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Erste Anschuldigungen zu Beginn des Jahres

Missbrauchsfall in Rastatter Kindergarten: Polizei nimmt 50-jährigen Erzieher fest

Mindestens zehn Jungen und Mädchen zwischen drei und sechs Jahren soll ein 50-Jähriger seit Januar 2017 teils schwer sexuell missbraucht haben. Dem Jugendamt lagen bis zuletzt keine Hinweise auf Missstände vor.

In Rastatt wird ein 50-jähriger ehemaliger Erzieher verdächtigt, zwischen Januar 2017 und Juli 2020 mehrere Kinder - Jungen wie Mädchen - sexuell missbraucht zu haben.  Foto: Patrick Pleul/dpa

Schock in Rastatt: An einem katholischen Kindergarten soll über Jahre hinweg ein Erzieher Kinder missbraucht haben. Betroffen sind laut Staatsanwaltschaft Baden-Baden mindestens zehn Jungen und Mädchen zwischen drei und sechs Jahren, von denen mindestens ein Kind mehrfach missbraucht wurde. „Das ist ein schwerer Fall“, so Staatsanwalt Michael Klose.

Handelt es sich nur um die Spitze des Eisbergs?

Wohl auch wegen der Brisanz des Vorwurfs und des geringen Alters der Kinder sei unter Hochdruck ermittelt worden: Vier Wochen, nachdem der Kindergartenträger, die katholische Kirche, Anzeige gegen den Erzieher gestellt hatte, ist der Mann Anfang September festgenommen worden. Obwohl die Vernehmung zahlreicher Personen und etliche Kinder den Tatverdacht in der Zwischenzeit erhärtet hat, bestreitet der 50-jährige Mann die Vorwürfe.

Bei den elf Taten, die dem Mann derzeit vorgeworfen werden, könnte es sich laut Staatsanwalt Klose lediglich um die Spitze des Eisbergs handeln: „Es steht zu befürchten, dass noch mehr Kinder betroffen sein könnten und dies auch mehrfach.“

Dies zeige die Erfahrung in solchen Fällen. Gerade bei kleinen Kindern sei es mitunter schwierig, Tathergänge eindeutig darzustellen und zeitlich zuzuordnen. „Bei den jetzt vorgeworfenen elf Taten gehen wir davon aus, dass sie juristisch so abgesichert sind, dass sie zu einer Verurteilung führen können.“

Während der Mann am Mittwoch festgenommen wurde, ist auch sein Zuhause durchsucht worden. „Wir prüfen nun, ob möglicherweise auch kinderpornografische Dateien vorliegen“, so Klose. Auch frühere Arbeitgeber des Mannes sollen kontaktiert werden, um zu klären, ob er sich möglicherweise schon früher an Kindern vergriffen haben könnte. Die Taten, die ihm jetzt vorgeworfen werden, haben sich zwischen Januar 2017 und Juli 2020 zugetragen.

Jugendamt lagen keine Hinweise vor

Dem zuständigen Jugendamt lagen bis zur Festnahme des Mannes keine Hinweise vor, wie Landkreis-Pressesprecher Michael Janke erklärt. Die zuständigen Ämter sowie der Kindergartenträger werden sich schnellstmöglich zu einem runden Tisch treffen, um zu klären, wie man den Betroffenen helfen kann, so Janke.

Auch die Erzdiözese Freiburg hat erklärt, das pädagogische Team und die betroffenen Familien mit unterschiedlichen Angeboten zu unterstützen. Staatsanwalt Klose: „Es wird noch zu klären sein, wie die Kinder das verarbeitet haben oder ob Spätfolgen zu befürchten sind.“

Solange der Erzieher die Taten bestreitet, ist es nötig, auf die Aussagen der Kinder zurückzugreifen. Diese müssen aber nicht zwangsläufig in einem Prozess auftreten, so Klose. Es sei etwa möglich, auf Videovernehmungen zurückzugreifen, die zuvor in einem geschützten Raum stattfinden. So war es auch im Fall des Schwimmlehrers, der sich 2018 wegen 133fachen Missbrauchs von 32 Mädchen vor Gericht verantworten musste und schließlich zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde.

Wann es zum Prozess gegen den Rastatter Erzieher kommt, ist derzeit noch offen. Fest steht nur, dass der Mann aus der Untersuchungshaft entlassen werden muss, wenn nicht innerhalb der nächsten sechs Monate die Hauptverhandlung beginnt. Staatsanwalt Klose: „Ab heute ticken also die Uhren bei uns.“

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