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Einzigartige Initiative

Martim da Silva betreibt im Grenzdorf Scheibenhardt eine deutsch-französische Teststation

Allein gegen die Pandemie: Martim da Silva aus dem Grenzdorf Scheibenhardt hat für seine Mitbürger eine eigene deutsch-französische Corona-Teststation auf die Beine gestellt.

Private Initiative: Tests für Deutsche und Franzosen bietet Martim da Silva aus dem Grenzort Scheibenhardt. Dort hat er ein eigenes Testzentrum eingerichtet, das eine Woche in Frankreich und die nächste Woche in Deutschland seine Türen öffnet. Foto: Andrea Fabry

Politiker sprechen gern von der deutsch-französischen Freundschaft. Sie bemühen dann Adjektive wie „einzigartig“ oder „historisch“ und erinnern daran, dass aus „den Erbfeinden von einst Freunde wurden“. Martim da Silva liegt Pathos fern.

Es gibt für den 44-Jährigen aus dem pfälzisch-elsässischen Grenzort Scheibenhardt keine Freundschaft. Außer man tut sie. Frei nach Erich Kästner und frei von jeglichen Hintergedanken.

Seit knapp zwei Wochen betreibt der in Deutschland arbeitende und in Frankreich lebende Deutsche seine eigene kleine Corona-Teststation. Jedes Wochenende testen er und sein kleines Team dort kostenlos Menschen aus seiner Region. Ob sie deutscher oder französischer Herkunft sind, ist dabei egal. Ein Samstag wird auf deutscher, der nächste Samstag auf französischer Seite getestet.

Corona zieht die Grenzen in Scheibenhardt neu

Martim da Silva lebt in Scheibenhard – jenem Dorf, das für die deutsch-französische Geschichte wahrhaft symbolischen Charakter hat. Das Flüsschen Lauter teilt die Gemeinde in einen deutschen Ortsteil, Scheibenhardt mit dt am Ende, und einen französischen nur mit einem d am Schluss. Seit Kriegsende spielte die Grenze im Alltag der Scheibenhard(t)er kaum eine Rolle. Bis Corona kam und die schon eingerosteten Schlagbäume erstmals wieder heruntergelassen wurden.

Der erste Lockdown im März 2020 hat die Menschen im Grenzgebiet zutiefst verunsichert.
Martim da Silva

Das war ein Schock für alle Scheibenhardter und Scheibenharder, die nun plötzlich nicht mehr zum Bäcker, zum Metzger, zum Sport oder in die Kita gehen konnten. Auch für da Silva, der auf der französischen Seite wohnt, aber in Baden-Württemberg arbeitet. „Der erste Lockdown im März 2020 hat die Menschen im Grenzgebiet zutiefst verunsichert“, erinnert er sich.

Frankreich ist Hochrisikogebiet: Neue Vorschriften für Pendler

Seitdem ist ein Jahr vergangen. Die Grenzen sind zwar wieder auf, aber das Virus ist immer noch da. Stärker denn je. Vor allem in Frankreich hat man mit hohen Inzidenzen zu kämpfen. Der Nachbar gilt als Hochrisikogebiet. Für die Einreise nach Deutschland gelten besondere Regeln. Ein negativer Test ist vorgeschrieben, Pendler müssen sich sogar zwei Mal die Woche testen lassen.

Für die Menschen auf der französischen Seite ist das gar nicht so leicht. Denn zwischen Straß- und Lauterburg sind Testzentren nicht gerade üppig gesät und Termine sind schwer zu bekommen. Apotheken und Ärzte beginnen erst allmählich mit dem Testen und wer die Kosten dafür übernimmt, muss im Einzelfall geklärt werden. Überhaupt sind in Frankreich PCR-Tests viel weiter verbreitet als die bei uns üblichen Schnelltests. Statt 15 Minuten wartet man dort mitunter stundenlang auf sein Ergebnis.

Wer übernimmt die Kosten für den Test in Frankreich?

Diese Probleme hat Martim da Silva sofort erkannt. Noch bevor die neuen Regelungen zum Grenzübertritt am Montag vor einer Woche in Kraft traten, hatte der im Außendienst tätige Mitarbeiter einer Elektronikfirma schon alles organisiert. In einem Lehrgang beim Roten Kreuz war er bereits zum offiziellen Corona-Tester ausgebildet worden.

Dann wandte sich da Silva an einen Bekannten bei der Verbandsgemeinde Hagenbach, zu der Scheibenhardt gehört, und erzählte von der Idee eines Testzentrums, in dem sich Deutsche und Franzosen testen lassen können. Innerhalb kürzester Zeit beschaffte der beim Land Rheinland-Pfalz eine große Anzahl von Tests und die nötige Schutzausrüstung.

Eine Woche testen wir in Deutschland, die nächste Woche in Frankreich.
Martim da Silva

Auch mit den Ortsverwaltungen der deutschen und der französischen Seite kam da Silva schnell überein und innerhalb weniger Tage war alles in trockenen Tüchern. „Eine Woche testen wir in Deutschland, die nächste Woche in Frankreich“, erklärt er.

Run auf das Corona-Testzentrum in Scheibenhardt

Schon am ersten Wochenende wurden da Silva und seine fünf Helfer im Testzentrum regelrecht überrannt. Auch am vergangenen Samstag wurde in der Salle Polyvalente auf französischer Seite getestet, was das Zeug hält. Fast 200 Menschen wollten sich im Lauf des Vormittags auf das Virus untersuchen lassen.

Für seine Idee vom bi-nationalen Testzentrum opfert der voll berufstätige Vater zweier Kinder seine Freizeit sehr gern. „Man kann nicht immer nur von der deutsch-französischen Freundschaft reden. Man muss auch was dafür tun“, sagt er.

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