Skip to main content

Frist für Volksantrag endet

Kampf um G9: Elterninitiative hofft, dass es noch für 39.000 Unterschriften reicht

Im August herrschte noch Katzenjammer bei der Elterninitiative „G9 jetzt!“. Doch kurz vor Fristende erhalten die Initiatorinnen nach eigenen Angaben „wahnsinnig viel“ Unterstützer-Post.

G9 steht an einer Tafel in einem Klassenzimmer. Die Abkürzung steht für das neunjährige Gymnasium, das in Baden-Württemberg nur an 43 Versuchsschulen existiert.
Ziel der Elterninitiative ist das G9. Sie wollen einen Volksantrag stellen, damit Baden-Württemberg generell zur neunjährigen Gymnasialzeit zurückkehrt. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Elterninitiative „G9 jetzt!“ setzt zum Endspurt an. Bis 13. November muss die Gruppe 39.000 gültige Unterschriften zusammengetrommelt haben, damit sich der Landtag mit ihrem Volksantrag für die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums (G9) befassen muss. „Wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen“, sagt Initiatorin Anja Plesch-Krubner aus Heidelberg im Gespräch mit dieser Redaktion. „In den letzten Tagen kam nochmals wahnsinnig viel Post herein.“

Unterstützer-Briefe passen nicht in Satteltaschen

Ihre Mitinitiatorin Corinna Fellner habe an einem Tag gleich dreimal zum Postfach radeln müssen, weil nicht alle Briefe gleichzeitig in die Satteltaschen passten, erzählt Plesch-Krubner. Viele Eltern hätten die Beteiligung wohl lange vor sich hergeschoben, seien dann aber doch noch auf den letzten Drücker aktiv geworden.

Im August packte die Initiatorinnen, die seit Jahren für eine verlängerte Gymnasialzeit und gegen das achtjährige „Turbo-Gymnasium“ kämpfen, zeitweise der Katzenjammer: Damals fehlten noch 16.000 Unterschriften.

Beim letzten Zwischenstand fehlten noch 2.000 Unterschriften.
Anja Plesch-Krubner
Mitinitiatorin von „G9 jetzt!“

Wie viele Unterstützer nun, drei Wochen vor Fristende, fehlen? Ganz genau könne sie das nicht sagen, erklärt die gebürtige Karlsruherin Plesch-Krubner. „Beim letzten Zwischenstand fehlten noch 2.000 Unterschriften. Jetzt müssen die vielen neuen Zuschriften noch sortiert werden – manche sind bescheinigt, andere unbescheinigt.“

Wohngemeinde muss Unterschrift bestätigen

Damit die Unterschriften für den Volksantrag zählen, müssen alle Unterstützer eine Bestätigung von ihrer Wohngemeinde vorlegen, dass sie in Baden-Württemberg überhaupt wahlberechtigt sind. Diesen bürokratischen Aufwand scheuen manche Sympathisanten der G9-Forderung. Die Aktivistinnen der Elterninitiative „G9 jetzt!“ bringen die Unterschriften-Formulare teilweise selbst zu den Bürgerbüros, um die notwendigen Stempel zu erhalten.

Termin bei Landtagspräsidentin Muhterem Aras

Bereits an diesem Donnerstag, 26. Oktober, wollen die G9-Aktivisten den Volksantrag an Landtagspräsidentin Muhterem Aras übergeben. „Am 13. November haben wir keinen Termin bekommen“, erklärt Plesch-Krubner die ungewöhnliche Vorverlegung.

Auch wenn die erforderlichen 39.000 Unterschriften zusammenkommen, ist der echte Erfolg der Initiative weiter ungewiss: Der Landtag muss sich dann zwar mit dem Volksantrag für eine verlängerte Lernzeit befassen – aber er muss dem Antrag nicht folgen.

Kretschmann will eigentlich an „Turbo-Gymnasium“ G8 festhalten

Die Elterninitiative sieht zwar eine überwältigende Mehrheit der Eltern hinter sich. Bei einer Umfrage des Philologenverbandes sprachen sich knapp 90 Prozent der Eltern von Gymnasialkindern für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium aus. Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und seine Partei wollen eigentlich an G8 festhalten.

Die Grünen haben mit der Oberstufe an Gemeinschaftsschulen einen weiteren langsamen Weg zum Abitur eingeführt. Außerdem verweisen sie auf die Möglichkeit, über Realschule und Berufliche Gymnasien zum Abitur zu kommen – und auf die hohen Kosten, falls die allgemeinbildenden Gymnasien ein zusätzliches Schuljahr einführen müssen. Kretschmann hat zudem ein Bürgerforum einberufen, das über das strittige Thema „G8 oder G9?“ beraten soll.

nach oben Zurück zum Seitenanfang