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Einmal nur Prinzessin sein

Noch ein letzter Ausflug: Wünsche-Wagen erfüllt Sterbenden Herzenswünsche

Superman treffen, Wale streicheln oder einmal noch ins Generallandesarchiv. Die letzten Wünsche sterbender Menschen sind vielfältig. Der Wünsche-Wagen des Arbeiter-Samariterbundes versucht Sterbenden einen letzten Ausflug zu ermöglichen. Die Ziele sind dabei manchmal einzigartig und manchmal überraschend.

Ein letzter Blick: Einen ihrer Fahrgäste brachte der Wünsche-Wagen des Arbeiter-Samariterbundes auf den Aufzugsturm von Rottweil. Von dort, dem Himmel nahe, schaute der Mann noch einmal auf die Welt. Foto: Tina Schönleber

Die kleine Klara möchte unbedingt noch einmal die Prinzessinnen in Disneyland besuchen, Heinz ein letztes Mal zurück in seinen geliebten Schrebergarten und Irene noch einmal ein Fischbrötchen essen, so wie früher, in Sankt-Peter-Ording.

Die Wünsche sind vielfältig. Sie haben nur eines gemeinsam: Es sind die letzten Herzenswünsche sterbender Menschen. Und der Wünsche-Wagen des Arbeiter-Samariter-Bundes versucht, sie zu erfüllen.

Wir haben rund 100 Herzenswünsche erfüllt
Tina Schönleber, Arbeiter-Samariterbund Mannheim

„Wir haben in den vergangenen fünf Jahren rund 100 Herzenswünsche erfüllt. In weiteren 50 Fällen war alles vorbereitet. Aber die Menschen sind in der Nacht zuvor verstorben.“

Tina Schönleber organisiert den Wünsche-Wagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der in Mannheim steht und für ganz Nordbaden zuständig ist.

Tina Schönleber, Leiterin des Wünsche-Wagens des Arbeiter-Samariterbundes Mannheim Foto: Tina Schönleber

Manche wollen nur noch einmal nach Hause

Sterbende noch einmal auf einen Ausflug mitzunehmen, sei es auf den heimischen Balkon oder ans Meer, ist nicht so einfach. „Wir organisieren alles, nicht nur das Finanzielle, sondern auch die Fahrt, Übernachtung und die medizinische Betreuung“, sagt Schönleber. Sie besorgt Eintrittskarten und transportiert, wenn nötig, auch liegend.

Sehnsuchtsorte: Der Wünsche-Wagen des Arbeiter-Samariterbundes bringt Menschen, die den Tod vor Augen haben, noch einmal an den Ort ihrer Wünsche. Das kann die Hochzeit des Enkels sein, die Zauberwelt von Walt Disney oder das heimische Wohnzimmer. Foto: Tina Schönleber

„Wir haben Menschen, die wollen kurz vor dem Tod noch zur Hochzeit der Enkelin. Einen Professor brachten wir ins Generallandesarchiv nach Karlsruhe. Sein letzter Wunsch war es, sich noch einmal mit dem Archivar auszutauschen. Einige wollen ein letztes Mal oder auch zum ersten Mal im Leben ans Meer.“

Mit insgesamt 72 ausgebildeten Helfern organisiert Schönleber die Ausflüge, immer gut vorbereitet und niemals als Überraschung. Die Vorfreude auf die Fahrt, so erklärt sie, ist vielleicht der wichtigste und schönste Teil der Wunscherfüllung.

Die Vorfreude ist oft der schönste Teil
Tina Schönleber, fährt den Wünsche-Wagen

Manche ihrer Gäste fangen kurz vor dem großen Tag noch einmal an zu essen, trinken, blühen auf, um vielleicht die letzten drei Meter ans Meer selbst gehen zu können. „Das hat aber nichts mit Genesung oder Besserung zu tun. Das ist ein letztes Aufbäumen. Und es ist wichtig, dass auch die Angehörigen das so verstehen.“

Auf der Heimfahrt wechseln sich Bedrückung und Hochgefühl ab

Schwierig ist es, den richtigen Zeitpunkt zu finden, sagt die Samariterin. Um sich mit einem letzten Wunsch auseinanderzusetzen, müssen die Betroffenen ihren nahen Tod akzeptiert haben. „Und dann ist es manchmal schon sehr, sehr spät.“

Bei vielen hält die Euphorie nach der Erfüllung des Wunsches noch tagelang an. „Wir halten den Ausflug in Fotos fest und geben dann auch ein Fotobuch mit. „Bei einigen ist schon die Heimfahrt sehr bedrückend, andere schwelgen im Glücksgefühl und schauen sich ihr Fotobuch immer und immer wieder an.“

Am Ende kommt dann doch der Einbruch und dann der Tod. Aber das wussten alle ja schon vorher. Und ihm ein letztes Schnippchen zu schlagen, kann sich lohnen.

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