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Baden-Württemberg-Check

Kriminalität: Wovor die Baden-Württemberger am meisten Angst haben

Es klingt zunächst paradox: Sehr viele Baden-Württemberger fühlen sich am eigenen Wohnort durchaus sicher – doch eine überwältigende Mehrheit wünscht sich eine viel stärkere Polizei und ist bereit, gewisse Freiheiten dafür aufzugeben.

Vor diesen Kriminellen fürchten sich die Baden-Württemberger am meisten: Die Sorge, dass Einbrecher ihr Zuhause heimsuchen, treibt 47 Prozent der Befragten um. Auf Platz zwei rangiert die Angst davor, Opfer von Körperverletzung zu werden. Eine überwältigende Mehrheit der Bürger wünscht sich, dass die Polizei im Land deutlich gestärkt wird. Foto: Adobe Stock

94 Prozent fordern eine bessere Ausrüstung der Polizei, 92 Prozent plädieren für mehr Personal, 89 Prozent meinen, die Polizei sollte mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen. Das Urteil über die Anstrengungen von Innenminister Thomas Strobl (CDU) fällt in diesem Punkt desaströs aus.

Das geht aus dem neuesten Baden-Württemberg-Check hervor, für den den die baden-württembergischen Tageszeitungen mit dem Allensbach Institut zusammenarbeiten.

Das Vertrauen in die Beamten in Uniform scheint dennoch relativ groß zu sein. Heftige Diskussionen gab es in jüngerer Zeit über rassistische Tendenzen bei den Ordnungshütern. „Hat die Polizei in Baden-Württemberg ein Problem mit Rassismus in den eigenen Reihen?“ – diese Frage bejahen aber nur 18 Prozent der Befragten, 42 Prozent verneinen sie, 40 Prozent sind unentschlossen.

Bürgerwehren erwünscht?

Offensichtlich fühlen sich viele Menschen allerdings nicht ausreichend geschützt. Fast ein Viertel der Befragten – exakt 24 Prozent – befürwortet die Gründung privater Bürgerwehren. Das heißt im Umkehrschluss zwar, dass 76 Prozent grundsätzlich lieber auf den Staat vertrauen.

Doch mehr als die Hälfte der Bürger (52 Prozent) sagt auch klar: „Es stehen nicht genügend Polizisten zur Verfügung“. Auf dem Dorf beklagen sogar 57 Prozent einen Personalmangel – hier machen sich die Polizeireformen bemerkbar. Gerade die Dorfbewohner haben oft erlebt, dass Polizeiposten abgezogen wurden.

Eine überwältigende Mehrheit der Baden-Württemberger stellt Innenminister Thomas Strobl dementsprechend ein schlechtes Zeugnis aus: Nur zwölf Prozent der Bürger sind der Meinung, der Ressortchef mache genug, um die Polizei auf die zukünftigen Herausforderungen bei der Verbrechensbekämpfung vorzubereiten. Dagegen sagen 59 Prozent klar: Strobl müsste mehr tun, 29 Prozent haben keine klare Meinung.

Mein Heim, meine Burg

Dennoch: Im eigenen Dorf oder Stadtviertel fühlen sich beachtliche 86 Prozent der Baden-Württemberger immer noch sicher oder sogar sehr sicher. Diese Einschätzung decke sich größtenteils mit der realen Kriminalitätsstatistik, die in Baden-Württemberg vergleichsweise niedrig ist, betonen die Meinungsforscher.

Dennoch beschleicht zahlreiche Bürger offenbar ein Gefühl der Bedrohung. Auf die Frage: „Ist es bei Ihnen am Ort beziehungsweise in der Umgebung heute sicherer oder unsicherer als vor fünf Jahren?“, antworteten 28 Prozent: „unsicherer“. Auch hier gibt es eine Stadt-Land-Kluft: Dass die Unsicherheit zunimmt, empfindet nur jeder fünfte Dorfbewohner, aber fast jeder dritte Großstädter (32 Prozent).

Die Angst der Frauen

Die Sorge, selbst zum Verbrechensopfer zu werden, treibt 40 Prozent der Befragten um. Die Frauen erhöhen dabei den Durchschnitt: Sie haben zu 45 Prozent die Angst, es könnte ihnen etwas passieren – bei den Männern sind es 36 Prozent.

Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich auch bei der Frage: „Gibt es in Ihrer Nähe ein Gebiet, durch das Sie nachts nicht alleine gehen wollen?“ 47 Prozent der Frauen haben solche Angst-Räume, in die sie lieber keinen Fuß setzen, aber nur 28 Prozent der Männer. Je größer die Stadt, desto größer ist die Furcht. Jede dritte Frau hat Angst vor sexueller Belästigung.

Vor welchen Kriminellen aber fürchtet sich der durchschnittliche Baden-Württemberger am meisten? Es sind die Einbrecher. Fast die Hälfte der Bevölkerung (47 Prozent) hat die Sorge, dass sie selbst einmal von den Eindringlingen mit Brecheisen heimgesucht wird.

Dabei spielen Ereignisse im Umfeld eine wichtige Rolle: Knapp jeder Zehnte sagt, dass bei ihm schon einmal eingebrochen wurde – und 30 Prozent der Befragten haben betroffene Freunde oder Bekannte.

Auf Platz zwei der Sorgen-Skala rangiert mit knappem Abstand die Angst vor körperlichen Angriffen (46 Prozent), dahinter die Angst vor Internetkriminalität und Datenmissbrauch (40 Prozent).

Extremisten nur „Ausnahmefälle“

Politische Extremisten beunruhigen die Menschen im Ländle hingegen wenig: Nur 22 Prozent der Befragten halten Rechtsextremismus im Südwesten für ein großes Problem, 51 Prozent sagen: „Das sind nur Ausnahmefälle.“

Ähnlich ist ihre Einstellung zu Linksextremisten: 18 Prozent sehen die Szene als großes Problem, 47 Prozent sprechen von Ausnahmefällen, der Rest ist unentschieden.

Viele Schlagzeilen machte in jüngerer Zeit die Clan-Kriminalität, etwa von arabischen Großfamilien in Berlin. Die meisten Baden-Württemberger beobachten das offenbar gelassen. Nur 23 Prozent sehen für den Südwesten in der Clan-Kriminalität ein großes Problem.

Querdenker suspekt

Sehr suspekt ist vielen Menschen im Land jedoch die Querdenker-Bewegung mit ihren Verschwörungstheorien: Rund zwei Drittel (67 Prozent) sagen: Sie finden es richtig, dass der Verfassungsschutz dieses Milieu beobachtet. In diesem Punkt sind sie also mit Strobl einer Meinung.

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