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Filmreife Flucht endete bei Freiburg

Nach Verfolgungsjagd durch Karlsruhe: So lief die Flucht des 48-Jährigen ab

Diese Flucht liefert Stoff für einen Action-Film: Ein 48-Jähriger hinterlässt am Dienstagabend zwischen dem Raum Karlsruhe und Freiburg eine Spur der Verwüstung nach mehreren Unfällen mit geraubten Autos entlang der A 5 Richtung Basel.

Spur der Verwüstung: Im Gleisbett einer Bahnhaltestelle im Karlsruher Westen kam der Fahrer eines weißen SUV spektaktulär zum Stillstand. Die Flucht setzte er mit mehreren weiteren Fahrzeugen bis nach Südbaden fort. Foto: Aaron Klewer/Einsatz-Report24/dpa/Archiv

In den meisten Fällen ist die Fahrt zu Ende, wenn das Fahrzeug auf dem Dach liegt. Nicht so in einer spektakulären Unfallserie, die sich am Dienstagabend von Rheinstetten-Mörsch über Karlsruhe und die Autobahn 5 bis nach Südbaden gezogen hat. Ein 48-jähriger Fahrer hat auf seinem Weg zwischen Karlsruhe und der Autobahn-Ausfahrt Riegel im Raum Freiburg mehrere Fahrzeuge geraubt und Unfälle verursacht. Der Sachschaden liegt laut Polizei bei mehr als 75.000 Euro, bei den Unfällen wurden mehrere Personen verletzt.

Es beginnt gegen 18.40 Uhr am Dienstagabend mit einem Auffahrunfall samt Fahrerflucht in Rheinstetten-Mörsch: Nur etwa fünf Minuten später verursacht der geflüchtete Fahrer eines weißen SUV mit polnischem Kennzeichen im Karlsruher Westen den nächsten Verkehrsunfall: Der Wagen streift auf der Kaiserallee im Stadtteil Mühlburg zwischen Peter-und-Paul-Platz und Klopstockstraße eine 44-jährige Radfahrerin, die leicht verletzt im Krankenhaus behandelt werden muss.

Erst ein paar Tage zuvor ist an genau dieser Stelle ein extrabreiter Radfahrstreifen markiert worden, der eigentlich für größere Sicherheit auf der Durchgangsstrecke zwischen Mühlburg und Innenstadt sorgen soll.

Etwa anderthalb Häuserblocks weiter überschlägt sich der Wagen und landet spektakulär auf dem Dach im Gleisbett der Haltestelle Händelstraße. Der Mast einer Fußgängerampel wird dabei umgerissen, auch die LED-Anzeige der KVV-Haltestelle ist am Mittwochnachmittag offenbar noch davon betroffen, als bereits eine Ersatz-Ampel den Fußgängerverkehr über Straße und Gleise wieder regelt.

Polizei äußert sich nicht zum Inhalt der Koffer

Als nach dem Unfall am Dienstagabend der auf dem Dach liegende SUV zu brennen beginnt, ist der 48-jährige Fahrer längst verschwunden: Mit einem Messer hat er laut Polizei eine unbeteiligte Autofahrerin bedroht und ist mit ihrem Wagen geflüchtet. Gegen 19 Uhr kommt Sascha Ferrini in seinem Auto auf dem Heimweg aus der Innenstadt an der Unfallstelle vorbei, den Rauch des brennenden Fahrzeugs hat er schon von Weitem gesehen. „Ich dachte bei mir: Wenn da niemand gestorben ist, ist das ein Wunder“, sagt er. Auch in der nahegelegenen Apotheke ist der Unfall am Mittwoch Gesprächsthema Nummer eins. Auf Fotos sind mehrere Koffer und weitere Gepäckstücke zu sehen, die bei dem Crash offenbar teils aus dem Auto geschleudert wurden, teils noch im Auto stecken. Zu deren Inhalt äußert sich die Polizei auch am Mittwoch nicht.

Die Spur der Verwüstung mit weiteren Unfällen und Verletzten setzt sich am Dienstagabend bis in den Raum Freiburg fort. Der 48-jährige algerische Staatsbürger, der in Deutschland keinen festen Wohnsitz hat, verursacht zunächst einen weiteren Unfall in der Reinhold-Frank-Straße in der Karlsruher Weststadt, fährt dann weiter Richtung Süden, vermutlich über die Autobahn 5 Richtung Basel.

Mann soll auf Parkplätzen an der A5 versucht haben, weitere Fahrzeuge zu klauen

Möglicherweise habe der Täter auch auf Parkplätzen entlang der A 5 versucht, weitere Fahrzeuge gewaltsam zu übernehmen, schreibt die Polizei in einer Pressemitteilung. Bei Herbolzheim im Landkreis Emmendingen raubt der Mann einen Lkw. Bei der Zufahrt auf die Autobahn 5 kommt es offenbar zu einem Auffahrunfall, bei dem ein schwarzer Wagen mit Schweizer Kennzeichen unter das Heck des Lkw geklemmt wird – dieser schleift das Auto noch eine Weile mit, die beiden Insassen werden dabei verletzt. Südlich der Autobahn-Ausfahrt Riegel endet um 20.50 Uhr schließlich die Flucht mit der Festnahme des Tatverdächtigen durch die Polizei.

Am Mittochnachmittag wird der Mann dem Haftrichter vorgeführt, die Staatsanwaltschaft Karlsruhe erwirkt beim zuständigen Amtsgericht Hafbefehl. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei Karlsruhe gegen den 48-Jährigen dauern laut Polizei weiter an. Einzige Neuigkeit am Tag nach der Unfallserie ist: Es liegen laut Polizei keine Hinweise auf einen extremistischen Hintergrund vor. Der Beschuldigte bleibt vorerst in Untersuchungshaft.

Zeugen

Geschädigte und Zeugen sind aufgerufen, sich unter Telefon 0721 666-5555 beim Kriminaldauerdienst Karlsruhe zu melden.

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