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Urlaub in Deutschland

9-Euro-Ticket: Zehn Tipps für die schönsten Zugfahrten zwischen Schwarzwald und Ostsee

Mit der spottbilligen Monatskarte lohnt sich in diesem Sommer das Bahnfahren besonders. Von Karlsruhe, Bruchsal oder Rastatt aus lässt sich mit dem 9-Euro-Ticket ganz Deutschland entdecken. Viele Strecken führen durch landschaftlich reizvolle Region.

Auf der Elstertalbahn überquert ein Zug die Elstertalbrücke bei Jocketa im Vogtland. Foto: Jan Woitas/dpa

Das 9-Euro-Ticket kommt. Zwar sind noch nicht alle Fragen bis ins Detail geklärt, doch am 1. Juni soll es erhältlich sein – das Ticket, das Fahrten mit Bus und Bahn unglaublich preiswert machen wird. Eigentlich sollte das Vorhaben, das die Deutschen über gehörig gestiegene Energiepreise hinwegtrösten soll, schon im Mai an den Start gehen, doch die Abstimmung mit den Ländern, Kommunen sowie den jeweiligen Verkehrsverbünden zog sich hin.

Die Verzögerung bringt sogar Vorteile mit sich, denn jetzt fällt der Geltungszeitraum in die Ferienzeit.

Für neun Euro im Monat Bus und Bahn fahren: Da dürften selbst Autofetischisten mal den eigenen fahrbaren Untersatz stehen lassen. Drei Monate lang soll es das Ticket geben und es wird bundesweit gültig sein.

Das heißt: Wer in Rastatt oder Bruchsal sein 9-Euro-Ticket kauft, kann auch in Regionalbahnen und Bussen in Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern unterwegs sein. Nur Fernverbindungen per ICE oder IC sind ausgeschlossen.

Doch auch ohne diese Rennpferde der Bahn lohnt sich der Kauf des Tickets. Immerhin summiert sich das Schienennetz in Deutschland nach Angaben der „Allianz pro Schiene“ auf über 38.000 Kilometer. Auf vielen Strecken gilt zudem das Motto „Der Weg ist das Ziel“, weil sie durch landschaftlich besonders schöne Regionen führen.

Wer das Kursbuch studiert und etwas Zeit mitbringt, kann ganz Deutschland mit Regionalzügen durchqueren. Denn in den vergangenen Jahren entstanden lange Linien, teils durch die halbe Republik. Dabei lernt man Regionen kennen, die man bisher womöglich nicht auf dem Urlaubsradar hatte. Eine subjektive Auswahl der schönsten Zugstrecken in Deutschland, auf denen das 9-Euro-Ticket gilt.

Vom Rhein zum Bodensee

Noch vergangenes Jahr ging es ohne Umsteigen vom Badischen Bahnhof in Basel in gut drei Stunden nach Ulm. Das erinnerte an die guten, alten Interregio-Zeiten. Doch mit dem Fahrplanwechsel war es um die umsteigefreie Verbindung geschehen. Jetzt muss in Friedrichshafen der Zug gewechselt werden.

Zugfans werden das verschmerzen, denn die Trasse ganz im Süden der Republik bietet großes Landschaftskino: den wilden Rhein mit den Wasserfällen bei Schaffhausen, den Bodensee mit der Kulisse der Alpen und das liebliche, mit zahlreichen Barockbauten gesegnete Oberschwaben. Am Ende der knapp 300 Kilometer langen Reise grüßt der höchste Kirchturm der Welt, das Ulmer Münster.

Durch den Schwarzwald

Von Badens Hauptstadt Karlsruhe an den Bodensee und wieder zurück: Das ist seit über 150 Jahren dank der Schwarzwaldbahn möglich. Kaum Brücken – viele Tunnels: Dieses Ziel verfolgte der geniale Baumeister Robert Gerwig, der die Trasse regelrecht an den Berg klebte.

