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Große Ausnahme für kleine Kinder

Kitas und Grundschulen werden wohl geöffnet

Eigentlich gibt Kretschmann den strengen Corona-Krisenmanager. Doch bei den Kleinsten hat sich der grüne Regierungschef erweichen lassen. Sie sollen ein stückweit in den Alltag zurückkehren können - wenn die neuen Virusvarianten nicht noch alles auf den Kopf stellen.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, hat auf Grund der Corona-Zahlen eine Öffnung der Kitas und Grundschulen geplant. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Winfried Kretschmann bemühte sich etwas, den Anschein zu erwecken, als sei die Entscheidung noch nicht gefallen. „Wenn es jetzt nicht noch Überraschungen gibt, wovon ich nicht ausgehe, bei der Entwicklung der Zahlen, dann kann man davon ausgehen, dass die Entscheidung morgen so fallen wird, dass wir in diese vorsichtige und schrittweise, behutsame Öffnung gehen können“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident am Dienstagmittag in Stuttgart.

Kretschmann (Grüne) war bei einer Pressekonferenz nach jenen Öffnungen gefragt worden, die er schon vor drei Wochen in Aussicht gestellt hatte: Kitas sollten ganz, Grundschulen schritt- und teilweise wieder öffnen, hatte der Regierungschef am 5. Januar angekündigt – für den 18. Januar, immer aber unter der Voraussetzung, dass „die pandemische Lage“ dies zulasse.

Es folgte ein Rückzieher: Die Kennzahlen für das Infektionsgeschehen im Land seien nicht belastbar genug für die von ihm gewünschten Öffnungen, erklärte er am 14. Januar – und nannte als neuen Wunschtermin den 1. Februar.

Dann kam am 19. Januar die bisher jüngste Videokonferenz der Regierungschefs von Bund und Ländern, und mit ihr ein Beschluss, der mitnichten Lockerungen der bundesweiten Beschränkungen für den Betrieb von Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen vorsieht, sondern eine Verlängerung derselben sowie „eine restriktive Umsetzung“.

An diesen Beschluss halte er sich „eins zu eins“, sagte Kretschmann. Gleichwohl will er, wie auch schon deutlich länger und weitergehend von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gefordert, Lockerungen für Kitas und Grundschulen verfügen. Schließlich sei das dringend geboten und schließlich gebe es für Kinder unter 10 Jahren auch in anderen Bundesländern schon mehr Angebote als die im Südwesten praktizierte Notfallbetreuung.

Erste Teil-Öffnungen in Grundschulen

Daher sollen Kitas und Kindergärten, wenn nicht die entscheidenden Kennzahlen wieder steigen (Was am Dienstagabend nicht passierte), kommenden Montag wieder öffnen. An Grundschulen soll es erste Teil-Öffnungen zu einem Wechselbetrieb geben. Details werde Eisenmann am Mittwoch vorstellen. Noch sei nichts beschlossen, betonte Kretschmann.

Am Nachmittag lud das Staatsministerium dann zu einem per Internet übertragenen Video-Statement von Kretschmann und Eisenmann für Mittwoch, 14.30 Uhr, ein.

Wie genau die Öffnungen der Grundschulen aussehen, war daher bis Dienstagabend nicht ganz klar. Sicher ist, das verlautete zuletzt aus dem Kultusministerium, dass es Ähnlichkeiten zum „Rollierenden System“ geben wird, das vergangenes Jahr zwischen Pfingst- und Sommerferien praktiziert wurde. Zudem sollen die Schulleiter vor Ort wohl größere Beinfreiheit bei der Umsetzung der Öffnung bekommen.

Zu unterschiedlich seien die Schulen, als dass strenge Vorgaben aus Stuttgart Sinn machten. Zum Präsenzunterricht kommen soll jedenfalls nur die Hälfte der Schülerschaft – um Abstand zu halten, aber vor allem, um die Zahl der potentiellen Infektionen zu mindern.

Entweder könnte das in halbierten Klassen stattfinden, oder aber es kämen in der ersten Februarwoche die Klassen 1 und 2 und in der zweiten Februarwoche dann die Klassen 3 und 4.

Präsenzpflicht beibt aufgehoben

Kommen muss jedenfalls niemand. Die Präsenzpflicht bleibt, wie schon seit September, aufgehoben. Notbetreuung soll es weiter geben. In der Fastnachtswoche, wo fast überall Ferien sind, soll evaluiert werden, ob die Öffnung Einfluss auf die Infektionszahlen hatten.

Kretschmann betonte, dass es sich bei dem Schritt um eine Ausnahme handle, weil Kinder unter 10 Jahren „virologisch eine gewisse Ausnahmestellung“ hätten. Das bestätigte Thomas Iftner, Professor an der Uniklinik Tübingen und Direktor des Instituts für Virologie, der Kretschmann zuvor beraten hat.

„Kinder unter 10-14 Jahren sind weniger positiv und weniger ansteckend als höhere Altersgruppen“, erklärte er auf Anfrage. Das gehe aus mehreren aktuellen Studien aus etlichen Ländern hervor. Daher habe die Öffnung von Kitas, Kindergärten und Grundschulen „keinen wesentlichen Einfluss auf die pandemische Situation“.

Kretschmann sagte, dieser Befund erlaube die geplanten Öffnungen. Es bedeute aber auch: Für alles Weitere – weiterführende Schulen, Geschäfte, private Kontakte – könne es keine Lockerung geben, solange die Inzidenz landesweit nicht unter 50 liege.

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