Skip to main content

1973 verstorbener Verleger

Neuer Gedenkstein auf dem Grab des BNN-Gründers Wilhelm Baur würdigt sein Wirken

Der Verlag der BNN und die Wilhelm-Baur-Stiftung haben den 1973 verstorbenen Gründungsverleger Wilhelm Baur mit einem Gedenkstein an dessen Grab im Karlsruher Stadtteil Rüppurr geehrt.

Mit einem neuen Gedenkstein am Grab von Wilhelm Baur auf dem Friedhof im Karlsruher Stadtteil Rüppurr erinnert der Verlag der BNN an den Mann, der 1946 die BNN begründete. Foto: Jörg Donecker

Karlsruhe lag nach dem Zweiten Weltkrieg am Boden, weite Teile der Stadt waren zerstört. Tageszeitungen gab es keine mehr. Die US-Besatzungsmacht setzte auf den demokratischen Neuaufbau, die Medien sollten dabei eine große Rolle spielen. Die US-Militärregierung brauchte dafür demokratisch verlässliche und unbelastete Journalisten und fand sie für ihre erste Karlsruher Zeitungslizenz 1946 in Wilhelm Baur und Walter Schwerdtfeger.

Am 1. März 1946 erschien die erste Ausgabe der Badischen Neuesten Nachrichten (BNN). Die einstigen Altverleger von Zeitungen waren zu dieser Zeit von einer Lizenzvergabe ausgeschlossen.

Wilhelm Baur, geboren 1895 in Schwäbisch Gmünd und in Pforzheim aufgewachsen, war in Karlsruhe kein unbeschriebenes Blatt. Unter den Nationalsozialisten hatte der gelernte Journalist und einstige Sekretär (von 1922 bis 1933) der Zentrumsfraktion im badischen Landtag sowie Herausgeber der Zentrumskorrespondenz Berufsverbot.

Als einstiger Leiter der „Zentrumswacht“, einer Schutzorganisation der Partei gegen nationalsozialistische Übergriffe vor allem bei Veranstaltungen, scheute er auch die handfeste Auseinandersetzung mit den Nationalsozialisten nicht, wenn notwendig.

Engagiert als Journalist und Politiker

1946 engagierte sich Baur, der zum Kreis einstiger Zentrumspolitiker um den von den Nazis hingerichteten Reinhold Frank gehört hatte, in Karlsruhe bereits für den Aufbau einer neuen christdemokratischen Partei. Aus ihr wurde im Februar 1946 die CDU.

Nun hat der Verlag der BNN seinen Gründungsverleger mit einem Gedenkstein an dessen Grab im Karlsruher Stadtteil Rüppurr geehrt. „Wilhelm Baur wird immer der große Pionier der Badischen Neuesten Nachrichten bleiben. Seine Leistungen für den Wiederaufbau einer freien und unabhängigen Presse in Nordbaden sind bis heute beispielhaft. Als einstiger Widerstandskämpfer im Nationalsozialismus gab der BNN-Gründer der Tageszeitung ein entscheidendes demokratisches Fundament“, sagt BNN-Verleger und Chefredakteur Klaus Michael Baur.

Und weiter: „Ohne Wilhelm Baur wären die BNN mit ihren Außenausgaben in Nordbaden nicht denkbar. Umso wichtiger ist es, ihn in ehrendem Andenken zu bewahren. “

Aufbau der BNN aus Ruinen

Der Aufbau der Zeitung begann für Wilhelm Baur sprichwörtlich aus Ruinen, nämlich in den weitgehend kriegszerstörten Räumlichkeiten und der Druckerei der einst von den Nazis gleichgeschalteten „Badischen Presse“ in der Lammstraße, die 1936 dem Naziblatt „Der Führer“ weichen musste.

Bis heute berufen sich die BNN im Zeitungskopf auf die „Badische Presse“ als einstige bürgerlich-liberale Zeitung der Weimarer Republik. Die BNN, zunächst mit einer Auflage von 115.000 Exemplaren gestartet, wuchsen schnell und hatten Erfolg beim Leser. Mitverleger Schwerdtfeger schied 1950 aus, sodass Wilhelm Baur Alleinverleger wurde.

Ehrenbürger der Stadt Karlsruhe

Baur steuerte die BNN geschickt durch die Wirtschaftswunderjahre, dehnte die Zeitung in die Region aus, meisterte auch die erste bundesweite Zeitungskrise am Ende der 60er Jahre, als es zu Konzentrationsprozessen und Zeitungsschließungen kam, darunter auch der damals letzte verbliebene Zeitungskonkurrent in Karlsruhe.

Er erhielt das Bundesverdienstkreuz, 1970 auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt zu seinem 75. Geburtstag. 1973 starb der Verleger bei einem Urlaub in Bad Ragaz in der Schweiz. Die unter ihm begonnene und von seinem 2015 verstorbenen Nachfolger Hans Wilhelm Baur fortgeführte Verlagspolitik, sprich die Sicherung der Unabhängigkeit des mittelständischen Zeitungsunternehmens, brauchte ein gesichertes Fundament.

Stiftung erinnert an Gründungsverleger

1994 vollzog Hans Wilhelm Baur deshalb den Übergang der BNN an die neue Wilhelm-Baur-Stiftung, die in ihrem Namen an den Gründungsverleger erinnert und sich für den Gedenkstein am Grab eingesetzt hat. Sie hatte die unabhängige Fortführung der BNN als Zweck, aber auch vielfältiges soziales Engagement.

2017 widerfuhr dem Katholiken Wilhelm Baur posthum eine Ehrung, an die er zeitlebens wohl nicht gedacht hätte. Bei dem Projekt der evangelischen Kirche in Karlsruhe, mit Lutherbüsten im Luther-Gedenkjahr historische wie aktuelle beispielhafte Zeitgenossen zu porträtieren, wurde der BNN-Gründer ebenfalls mit einer Büste des Künstlers Harald Birk geehrt.

Der damalige Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh würdigte den einstigen Verleger als jemanden, der an die Kraft des gedruckten Wortes und des Gewissens glaubte: „Luthers reformatorische Ideen bekommen dadurch ein Gesicht.“ Die Büste Wilhelm Baurs steht bis heute in der BNN-Geschäftsstelle in der Lammstraße, wo die Geschichte der BNN begann.

nach oben Zurück zum Seitenanfang