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Neues aus dem Elternleben

Einfach mal weghören

Ob randalierend oder grummelig: Hörspiele helfen in vielen Lebenslagen, um die Laune der eigenen Kinder zu verbessern. Was aber für Kinder gilt, gilt nicht unbedingt für Erwachsene. Zumindest dann, wenn einer von beiden Elternteilen Sinnfragen stellt.

Kinderkram Foto: Dolgachov - Fotolia

In unserem Haus sind Hörspiele ein Segen. Sie funktionieren einfach immer. Ob wir bei Regenwetter daheim sind und der Fünfjährige vor Langeweile das Haus auseinandernimmt, ob die Achtjährige vor Hunger schlechte Laune bekommt, weil das Kochen ein bisschen länger dauert oder ob wir stundenlang im Auto sitzen und das erste Mal „Wie weit ist es noch?“ gefragt wird – einfach Bibi und Tina, Die drei Fragezeichen Kids, TKKG Junior oder eine andere spannende Geschichte anmachen und unsere Kinder kommen zur Ruhe.

Super entspannen mit TKKG

Auch ich kann bei Hörspielen super entspannen. Hauptsächlich deshalb, weil ich sie ausblende. Ich koche, lesen, arbeite, räume auf oder starre im Auto auf die vorbeiziehende Landschaft und lasse die Stimmen von Käpt’n Sharky, Gabi Glockner oder Justus Jonas über mich hinweggleiten, während ich meinen eigenen Gedanken nachhänge.

Denn ich habe verstanden, dass die Hörspiele der Preis für ein bisschen Ruhe sind. Ein Preis, den ich gerne bezahle, oder besser gesagt: bezahlen würde.

Denn leider gibt es bei uns einen, der bei den abenteuerlichen Geschichten fiktiver Kinderfiguren überhaupt nicht seine innere Mitte findet: den Kindsvater. Kaum hat ein Hörspiel begonnen, beginnt er es zu kommentieren. „Hrmpf“, macht er, wenn er Karla Kolumnas Stimme hört, die er ziemlich anstrengend findet. „Die haben auch immer nur Ferien“, befindet er, wenn ein Fall der drei Fragezeichen mal wieder am Strand beginnt. Ich bin nicht stolz darauf, das zu sagen, aber: Auch das kann ich ausblenden.

Bitte keine Logikfragen

Schwieriger wird es, wenn er beginnt, Logikfragen zu stellen. „Wie finden diese Kinder zwölf Stunden nach dem Einbruch noch frische Spuren?“ empörte er sich, als Tim, Karl, Klößchen und Gabi neulich in einem Juwelendiebstahl ermittelten. In solchen Fällen komme ich um eine Antwort nicht herum. Meist lautet sie: ,„Hör doch einfach weg!“

Am schwierigsten wird es für meinen Zen-Zustand, wenn mein Mann sich emotional vollends reinsteigert. „Warum lassen Bibi und Tina diese Ines bei allem mitmachen?“, schimpfte er neulich, als wir uns auf einer langen Autofahrt befanden: „Das merkt doch jeder, dass die sich nur zwischen die beiden drängen...“

„Meine Güte, jetzt hör mal auf“, unterbrach ich wütend. „Bibi hatte doch gleich ein schlechtes Gefühl bei ihr. Und überhaupt, hier geht es um Charakterentwicklung. Ines steht sinnbildlich dafür, dass nicht alle Menschen gute Absichten haben. Das ist eine Lebenslektion!“

Mein Mann schwieg. Ein paar Minuten später sah ich, dass er mich verschmitzt von der Seite anblickte. „Was soll das?“ blaffte ich. Er kicherte. „Du hast dich gerade verraten. Du hörst sehr wohl zu!“ „Hrmpf“, machte ich.

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