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Zu wenige Impf-Dosen

Kreisimpfzentren in der Region: Auch mit dem 22. Januar könnte es derzeit schwierig werden

Ab dem 22. Januar sollen Menschen in den Kreisimpfzentren in der Region geimpft werden. Doch mit den derzeit versprochenen Lieferungen könnten viele der Zentren nicht mal zwei Tage lang an den Start gehen. Vor Ort hofft man.

Die mobilen Impfteams leisten ganze Arbeit, hier im Waldbronner Seniorenheim. Doch die Kreisimpfzentren können mangels Impfstoff vorerst nicht ihren Betrieb aufnehmen. Foto: Julia Trauden

Das Telefon im Sulzfelder Rathaus stand zwischen Weihnachten und Neujahr kaum still. „Die Leute sind ungeduldig und wollten wissen, wo man einen Termin für das Kreisimpfzentrum ausmachen kann“, erzählt Bürgermeisterin Sarin Pfründer. In ihrer Gemeinde war innerhalb weniger Wochen eines von zwei Kreisimpfzentren des Landkreises Karlsruhe auf die Beine gestellt worden.

Die Kreisimpfzentren können jedoch erst ab dem 22. Januar starten, sobald ausreichend Impfdosen geliefert wurden. Termine dafür können online oder über die Rufnummer 116 117 voraussichtlich ab dem 19. Januar gebucht werden, heißt es vom Land. Doch können die Zentren wirklich ihren Betrieb hochfahren?

Nach derzeitigem Stand soll jedes Zentrum mit 1.000 Impfdosen beliefert werden. Davon können 500 sofort geimpft werden, 500 werden für die zweite Impfung vorgesehen. Vielerorts würde das gerade mal für etwas mehr als einen Tag reichen.

Die Ernüchterung bei den Über-Achtzigjährigen, die auf eine Impfung in den Zentren vor Ort gehofft haben, ist groß. Sie erreicht auch die Rathäuser. In Sulzfeld zeigt sich Sarin Pfründer dagegen entspannt. Die zum Impfzentrum umfunktionierte E.G.O-Lagerhalle kann auch länger als geplant – über den Juni hinaus – als Impfzentrum zur Verfügung stehen. Und: „Die Zeit kann für die Einteilung des Personals genutzt werden“, erklärt die Bürgermeisterin Pfründer.

Robert Koch-Institut vermeldet Höchststand

Während die Menschen auf den Start der Zentren warten, vermeldete das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag anhand der Meldungen aus den Ländern einen neuen Höchststand der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Die Zahl stieg um 1.188 auf nun insgesamt 38.795 Gestorbene. Mehr als die Hälfte aller Toten ist seit Anfang Dezember erfasst worden.

Eine der nötigen zwei Impfdosen gegen Covid-19 haben nach RKI-Daten bisher mindestens 476.959 Menschen bundesweit erhalten. Das entspricht einem Zuwachs der Meldungen um rund 51.000 im Vergleich zum Vortag. Spitzenreiter ist weiter Mecklenburg-Vorpommern mit einer Quote von 15 Impfungen pro 1.000 Einwohner, Schlusslicht Thüringen kommt auf 3,7.

Auch in Baden-Württemberg wartet man. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagt: „Da geht es Baden-Württemberg wie allen Bundesländern auch – wir können nur das impfen, was wir vom Bund anteilig geliefert bekommen.“ Man müsse um Geduld bitten. „Die Lieferungen können wir leider nicht beeinflussen.“

Karlsruher Landrat: „Da ist noch Dynamik drin“

An den Kreisimpfzentren heißt es, man solle ab 18. Januar versuchen, online oder über die Rufnummer 116 117 einen Termin zu bekommen. Eine Sprecherin des Sozialministeriums betont aber: „Wir werden explizit keinen Start für die Terminvergabe vorgeben, um einen Run rund um dieses Datum auf die Callcenter zu vermeiden.“

Der Karlsruher Landrat Christoph Schnaudigel zeigt sich zwar etwas ernüchtert, aber nicht enttäuscht. „Der Flaschenhals ist der Impfstoff“, sagt er. „Es gab nie die Aussage, dass die Impfdosen in diesem Ausmaß kommen, wie man sie täglich impfen könnte.“ Man müsse die nächste Woche abwarten, um zu sehen was passiert. „Da ist noch Dynamik drin“, betont Schnaudigel.

In den Kreisimpfzentren in Bruchsal-Heidelsheim und Sulzfeld könne zu Beginn vielleicht nicht rund um die Uhr geimpft werden, aber auf mittlere Sicht werde der Impfstoff ausreichend vorhanden sein. Sinnvoller sei es durchaus, wie es das Land jetzt beschlossen habe, die zentralen Impfzentren und die Pflegeeinrichtungen zu versorgen.

Im Enzkreis hofft man auf mehr Lieferungen

Alle Landkreise mussten für den Aufbau der Kreisimpfzentren, um keine Zeit zu verlieren, Anfang Dezember als Geschäftsführung ohne Auftrag für das Land Baden-Württemberg in Vorleistung gehen. Die vertraglichen Eckpunkte sind zwischenzeitlich geklärt. Dass der Start der Zentren sich verschiebt, hat darauf keine Auswirkungen. Die Finanzierung liegt weiterhin voll beim Land.

Und bei den Zentren vor Ort wird nun für den 22. Januar geplant – vorsichtig zumindest. „Bis dahin ist noch viel Zeit“, sagt Jürgen Hörstmann vom Landratsamt Enzkreis. Aber klar ist: Bleibt es bei den 1.000 Impfdosen, reicht das nicht. Pro Tag wolle man beim Kreisimpfzentrum 800 Impfdosen verabreichen. „Aber wir gehen davon aus, dass es nicht die nächsten Wochen bei diesen 1.000 Impfdosen bleibt“, betont Hörstmann.

Öffnungszeiten wurden vorerst reduziert

Die beiden Zentren in der Schwarzwaldhalle Bühl und im Kurhaus Baden-Baden werden ab 22. Januar mit stark eingeschränkten Öffnungszeiten starten. Das Landratsamt Rastatt und das Rathaus Baden-Baden informierten, dass die Zentren vorläufig nur an drei Wochenenden, das heißt freitags, samstags und sonntags, jeweils von 13 bis 18 Uhr in Betrieb gehen werden.

Die Verantwortlichen begründen dieses Vorgehen mit der aktuellen Knappheit bei den Impfstoffen. Angesichts dieser Situation sei es nicht sinnvoll, an den übrigen Tagen Personal vorzuhalten. Unabhängig davon wollen die Behörden die Impfungen von Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen durch mobile Teams konsequent fortsetzen, weil die Sterberate bei Infizierten in diesen Einrichtungen rund 50 Prozent betrage.

Bei den beiden Kreisimpfzentren in Lahr und Offenburg wird erst mal nur an fünf Tagen pro Woche und auf zwei statt sechs Impfstraßen geimpft. „Die Infrastruktur an unseren beiden Kreisimpfzentren ist bereit, um auch eine größere Anzahl an Menschen impfen zu können, sobald mehr Impfstoff verfügbar ist“, sagt Diana Kohlmann vom Landratsamt Ortenaukreis. Wenn es dann mal läuft, können in den beiden Zentren täglich 1.400 Menschen geimpft werden.

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