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Einfluss nicht zu unterschätzen

Neue Studie zeigt: Frauen spielen im Extremismus eine wichtige Rolle

Nach einer Studie des Landesamtes für Verfassungsschutz sollen Frauen in extremistischen Gruppen eine wichtigere Rollen spielen als bisher gedacht. Sie sind keineswegs nur passive Helferinnen.

Aus Syrien zurückkehrende Islamistinnen stehen oft vor deutschen Gerichten - wie hier in Stuttgart vor zwei Jahren. Laut einer neuen Studie des Landesamtes für Verfassungsschutz haben Frauen einen bedeutenden Einfluss in extremistischen Gruppierungen. Foto: Marijan Murat picture alliance/dpa

Frauen, die der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) nahestehen, halten die deutsche Justiz auf Trab. Eine mutmaßliche IS-Anhängerin muss sich ab Mitte Juni vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt verantworten. Im April wurde eine andere Islamistin in Berlin zu einer Haftstrafe verurteilt.

Doch es geht nicht nur um die Rückkehrerinnen aus Syrien: Nach geheimdienstlichen Schätzungen nehmen extremistische und islamistische Gruppen in Deutschland Frauen gerne auf. Etwa ein Fünftel der Mitglieder dieser Organisationen soll weiblich sein. Ihre Rolle wurde lange unterschätzt und von Extremismusforschern übersehen. Diese Wissenslücke soll nun eine erste Studie des baden-württembergischen Amtes für Verfassungsschutz schließen, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Extremistinnen haben großen Einfluss in ihren Gruppen

„In zweiter Reihe, an vorderster Front?“ Die im Titel formulierte Frage beantwortet die Untersuchung mit einem Ja. Zwar bestimmten heute grundsätzlich die Männer über die weiblichen Rollen in der „extremistischen Gesellschaftsutopie“. Ferner blieben die Frauen in solchen Gruppen von der Entscheidungsfindung in wichtigen Fragen ausgeschlossen.

Doch sie seien keineswegs nur passive Gehilfinnen, so die Autorinnen Corinna Hillebrand-Brem, Sabine Schupp-Demiriz und Britt Ziolkowski. Laut ihrer Studie wirken die Frauen vielmehr aktiv an der Verbreitung der „Männerträume“ mit, tragen die extremistischen Weltbilder weiter und stabilisieren die Gruppierungen.

Ihr Einfluss – „sei es als Lehrerin, Straßenaktivistin bis hin zur Kommunalpolitikerin oder Selbstmordattentäterin“ – sei nicht zu unterschätzen, warnen die Forscherinnen. Für ihre Arbeit haben sie neben den Strukturen des zerschlagenen IS noch die Identitäre Bewegung, die rechtsextremistische Partei „Der III. Weg“ und die Milli-Görüs-Bewegung untersucht.

Soziale Abwertung könnte zur Radikalisierung führen

Eine ihrer Schlussfolgerungen lautet, dass das Geschlecht ein „zentraler Faktor für Radikalisierung“ zu sein scheint. Während Männer in extremistischen Gruppen oft die Erfüllung ihrer Männlichkeit suchten, könnte bei Frauen „eine Überforderung durch gesellschaftliche Ansprüche“ oder eine soziale Abwertung den Wunsch wecken, in Extremisten-Kreisen Wertschätzung zu erhalten. Die Bemühungen zur Deradikalisierung sollten sich darauf konzentrieren, den ausstiegswilligen Personen andere Möglichkeiten aufzuzeigen, so das Fazit der Studie.

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