomas Hirth, Vizepräsident des KIT

Die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion vor der Preisverleihung bescheinigten der Technologieregion Karlsruhe glänzende Perspektiven im Bereich Bioökonomie. Thomas Hirth, Vizepräsident des KIT für Innovationen, sieht große Potenziale besonders im Bau, der Energie- und Pharmabranche, der Auto- und Chemie-Industrie. „Ich träume davon, dass Karlsruhe zu einem Reallabor für die Bioökonomie wird und dies allen zeigt“, sagte der Wissenschaftler.

Der Preis Neo2021 soll für Projekte zum Thema „Industrielle Transformation - Neue regionale Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten“ verliehen werden.

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