Die eigentliche Besonderheit sind die beiden Kehrschleifen, um den Höhenunterschied von rund 400 Metern zwischen Hornberg und Sommerau zu bezwingen. Möglich wurde dies durch einen ingenieurtechnischen Trick: Die Luftlinie von elf Kilometern zwischen den beiden Schwarzwaldorten wurde auf eine Bahnstreckenlänge von 26 Kilometern verlängert. Drei Stunden dauert die Fahrt von Karlsruhe nach Konstanz.

Mit dem Zug ins Allgäu

Rüber nach Bayern. Der Freistaat hat viele schöne Regionalbahnlinien – beispielsweise die Strecke von Freilassing nach Berchtesgaden mit dem Nationalpark. Oder die Mittenwaldbahn, die durch das Karwendelgebirge führt. Nicht weniger schön ist die Strecke von München nach Füssen. Einmal pro Stunde startet die BRB Richtung Königsschlösser.

In der bayerischen Metropole zeichnen sich die Alpengipfel noch schemenhaft am Horizont ab, doch mit jedem zurückgelegten Kilometer dominieren sie mehr die Szenerie. Knapp zwei Stunden dauert die Fahrt durch echte Postkartenidylle, an deren Ende die Qual der Wahl steht: Wandern beispielsweise auf dem Lechweg oder Besuch beim „Kini“ auf Neuschwanstein.

Die Lahn im Blick

Sie verbindet die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen und ist – da sie in weiten Teilen nie grundlegend modernisiert wurde – ein Überbleibsel aus den Kindertagen des Eisenbahnzeitalters: die Lahntalbahn zwischen Niederlahnstein und Wetzlar, deren hessischer Teil als Kulturdenkmal ausgewiesen ist.

Die Lahntalbahn, hier unterhalb von Kloster Arnstein, ist eine Strecke aus den Kindertagen der Eisenbahn. Foto: Deike Uhtenwoldt/dpa

Höhere Geschwindigkeiten lässt die kurvenreiche, aber äußerst reizvolle Strecke mit ihren historischen Tunneln nicht zu, weshalb man auf der knapp 90 Kilometer langen Strecke fast 90 Minuten unterwegs ist. Doch dafür hat der Reisende stets den mäandernden Rheinzufluss im Blick. Beliebt ist die Strecke bei Radfahrern, denn der Lahntalradweg ist bequem per Bahn zu erreichen.

Entlang der Mosel

Es muss nicht immer das Mittelrheintal mit Dutzenden Burgen in felsiger Landschaft sein, das Bahnfans in Verzückung versetzt. Die kleine Schwester, die Mosel, ist nicht weniger schön. Die Trasse rechts der Mosel, auf der bis in die 1960er Jahre ein Züglein fuhr, dient heute als Radweg, doch links der Mosel fährt der Regionalexpress in dichter Taktung.

Steile Weinhänge, bezaubernde Winzerdörfer und ein sich heftig schlängelnder Fluss erwarten den Passagier auf der 90-minütigen Fahrt von Koblenz nach Trier. Es lohnt sich, in Bullay auszusteigen, um einen Abstecher auf der Moselweinbahn nach Traben-Trarbach zu machen. Die ist zwar nur 13 Kilometer lang, doch bequemer lässt sich die weinselige, wander- und radfreundliche Region nicht erkunden.

Auf historischer Strecke

Auf ihr taucht man ganz tief in die Eisenbahngeschichte ein: auf der Trasse Kassel–Warburg, Teil der „Mitte-Deutschland-Verbindung“ genannten Ost-West-Achse. Schon 1848 fuhren die ersten Züge durch die Mittelgebirgslandschaft nördlich von Kassel, deren Fahrpläne von Anfang an auf die Weserschifffahrt abgestimmt waren. Noch heute ist die Trasse eine wichtige Verbindung von Hessen nach Nordrhein-Westfalen.

Eines der auffallendsten Bauwerke ist das Diemelviadukt beim Örtchen Haueda, deren Sandsteinbögen bereits 1851 fertig waren. Parallel zur Diemel und am Viadukt vorbei führt heute der Diemelradweg, der von der Quelle bei Willingen bis zur Mündung in Bad Karlshafen verläuft.

