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INSM-Bildungsmonitor

Primus oder letzte Bank? Südwesten ist in Studie Mittelmaß

Eine Studie stellt Baden-Württemberg auch weiterhin keine wirklich guten Noten bei der Bildung aus. Der Südwesten belegt zwar einen besseren Platz als letztes Jahr. Das Land verharrt im Vergleich aber im trostlosen Mittelfeld. Der Zehn-Jahres-Rückblick fällt düster aus.

ARCHIV - SYMBOLBILD - Eine Schülerin schreibt am 19.10.2012 in einer Schule in Hamburg das ABC an die Tafel. Derzeit besuchen fast 78 000 Kinder und Jugendliche spezielle Sprachförderkurse an Schulen. Wie viele davon aus Flüchtlingsfamilien stammen, kann die Landesregierung derzeit nicht beziffern. Foto: Daniel Reinhardt/dpa (zu lni «Fast 78 000 Flüchtlingskinder besuchen Fördermaßnahmen an Schulen» vom 15.04.2015) +++ dpa-Bildfunk +++
Die Studie bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert. (Symbolfoto) Foto: Daniel Reinhardt picture alliance / dpa

In Sachen Bildung verharrt Baden-Württemberg einer Studie zufolge im Mittelmaß. Nach dem sogenannten INSM-Bildungsmonitor, einer Auswertung im Auftrag der wirtschaftsnahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, klettert der Südwesten zwar im Vergleich zum Vorjahr leicht um einen Platz auf Rang 5. Doch in den vergangenen zehn Jahren hat der einstige Primus am deutlichsten von allen Bundesländern verloren, bilanzierte die INSM am Mittwoch in ihrem Vergleich der Bildungssysteme der Bundesländer. Dabei werden verschiedene Kriterien „aus einer explizit ökonomischen Perspektive“ bewertet, wie es hieß.

Schulqualität, Integration und Bildungsarmut verschlechtern sich

Es war die 20. Auflage der Studie. Die INSM kommt anlässlich der Vorstellung zu dem Schluss, dass sich das Bildungsniveau in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren dramatisch verschlechtert habe. Vor allem in den Bereichen Schulqualität, Integration und Bildungsarmut gebe es negative Entwicklungen.

„Die Kitas und Schulen haben noch keine gute Antwort darauf gefunden, dass die Schülerschaft in den vergangenen Jahren deutlich heterogener wurde, ein steigender Anteil zu Hause nicht Deutsch spricht oder nur wenige Bücher im Haushalt besitzt“, kritisiert Studienautor Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). Folge sei, dass die Ergebnisse von Kindern aus Haushalten mit Migrationshintergrund oder von bildungsfernen Haushalten besonders stark gesunken seien. INSM-Geschäftsführer Thorsten Alsleben forderte eine „Vorschulpflicht für alle, die nicht oder schlecht Deutsch sprechen“. Diese Debatte wurde in den vergangenen Jahren bereits öfter geführt.

Die Vergleichsstudie bewertet anhand von insgesamt 98 Indikatoren in 13 Handlungsfeldern, inwieweit ein Bundesland Bildungsarmut reduziert, zur Fachkräftesicherung beiträgt und Wachstum fördert.

Sachsen, Bayern und Thüringen weiter an der Spitze

„Baden-Württemberg hat die großen Rückschritte sicher schon in den vergangenen Jahren erlebt“, kommentierte der IW-Studienautor Axel Plünnecke den Absturz im Zehn-Jahres-Vergleich. „Aber ich würde jetzt eine Verbesserung um einen Platz im aktuellen Ranking auch nicht überbewerten. Da war das Saarland mit seinem neuen sechsten Platz halt etwas schlechter.“ Im aktuellen Ländervergleich 2023 schneiden erneut Sachsen, Bayern und Thüringen am besten ab. Schlusslichter sind Brandenburg, Berlin und Bremen.

Deutschlandvergleich: Hochschulen und Kitas bilden Spitzenplätze

Laut Studie weist Baden-Württemberg – gemessen an den Patentanmeldungen – Stärken bei der Digitalisierung auf. Die sogenannten Betreuungsrelationen seien an Hochschulen und auch in Kitas sehr gut. Im vergangenen Jahr kamen in Baden-Württemberg 4,6 Kindergartenkinder auf eine Betreuerin oder einen Betreuer, das ist der beste Wert aller Bundesländer. Das Verhältnis an den Hochschulen liege bei 1 zu 9,4, auch das ist ein Spitzenplatz.

Außerdem seien die Klassengrößen an den Grundschulen mit durchschnittlich 19,7 Schülerinnen und Schüler relativ klein. Weitere Stärken des Landes seien die hohe Zahl an Hochschulabsolventen in den sogenannten MINT-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – und Erfolge bei der beruflichen Bildung.

Dagegen ist der Anteil der internationalen Studierenden gering. Außerdem besuchen nur wenige Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren eine Kita-Ganztageseinrichtung. Der Anteil sei im Jahr 2022 in Baden-Württemberg mit 24,1 Prozent der niedrigste Wert in ganz Deutschland gewesen – bei einem Bundesdurchschnitt von 47 Prozent.

FDP spricht von „bildungspolitischer Katastrophe“

Kultusministerin Theresa Schopper sieht sich trotz des Zehn-Jahres-Vergleichs bestätigt: „Der diesjährige Bildungsmonitor bestärkt uns in unserem eingeschlagenen Weg“, sagt sie. In den kommenden Jahren müsse das Land aber „weiter Spur halten“.

Das sehen die Oppositionsparteien anders: Die FDP spricht angesichts des Abrutschens im Vergleich zu 2013 von einer „bildungspolitischen Katastrophe“ und einer „hausgemachten Bildungskrise“. Die Bundesländer mit einer verbindlichen Grundschulempfehlung führten erneut die Spitze im Bestandsranking an. Die SPD wirft der Regierung vor, sie habe das Bildungssystem „auf Verschleiß gefahren“. Aus Sicht der AfD muss vor allem die frühkindliche Bildung überarbeitet werden. „Ohne Deutschkenntnisse kann keine Schule erfolgreich besucht werden“, kritisierte die Partei.

Bildungsmonitor existieret seit 2004

Der vom Institut der deutschen Wirtschaft erstellte Bildungsmonitor wird seit 2004 jährlich erhoben. Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft beschreibt sich selbst als überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Sie wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall-und Elektro-Industrie finanziert. Hauptfragestellung im Bildungsmonitor ist es, in welchem Umfang ein Bildungssystem gute Voraussetzungen zur Förderung des wirtschaftlichen Wachstums und der Bildungsgerechtigkeit schafft.

Untersucht wird dabei etwa, inwieweit das jeweilige Bildungssystem zur Fachkräftesicherung beiträgt oder Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen schafft. Dabei wird beispielsweise das Verhältnis der Bildungsausgaben pro Schüler zu den Gesamtausgaben öffentlicher Haushalte pro Einwohner untersucht, verglichen werden zudem die Investitionen in Schulen und Hochschulen, der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen oder die Klassengrößen. Zudem fließen Ergebnisse aus Bildungsstudien ein, etwa zur Lesekompetenz von Grundschülern.

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