
Nach einer überstandenen Corona-Infektion klagen Betroffene oft noch monatelang über gesundheitliche Folgen. Wie viele Menschen an diesem sogenannten Post-Covid-Syndrom oder Long Covid leiden, lässt sich schwer beziffern. Verschiedene Schätzungen gehen von zehn bis 40 Prozent aller Infizierten aus.
Eine große, bevölkerungsbasierte Studie der Universität Tübingen liefert jetzt neue Erkenntnisse über die Häufigkeit der verschiedenen Symptome und mögliche Risikofaktoren, die zu Long Covid führen könnten. Sie basiert auf einer am Anfang des Jahres durchgeführten Befragung von über 1.900 Personen in den Landkreisen Reutlingen, Tübingen und dem Enzkreis, die während der Akutphase ihrer Infektion mit Sars-CoV-2 ambulant oder daheim behandelt worden waren. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer war 53 Jahre, etwas mehr als die Hälfte (56 Prozent) waren Frauen.
Long Covid: Häufigstes Symptom ist ständige Müdigkeit
Acht Prozent der Studienteilnehmer hatten nach eigenen Angaben keine Symptome während oder nach der Covid-Erkrankung. Dagegen litten rund 49 Prozent vier Monate nach Genesung oder später an mindestens einem Symptom.
Als häufigste Nachfolgeerscheinungen identifizierte die Forschergruppe aus Tübingen Müdigkeit und körperliche Erschöpfung (je etwa 41 Prozent), Konzentrationsstörungen (30 Prozent) sowie Geschmacks- und Geruchsverlust (je 35 Prozent). Aber auch Haarausfall, Atemnot und Schwindel traten mit zeitlicher Verzögerung bei einem Teil der Betroffenen auf.
Über Langzeitsymptome klagen etwa drei Viertel aller Patienten und Patientinnen, die zuvor im Krankenhaus behandelt wurden, und knapp die Hälfte der ambulanten Fälle. Wenig überraschend war die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen mit Long Covid im Vergleich zu Genesenen ohne Langzeitsymptome deutlich reduziert.
Fast doppelt so hohes Long-Covid-Risiko bei Frauen
Das Risiko, nach einer Infektion Long Covid zu entwickeln, war bei Frauen demnach 1,8-fach erhöht. Als weitere Risikofaktoren identifizierten die Forscher das Gesamtmaß an chronischen Begleiterkrankungen, die Notwendigkeit einer Dauermedikation und der Schweregrad der Akutphase von Covid-19.
Die Studie warnt vor einer „großen medizinischen und sozioökonomischen Herausforderung“, wenn manche früheren Corona-Patienten aufgrund der bestehenden Beschwerden nicht zu ihrem früheren Leben zurückkehren und ihren Beruf wieder aufnehmen können.