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Rotlicht

Mannheim will Prostitution aus der Neckarstadt-West verbannen

Die Stadt Mannheim will die Prostitution in der Neckarstadt-West aus dem Stadtgebiet verbannen. Doch dies ist nicht so einfach möglich. Ein wichtiger Hausbesitzer im Viertel stimmt möglichen Umzugsplänen nur unter Bedingungen zu.

Suche nach einem Ausweichort: Die Etablissements in der Lupinenstraße in der Neckarstadt-West sollen nach dem Willen der Stadt Mannheim umziehen.
Suche nach einem Ausweichort: Die Etablissements in der Lupinenstraße in der Neckarstadt-West sollen nach dem Willen der Stadt Mannheim umziehen. Foto: Alfred Gerold

Die Rotlichter in Mannheims Bordellbezirk werden sobald doch nicht ausgehen. Die ehrgeizigen Pläne der Stadt, im Sozialen Brennpunkt Neckarstadt-West die Etablissements als Sanierungsgebiet auszuweisen und zu verbannen, liegen laut Kommune wieder auf Eis.

Die Lupinenstraße ist die letzte Querstraße am Rande des Stadtteils. Seit 60 Jahren gilt die „Rote Meile“ in der Quadratestadt offiziell als das Sperrgebiet für Prostitution. Aber die Zukunft der rund 100 Damen aus der Halbwelt hinter dem hässlichen Metallzaun bleibt weiterhin offen. Der Besitzer fast aller Häuser in dem berüchtigten Areal denkt nur dann an einen Exodus, wenn die Stadt einen geeigneten Ausweichort für seinen Saunaclub oder Ähnliches anbieten kann.

Das Rathaus steckt nun in einer Zwickmühle. Einerseits möchte SPD-Oberbürgermeister Peter Kurz das Problemviertel aufwerten - und zwar ohne horizontales Gewerbe.

Stadt Mannheim will keine Freudenhäuser kaufen

„Doch im angrenzenden Prostitutionsbezirk kommen wir nicht weiter“, so sein Sprecher. Das Vorkaufsrecht der Kommune möchte man nämlich auch nicht nutzen, weil der gute Ruf einer Kommune und der Ankauf von Freudenhäusern nicht zusammen passen.

Die Stadt engagiert sich bereits stark in der Neckarstadt-West. Wesentliches Ziel ist es, den Vorort kinder- und familienfreundlicher zu gestalten und Bildungschancen zu verbessern.

Eine Umwandlung der Lupinenstraße hin zu Wohnraum wäre eigentlich ein Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität für die größtenteils aus Migranten bestehende Bevölkerung. Konkrete Verhandlungen über Voraussetzungen für einen Umzug des horizontalen Gewerbes stünden aber weiterhin aus.

Mannheimer Reeperbahn ist im Rathaus unerwünscht

Eine Mannheimer Immobiliengesellschaft hatte geplant, „eine Art Amüsiermeile“ aus der Taufe zu heben. Sie blitzte bei der Stadtführung ab. Eine Mannheimer Reeperbahn sei unerwünscht, so die Stadtverwaltung.

Aktuell besitzt die Interessengemeinschaft knapp 80 Prozent der Lupinenstraße. Fünf Eigentümer haben für ihre Etablissements noch Bestandsschutz und sind juristisch unantastbar. Daraufhin präsentierte das Unternehmen ein neues, millionenschweres Konzept.

Das sah vor, alle Frauen umzusiedeln, die sich ihren Freiern in geöffneten Fenstern präsentieren, um über den Preis für die gewünschte Leistung zu verhandeln. Zugunsten von Neubauwohnungen waren die Investoren bereit, das älteste Gewerbe der Welt auf eine Ausweichfläche jenseits des dicht bevölkerten Stadtteils zu verlagern.

Mehrere Alternativstandorte für Rotlichtgewerbe im Gespräch

Mehrere Grundstücke und Liegenschaften in der Nähe, die auf eine Tauglichkeit als Alternativstandort zum Beispiel als Laufhaus hindeuteten, waren im Gespräch. Darunter auch eine Verlagerung um wenige 100 Meter auf ein passendes Areal am Neckar.

„Die Prüfung ergab kein positives Ergebnis“, heißt es dazu von offizieller Seite. Anders als die Nachbarstadt Heidelberg, die erreicht hat, dass innerstädtische Eroscenter zu schließen und aus der City zu verbannen, steckt die Mannheimer Bürokratie in der Frage einer alternativen, offiziellen Arbeitsstätte für die Damen fest.

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