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Wohin mit dem Atommüll?

Karlsruhe scheidet als Standort für Atommüll-Endlager aus

Zu diesem Schluss kommt ein erster Zwischenbericht, der am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Andere Gebiete in der Region sind jedoch grundsätzlich geeignet.

Bis 2031 soll ein Ort gefunden werden, an dem der strahlende Abfall aus Atomkraftwerken möglichst sicher unterirdisch gelagert werden kann. Von 2050 an soll das Endlager genutzt werden. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Bei der Suche nach einem Endlager, in dem zukünftig die deutschen Atomabfälle eine Million Jahre sicher gelagert werden sollen, scheidet Karlsruhe aus. Dagegen kommen zum Beispiel Baden-Baden, Gaggenau, Teile von Pforzheim und des Enzkreises für ein Atomendlager grundsätzlich infrage. Das sind die Ergebnisse des ersten „Zwischenberichts Teilgebiete“, den an diesem Montag die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) veröffentlicht hat.

54 Prozent der Fläche in Deutschland prinzipiell für Endlager geeignet

Der Bericht listet zunächst alle Regionen in Deutschland auf, „die günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung radioaktiver Abfälle erwarten lassen“. Der BGE-Analyse zufolge befindet sich unsere Region im Teilgebiet mit der komplizierten Bezeichnung „013_00TG_195-00IG_K_g_MO“, das sich quer vom Südwesten nach Osten Deutschlands zieht. Seine Fläche beträgt 36.836 Quadratkilometer, es umfasst die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern.

Bei diesem Teilgebiet handelt es sich um „kristallines Wirtsgestein im Grundgebirge“, das eine Schicht zwischen 200 und 1.200 Metern bildet. Kristallin ist nach dem heutigen Wissensstand sehr stabil und hält großen Belastungen stand. Zudem ist Kristallingestein sehr hitzebeständig und gar nicht oder nur wenig in Wasser löslich. Letzteres ist sehr wichtig, da die Behälter mit dem Atommüll nach dem geplanten Einschluss in ein Endlager unter den Umwelteinflüssen im Laufe der Jahrhunderte voraussichtlich korrodieren werden. Die dabei entweichenden Substanzen dürfen nicht ins Grundwasser gelangen, man braucht also ein Gestein mit hoher Barrierewirkung.

Wir können heute mit Überzeugung sagen, dass sich in Deutschland ein Ort für ein Endlager finden lässt.
Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der BGE

Die BGE hat insgesamt neun Teilgebiete mit dem Wirtsgestein Ton identifiziert, sieben Teilgebiete mit Kristallin und 74 Gebiete mit Steinsalz. Keines dieser Wirtsgesteine wird im Moment bevorzugt. „Wir können heute mit Überzeugung sagen, dass sich in Deutschland ein Ort für ein Endlager finden lässt“, erklärte Stefan Studt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft .

Laut dem Bericht sind 54 Prozent der Fläche der Bundesrepublik für eine Endlagerung in Prinzip geeignet. Die insgesamt 90 Teilgebiete liegen etwa in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, aber auch in den ostdeutschen Ländern. Eine Vorfestlegung auf einen Standort ist damit aber noch längst nicht verbunden. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden.

Entscheidung über Endlager-Standort liegt letztlich beim Bundestag

Im vorliegenden Bericht spielt die Siedlungsdichte noch keine Rolle, das erklärt, warum auch Orte wie Baden-Baden mit 394 Einwohnern je Quadratkilometer für ein Atomendlager prinzipiell infrage kommen. „Ein Teilgebiet ist kein Endlagerstandort“, wiederholte mehrfach Stefan Kanitz, Geschäftsführer Bundesgesellschaft für Endlagerung, bei der Vorstellung des Berichts in Berlin.

Aus den Teilgebieten werden in den kommenden Jahren sogenannte Standortregionen ausgewählt, die näher untersucht werden sollen. Die BGE hat sich zum Ziel gesetzt, im Jahr 2031 eine Empfehlung für einen Endlager-Standort zu machen. Die Entscheidung liegt letztlich beim Bundestag.

Die BGE schließt den Salzstock Gorleben aus dem weiteren Suchprozess aus. „Dort gibt es keine günstige gesamtgeologische Situation“, sagte Stefan Kanitz. In den vergangenen Tagen war insbesondere von den Umweltverbunden starke Kritik geäußert worden, dass man das „politisch verbrannte“ Gorleben nicht von vornherein aussortiert hatte.

Sie erwies sich damit als grundlos. Der Salzstock weist nach Angaben von Wissenschaftlern ein nicht intaktes Deckgebirge vor, auch das Fehlen von erosionshemmendem Gestein spricht aus ihrer Sicht gegen den Standort.

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