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Auch Staatstheater Thema

Wahlkampfauftakt in Karlsruhe: Linke fordert Solidarität in der Krise ein

Die Linkspartei in Baden-Württemberg schickt junge Kandidatinnen in den Wahlkampf gegen die starken Grünen und die CDU. Die Palette ihrer Forderungen umfasst radikale Kehrtwenden in der Asyl- und Sozialpolitik, ein humaneres Gesundheitssystem und besseres Internet.

Kritik an der „Bildungsmisere“ im Südwesten: Linken-Chef Bernd Riexinger eröffnete am Samstag in Karlsruhe die Kampagne seiner Partei für die Landtagswahl-2021. Foto: Alexei Makartsev

Mit dem Ausschank von heißer Erbsensuppe an einem kühlen und sonnigen Samstagnachmittag in Karlsruhe läutete die Linke den Start der „heißen Kampagne“ für die Landtagswahl in Baden-Württemberg ein. Vor etwa 100 Zuhörern am Stephansplatz in der City legte sich die Partei auf soziale Gerechtigkeit und Solidarität in der Corona-Krise als zentrale Themen ihres Wahlkampfes fest.

Umfragen sehen Linke bei vier bis fünf Prozent

Vor dem Hintergrund der stabil hohen Umfragewerte der CDU und Grünen im Südwesten hat der im Landtag bislang nicht vertretene Landesverband der Linken keine Gewissheit, dass ihre Sozialkritik bei den Wählern bis zum 14. März auf fruchtbaren Boden fällt. Die jüngeren Umfragen sahen die Linkspartei bei vier bis fünf Prozent und damit möglicherweise unterhalb der Hürde, die sie zum Einzug ins Landesparlament überwinden muss.

Heiße Suppe für etwa 100 Zuhörer: Die Wahlkampagne der Linkspartei für die Landtagswahl in Baden-Württemberg startete am Samstag mit einer Kundgebung auf dem Stephansplatz in Karlsruhe. Foto: Alexei Makartsev

Im Kampf mit den routinierten gegnerischen Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann (Grüne, 72 Jahre) und Susanne Eisenmann (CDU, 55 Jahre) setzt die Linke jetzt auf auffällig junge, frische Gesichter. So wie die erst 23-jährige Anna Jahn, die in Karlsruhe-West kandidiert. Die gelernte Industriemechanikerin engagiert sich im Bündnis Seebrücke, entsprechend wichtig sind für sie asylpolitische Themen. „Wer sich gegen das Sterben im Mittelmeer einsetzt, muss die Linke wählen“, sagte Jahn bei der Kundgebung in Karlsruhe.

Gegen erweiterte Polizeibefugnisse

Jahn tritt für das Ende der Abschiebungen und die Schließung des Abschiebegefängnisses Pforzheim ein. Wichtig sind für sie aber auch eine Rücknahme der erweiterten Befugnisse der Polizei im Land, die Schließung des Kohlekraftwerks in Karlsruhe und ein flächendeckender Ausbau der schnellen Glasfaser-Internetverbindungen. Die junge Karlsruherin hält den Antifaschismus im Parlament für nötiger denn je: „Es braucht eine starke Linke im Landtag, die der AfD die Stirn bieten kann“, sagt sie.

Aus Zeitmangel bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke
Anna Jahn, Linke

Die 24-jährige Christina Zacharias kandidiert für die Linke im Wahlkreis Karlsruhe-Ost und strebt eine Reform des Gesundheitssystems an. „Bei mir im Krankenhaus spüren die Patienten den Druck des Systems, das auf Ertrag ausgerichtet ist“, sagte die Krankenpflegerin im Städtischen Klinikum Karlsruhe. „Aus Zeitmangel bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke“.

Kritik am „ertragsorientierten“ Gesundheitssystem: Christina Zacharias, Krankenpflegerin im Städtischen Klinikum Karlsruhe, tritt für die Linke als Kandidatin bei der Landtagswahl an. Auf einer Kundgebung am Samstag bedauerte Zacharias, dass in den Kliniken aus Zeitmangel die Menschlichkeit auf der Strecke bleibe. Foto: Alexei Makartsev

Zacharias führt die „Missstände“ in ihrem Arbeitsbereich auf Privatisierungen und Schließungen von Krankenhäusern zurück, die sie entschieden ablehnt. Sie sieht das Wirtschaftssystem in Deutschland generell in einer großen Krise: „Nicht einmal die Rettungsgassen funktionieren“. Darum will sich die Linken-Kandidatin entschlossen „gegen den Abbau von Solidarität“ einsetzen.

Brandt fordert bessere Arbeitsverträge für Mitarbeiter des Staatstheaters

Zum Start der Wahlkampagne in Karlsruhe lieferten der Karlsruher Linken-Bundestagsabgeordnete Michel Brandt und Parteichef Bernd Riexinger den jungen Parteikolleginnen Schützenhilfe. Der Schauspieler Brandt griff die „überfällige“ Auflösung des Vertrags von Generalintendant Peter Spuhler auf, um eine Verbesserung der befristeten Arbeitsverträge von rund 400 Beschäftigten am Badischen Staatstheater zu fordern.

Ich freue mich, dass sich die Leute nicht nur zwischen Kretschmann und  Eisenmann entscheiden müssen
Bernd Riexinger, Linken-Bundesvorsitzender

Linken-Chef Riexinger zeigte sich froh über das Umfrageergebnis von fünf Prozent für seine Partei. „Ich freue mich, dass sich die Leute nicht nur zwischen Kretschmann und Eisenmann entscheiden müssen“, sagte der Stuttgarter, der die Landesregierung für die „Vernichtung von Existenzen“ und „Bildungsmisere“ im Südwesten verantwortlich macht.

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