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Photovoltaik-Freiflächen

Nahrungsmittel oder Strom erzeugen? In Baden-Württemberg gibt es kaum neue Solaranlagen auf Äckern

Baden-Württemberg braucht mehr Photovoltaikanlagen, um selbst mehr Strom zu produzieren und dabei auch seine Kllimaschutzziele zu erreichen. Doch der Ausbau bei den Freiflächenanlagen stockt.

Über große Solarmodulflächen werden Sonnenstrahlen eingefangen und damit die ökologisch und ökonomisch günstigste Wärmequelle genutzt.
Solarparks finden sich in Baden-Württemberg auch nach der jüngsten Ausschreibungsrunde deutlich seltener. Foto: Simon Kraus/Adobe Stock

Baden-Württemberg kommt bei Photovoltaik-Freiflächen im Gegensatz zu seinen Nachbarländern Bayern oder Rheinland-Pfalz nicht voran.

Wie in dieser Woche von der Bundesnetzagentur in Bonn veröffentlichte Zahlen zeigen, lag Bayern bei den Zuschlägen für entsprechende Solarflächen in der ersten Ausschreibung dieses Jahres erneut mit großem Abstand vorn, Baden-Württemberg rangiert mit knapp einem Zehntel der bayerischen Leistung noch hinter dem Saarland. Nach Einschätzung des Landesumweltministeriums liegt die Zuschlagsmenge auf vergleichbarem Niveau wie bei vergangenen Ausschreibungen.

„Die neue Aufbruchstimmung im Südwesten schlägt sich noch nicht in fertigen Projektgenehmigungen nieder“, kommentierte Franz Pöter von der Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg.

Das Land brauche aber mehr Photovoltaikanlagen, um seine Klimaschutzziele zu erreichen: Insgesamt müssten – zusammen mit Dach- und Fassadenanlagen – jährlich im Südwesten Anlagen mit 2.000 Megawatt errichtet werden, um deren erforderlichen Anteil an den Klimazielen zu erreichen, 600 Megawatt davon auf Freiflächen, errechnete das Solarcluster Baden-Württemberg.

Bei der Ausschreibung im sogenannten ersten Segment zum Gebotstermin 1. März erteilte die Bundesnetzagentur in Bayern 106 Zuschläge mit einem Volumen von 488 Megawatt (MW), gefolgt von Standorten in Rheinland-Pfalz (223 MW, 19 Gebote), Mecklenburg-Vorpommern (67 MW, zehn Zuschläge) und dem Saarland (66 MW, 16 Zuschläge). Eine Nachfrage der BNN in Bonn ergab, dass aus Baden-Württemberg lediglich zwölf Gebote mit einem Volumen von 46,8 Megawatt einen Zuschlag erhielten.

Nach Ansicht des Bauernverbands in Stuttgart sind zwar viele Landwirte der Meinung, auf Ackerflächen sollten Nahrungsmittel erzeugt werden, statt darauf Solarmodule zu errichten. Dennoch gebe es auch immer mehr landwirtschaftliche Betriebe, die sich für diese Art der Stromerzeugung interessierten.

Einschränkungen gebe es aber durch kommunale Behörden, weil dafür Baugenehmigungen nötig seien. Außerdem gebe es Probleme aufgrund zu weit entfernter Netzeinspeisepunkte.

Lukrativere Pachteinnahmen als beim Ackerbau

Insgesamt sei die landwirtschaftliche Struktur in Baden-Württemberg eher kleinteilig mit einer Durchschnittsgröße von 35 Hektar und rund 60 Prozent Pachtfläche.

Hier sei ein Trend zu Kündigungen von Pachtflächen für Landwirte erkennbar, weil die Verpachtung zur Stromgewinnung lukrativer wird: Mit landwirtschaftlichen Flächen ließen sich im Jahr nur dreistellige Pachteinnahmen erzielen, mit PV-Anlagen dagegen 3.000 bis 5.000 Euro im Jahr. Diesen Rückgang der landwirtschaftlichen Fläche „sehen wir sehr kritisch“, sagte Dominik Modrzejewski.

Mit Solarparks findet eine Umnutzung vor allem wenig ertragreicher Flächen statt. Die Laufzeit der entsprechenden Förderung beträgt 20 Jahre. Außer bei der sogenannten Agri-Photovoltaik – hier werden die Solarmodule beispielsweise beim Obstanbau auch zum Schutz der Ernte eingesetzt – ist kein Ackerbau möglich. Die Flächen können aber weiterhin als Grünland, etwa zur Schafbeweidung, genutzt werden.

400 Megawatt mehr Leistung in benachteiligten Gebieten geplant

Das Solarcluster verweist auch darauf, dass durch die Extensivierung und die Verwendung regionaler Saaten die Artenvielfalt gefördert werde. Das schaffe auch Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen, die Flächenversiegelung sei minimal.

„Da die Unterkonstruktion für die Module auf Pfählen befestigt wird, können Solarparks nach Ende der Nutzungsdauer ohne großen Aufwand entfernt und die Flächen wieder vollständig landwirtschaftlich genutzt werden“, so das Solarcluster.

Korrektur

In einer früheren Fassung des Artikels hatten wir geschrieben, die Laufzeit der entsprechenden Förderung betrage 25 Jahre. Das ist falsch, es sind nur 20 Jahre. Die Zahl haben wir daher korrigiert.

Die Landesregierung setzt zur Erreichung ihrer Klimaziele ebenfalls auch auf mehr Solar in der Natur. Dazu hatte sie 2017 die Nutzung von Freiflächen auf weniger ertragreichen Äckern und Grünflächen ermöglicht. Diese sogenannten „benachteiligten Gebiete“ machen mit 900.000 Hektar zwei Drittel der Acker- und Grünlandfläche aus.

Ihre Nutzung war bisher auf 100 Megawatt pro Jahr begrenzt, soll aber auf 500 Megawatt angehoben werden. Ein entsprechender Entwurf befinde sich in der Anhörung, teilte das Landesumweltministerium auf BNN-Anfrage mit.

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