Schmuckstück im Vogtland

Tradition seit 140 Jahren: Die Elstertalbahn mit 30 Bahnhöfen und Haltepunkten ist die brückenreichste Bahnstrecke Europas und ein treuer Begleiter der Weißen Elster. Zwischen seiner Quelle nahe dem böhmischen Cheb und der Otto-Dix-Stadt Gera in Thüringen präsentiert sich der Fluss als reinstes Naturidyll mit seltener Flora und Fauna. Die Landschaft ist wie geschaffen für ausgedehnte Wanderungen oder erlebnisreiche Radtouren. So verläuft ein Teilstück des 400 Kilometer langen „Thüringenweges“ durch die Talaue der Weißen Elster.

Entlang der 140 Kilometer langen Strecke finden sich unzählige historische und kulturelle Sehenswürdigkeiten, die von der langen Geschichte des Vogtlands erzählen – wie das untere Schloss von Greiz, die über 1.000 Jahre alte Veitskirche in Wünschendorf oder die Elstertalbrücke, gebaut aus zwölf Millionen Ziegelsteinen.

Ins Elbsandsteingebirge

Zugegeben: Die Fahrt von Dresden nach Bad Schandau dauert nur 44 Minuten, doch die Route durch die Sächsische Schweiz zählt sicherlich zu den schönsten Strecken Deutschlands. Die Gleise schmiegen sich an die Elbe; an beiden Ufern liegen hübsche Ortschaften; dahinter türmen sich die bizarren Felsen des Elbsandsteingebirges auf, das Maler wie Caspar David Friedrich inspiriert hat.

Wer die kurze Reise mittels S-Bahn zu einem tagfüllenden Ausflug erweitern möchte, wandert von Bad Schandau zu den Schrammsteinen und fährt mit der Weißen Flotte nach Dresden zurück. Von dort gibt es übrigens Anschluss an einen Regionalexpress ins bayerische Hof.

Von der Elbe an die Küste

Nord- oder Ostsee? Das ist die Frage, wenn man sich Hamburg als Ausgangspunkt für eine Reise mit dem 9-Euro-Ticket wählt. Der Sylt-Express von Altona nach Westerland dürfte selbst jenen bekannt sein, die mit Zugfahren sonst wenig am Hut haben – immerhin fahren seit fast 100 Jahren Züge über den Hindenburgdamm mitten durch das geschützte Wattenmeer und nehmen Autos huckepack. Doch auch Ostsee-Gestade sind mittels Regionalbahn zu erreichen.

Das Gleis im Meer: Auf dem Hindenburgdamm durchqueren die Züge das Wattenmeer zwischen Sylt und Niebüll. Foto: Carsten Rehder/dpa

Möglich macht es der alle zwei Stunden verkehrende Hanse-Express Richtung Rostock. Entlang der Strecke locken Kleinode wie Boizenburg an der Elbe mit seinen vielen kleinen Brücken oder das hochherrschaftliche Schloss von Schwerin. Wer weiter nach Rügen möchte, muss in Rostock umsteigen. Allerdings dauert es meist nur wenige Minuten, bis der nächste Regionalexpress zu Deutschlands größter Insel losfährt.

Brandenburgs Superlinien

Eigentlich sind Regionalbahnen auf mittlere Entfernungen ausgelegt – was immer der Begriff auch bedeuten mag. Doch die sogenannten Brandenburger Superlinien geben sich nicht mit kurzen Distanzen zufrieden, bringen es teils gar auf Hunderte Kilometer. Alle zwei Stunden geht es beispielsweise von der Lutherstadt Wittenberg ohne Umstieg nach Stralsund – 342 Kilometer liegen zwischen beiden Städten.

Die Doppelstockwaggons des RE2 legen auf ihrem Weg von Cottbus nach Wismar sogar 367 Kilometer zurück und passieren dabei Orte wie Lübbenau im Spreewald und Wittenberge an der Elbe, aber auch die Metropole Berlin. Roswitha Bruder-Pasewald

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