Skip to main content

Feuerwehr, THW und Co. stellen Werbefilm und Info-Mobil vor

Katastrophen-Helfer locken Nachwuchs mit Computerspielen

Bei der jüngsten Hochwasser-Katastrophe haben Zuschauer in aller Welt gesehen, wie wichtig die Arbeit der Rettungskräfte ist. Nur wenige Tage nach der Jahrhundert-Flut starten Feuerwehr, THW, Rotes Kreuz und Co. gemeinsam mit dem Land Baden-Württemberg in Bruchsal eine neue Werbekampagne. Sie suchen: belastbare und hilfsbereite junge Menschen.

Jung, fröhlich - und belastbar: Mit solchen jugendlichen Sympathieträgern werben die Rettungskräfte des Bevölkerungsschutzes in dem neuen Werbefilmchen um Nachwuchskräfte. Foto: Filmakademie Baden-Württemberg

Unter anderen Umständen würden sich die Macher einer Werbekampagne über solch eine kräftige Anschubhilfe freuen. Doch die baden-württembergischen Katastrophenhelfer stoßen mit ihrer neuen Image-Aktion „Entdecke den Bevölkerungsschutz!“ aus schrecklichen Gründen auf erhöhte Aufmerksamkeit – weil vor wenigen Tage so viele Menschen bei dem Hochwasser im Westen ihr Leben oder ihr Hab und Gut verloren haben.

Aktueller könnte die Werbung um junge Nachwuchskräfte für Feuerwehr, THW und Co nicht sein, meint Wilfried Klenk am Freitag beim Start der Kampagne in der Landesfeuerwehrschule Bruchsal: „Das Unwettergeschehen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat uns sehr deutlich vor Augen geführt, wie sehr wir auf einen leistungsfähigen Bevölkerungsschutz angewiesen sind“, erklärt der Staatssekretär von Innenminister Thomas Strobl (CDU).

Es gehe allerdings die Sorge um, dass manche Nachwuchskräfte der „Blaulicht-Familie“ durch die Pandemie verloren gehen. Denn Gruppentreffen waren ja lange gestrichen.

Wir sehen schon einen Einbruch.
Christian Fritz, stellvertretender DLRG-Bundesjugendvorsitzender

„Wir sehen schon einen Einbruch“, sagt Christian Fritz, stellvertretender Bundesjugendvorsitzender der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). „Die geschlossenen Bäder sind für uns ein großes Problem.“

Denn die Rettungsschwimmer bieten auch Schwimmkurse an und gewinnen so schon die Jüngsten für ihre Vereinsarbeit. „Die Werbekampagne kommt für uns genau im richtigen Moment“, betont Fritz.

Auch auf das Technische Hilfswerk (THW) wartet eine spannende Aufgabe: „Wir müssen die jungen Leute wieder in die Ortsverbände reinholen“, sagt THW-Landessprecher Michael Hambsch. Schon sechsjährige Knirpse lassen sich normalerweise über den spielerischen Umgang mit Technik fürs Ehrenamt begeistern.

Löscheinsatz in der virtuellen Realität

Auf einen Mix aus ernster Information, Spiel und Spaß setzt auch die Kampagne. Ihre Kernstücke: Ein flotter Werbefilm, ein neuer Internet-Auftritt – und eine tonnenschwere, rollende Attraktion: Ein Werbemobil soll durchs Land touren.

„Welcher Helfer-Typ bist du?“, steht außen auf dem Container. „Teste Deine Hilfsbereitschaft.“ Im Innern der aufklappbaren Info-Station locken Geschicklichkeitstests und Computerspiele.

Mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille können Besucher zum Beispiel einen Brandeinsatz erleben und selbst das Feuer mit einer Elektro-Spritze löschen – zumindest auf dem Bildschirm.

Werben Lebensretter bald auf Pop-Festivals?

Ortsverbände können den Werbe-Laster anfordern. Und bei Pop-Festivals könnte er einen Stopp einlegen, regte Jürgen Wiesbeck, Landesdirektor des Deutschen Roten Kreuzes an: „Man sollte ihn überall hinstellen, wo viele junge Leute unterwegs sind.“

Auf lässige und zugleich aufgeweckte Teenager und junge Frauen und Männer zielt der neue Image-Film der Lebensretter. Die Filmakademie Baden-Württemberg hat den Spot gedreht. Nicht mit Schauspielern, sondern echten Ehrenamtlichen. „Du bist immer für andere da?“, fragen die Filmemacher ihre Zuschauer. „Packst selbst an?“

Junge Menschen verschiedener Hautfarbe und Geschlechter treten auf. Sie schleppen Umzugskisten, umarmen sich kumpelhaft oder lassen Kaugummiblasen platzen. Eine junge Frau tobt mit ihrem Hund herum.

Eine andere klackert beim Computerspiel hochkonzentriert und mit flinken Fingern über die Tasten: „Kannst Druck aushalten?“, prangt dazu in großen Lettern auf dem Bildschirm. „Egal, was es ist: Mach es mit uns.“

Und plötzlich tragen die Menschen im Film keine Freizeit-Klamotten mehr, sondern signalfarbene Uniformen und Taucheranzüge. Es sind die Einsatzkleidungen Feuerwehr, Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Bergwacht Schwarzwald, Bundesverband Rettungshunde, DLRG, DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und THW.

Sie haben gemeinsam mit dem Land die Nachwuchs-Werbekampagne entwickelt – obwohl die Jugendfeuerwehren, THW und andere Gruppen im vergangenen Jahrzehnt sogar einen Boom erlebten. Nachlassen komme nicht in Frage, sagt THW-Sprecher Hambsch: „Wir stehen im Wettbewerb mit allen anderen Vereinen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang