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5:1-Prinzip für Liebe

Ein Stuttgarter Mathematiker erfasst die Liebe in Zahlen

Eins plus eins macht zwei. Eine simple Gleichung. Doch ganz so einfach läuft es mit der Liebe nicht. Der Stuttgarter Mathematiker Christian Hesse erklärt im Interview, wie sein Fachgebiet uns im Beziehungsalltag hilft.

Christian Hesse ist Professor für Mathematik in Stuttgart. Foto: Miina Jung

Der Mathematiker Christian Hesse ist überzeugt vom 5:1-Prinzip in der Liebe. Er ist sich überhaupt sicher, dass Zahlen und Formeln dabei helfen können, eine glücklichere Beziehung zu führen.

Er sagt über sich, dass er in seinem Leben mehr Zeit mit Mathematik als mit Schlafen verbracht habe. Hauptberuflich ist er an der Universität Stuttgart tätig. Er ist dort seit Dezember 1991 Professor für Statistik. Nebenher ist er Autor.

In seinen Büchern beschäftigt er sich mit der Annahme, dass uns die Mathematik in allen Aspekten des Alltags begegnet, sogar in der Liebe.

Wie viel Mathematik steckt in unserem Leben und insbesondere in der Liebe?
Hesse

Unser ganzer Alltag steckt voller Mathematik, voller Statistiken und Daten. Besonders in Corona-Zeiten. Aber auch generell. Immer wenn ein Auto fährt, eine Heizung heizt, eine Brücke trägt, geht das nur, wenn vorher viel Mathematik hineingesteckt wurde. Aber auch wir Menschen haben einen sechsten Sinn fürs Mathematisch-Quantitative. Im Gefühl der Liebe steckt keine Mathematik. Aber man kann stabile Beziehungen, die auf ihr beruhen, mit mathematischen Methoden wissenschaftlich untersuchen.

Können wir mathematische Formeln anwenden, um mehr Erfolg in der Liebe zu haben?
Hesse

Ich denke, dass man mit einer Kombination von mathematisch-statistischen und psychologischen Methoden zunächst mal einiges über funktionierende Partnerschaften herausfinden kann. Generell bilden Mathematik, Statistik und Psychologie ein Dream-Team bei der Erforschung menschlicher Verhaltensweisen und Reaktionen. Eine wichtige Erkenntnis ihrer Zusammenarbeit besagt, dass jene Beziehungen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit von Dauer sind, in denen es für beide Partner fünf Mal so viel Positives wie Negatives gibt. Das ist das 5:1-Prinzip.

Versuchen Sie persönlich, nach einer Uneinigkeit oder einem Streit ganz bewusst und systematisch das 5:1-Prinzip anzuwenden?
Hesse

Systematisch nach Art eines Buchhalters, der eine Strichliste führt, setze ich das 5:1-Prinzip in meiner eigenen Beziehung natürlich nicht um. Das wäre ja unromantisch. Aber mir ist schon klar, dass ich nach einmal patzig oder nörgelig oder streitbar sein, nicht einfach nur einmal „Sorry“ sagen kann, um das wieder auszugleichen. Sondern ich versuche dann meine Frau mehrmals durch kleine Gesten wieder spüren zu lassen, dass es mir leidtut, und so auf sie zuzugehen.

Wie macht man das am besten?
Hesse

Sich einfach fünfmal zu entschuldigen, wäre sehr einfallslos. Andererseits müssen es aber auch keine finanziellen Anstrengungen sein, um sich zu versöhnen. Es müssen nur Worte, Dinge oder Handlungen sein, die den anderen positiv berühren. Und wenn man eine gewisse Zeit zusammen war, dann kennt man den Partner gut genug, um das zu wissen. Insofern ist das für jede Beziehung anders und individuell verschieden.

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