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Nachwuchslehrer sollen Fächer abwählen

Junglehrer in Baden-Württemberg fühlen sich überrumpelt

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bekommt an diesem Mittwoch Besuch von protestierenden Nachwuchslehrern: Sie sind sauer, weil sie im Referendariat 2021 nicht in all ihren Studienfächern ausgebildet werden. Die Reform überrascht sie.

Sorge um die Ausbildung: Junge Lehrkräfte in Baden-Württemberg fühlen sich übergangen, weil sie vor dem Start ins Referendariat eines ihrer drei Studienfächer streichen sollen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa Foto: Julian Stratenschulte

Aus Sicht der Junglehrer ist es ein großes Ärgernis, und obendrein fühlen sie sich überrumpelt: Da haben sie jahrelang drei Fächer studiert - aber fürs Referendariat sollen sie nun plötzlich eines davon abwählen. So verlangt es das Kultusministerium.

Per Mail informierte es die Nachwuchspädagogen in der zweiten Septemberwoche. „Die Nachricht kam mitten in den Vorbereitungen für die Staatsexamensprüfungen“, kritisiert Andreas Bauer, Sprecher der Landesstudierendenvertretung in Baden-Württemberg.

„Die Studierenden müssen ihr drittes Fach in der Prüfung schreiben und auch bestehen – und danach sollen sie es praktisch wegwerfen.“ Widerstandslos wollen das die Betroffenen nicht hinnehmen. Deshalb wollen sie an diesem Mittwoch in Stuttgart eine Protestnote an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) übergeben.

Wir haben viel Zeit und Energie in alle Fächer investiert.
Lehramtsstudierende in der Protestnote auf Open Petition

Im Internet sammeln sie außerdem Unterschriften - mit dem Ziel: Sie wollen auch im Referendariat in all ihren Unterrichtsfächern ausgebildet werden. „Die Entscheidung für drei Fächer war bewusst – und wir haben viel Zeit und Energie in alle Fächer investiert“, klagen die Initiatoren auf der Plattform „Open Petition“.

Unterstützung kommt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Nachwuchskräfte kritisierten zu Recht, „dass die Zeit und die Energie, die sie in das Studium des dritten Fachs gesteckt haben, vergebens waren“, teilt GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz mit. „Dies ist demotivierend.“ Allerdings trifft das Problem nur einen Teil der Junglehrer.

Betroffen sind ältere Semester

Betroffen sind diejenigen, die an der Pädagogischen Hochschule (PH) für Haupt, Real- oder Gemeinschaftsschulen ausgebildet wurden und dafür länger als die Regelstudienzeit von vier Jahren gebraucht haben. Es sind die letzten Vertreter des alten Staatsexamenssystems.

Sie studieren noch nach der Prüfungsordnung, die für Studienanfänger bis 2015 galt. Zeitgleich mit ihnen beginnen aber auch die ersten, schnellen Absolventen des neuen Master-Systems 2021 ihr Referendariat.

Sie studieren in der Regel ohnehin nur noch zwei Hauptfächer, statt ein Haupt- und zwei Nebenfächer. Auf sie ist die neue Verordnung fürs Referendariat zugeschnitten, die das Land bis Dezember in Kraft setzen will.

GEW-Chefin spricht von „Farce“

Die Anhörungsfrist läuft noch bis diesen Mittwoch – und deshalb spricht die GEW-Chefin von einer „Farce“: Es befremde sie, dass bereits vorher Tatsachen geschaffen werden. Moritz zeigt sich überzeugt: „Es wäre ein leichtes, eine entsprechende Übergangsregelung in der Prüfungsordnung zu verankern.“´Auch an den Pädagogischen Hochschulen sollen die Pläne für die aktuelle Reform nicht bekannt gewesen sein. „Einerseits kann ich die Studenten schon verstehen“, sagt Christian Gleser, Prorektor der PH Karlsruhe.

„Sie sind frustriert, weil sie aus ihrer Sicht ein Fach umsonst studiert haben – aber man kann es auch positiv sehen: Sie können sich auf zwei Fächer konzentrieren.“ Das könne für die Referendare weniger Stress und mehr inhaltliche Tiefe bedeuten. Kein Verständnis zeigt das Kultusministerium: Seit 2015 sei das neue Studiensystem bekannt. „Dass sich in der Konsequenz auch der Vorbereitungsdienst an die neuen Strukturen anpassen wird, ist insofern keine Überraschung.“

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