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24-jährige Pflichtverteidigerin

Recht statt Rache bei den Rastatter Prozessen: Junge Anwältin verteidigt deutsche Kriegsverbrecher

Helga Stödter ist erst 24 Jahre alt. Bei den Rastatter Kriegsverbrecher-Prozessen arbeitet sie als Pflichtverteidigerin. Die junge Anwältin kämpft in dieser Zeit unentwegt um das Leben ihrer Mandanten. Nicht nur einmal gelingt es ihr, eine Todesstrafe abzuwenden.

Prägende Zeit: Die 24-jährige Helga Stödter arbeitet am Tribunal Général als Pflichtstrafverteidigerin. Sie ist damals noch Referendarin und verteidigt deutsche Kriegsverbrecher vor dem französischen Generaltribunal. Foto: Kreisarchiv Rastatt

Es geht um Leben und Tod. Ein Mann schluchzt leise im Ahnensaal des Rastatter Residenzschlosses. Seinem Nachbarn stehen Tränen in den Augen. Es sind Paul Marek und Paul Olesch. Beide sitzen auf der Anklagebank des Tribunal Général. Sie sind mit anderen wegen Kriegsverbrechen in Konzentrationslagern im Südwesten angeklagt. Das Plädoyer spricht Helga Stödter, geborene Kloninger. Die Anwältin ist eine Frau, noch Referendarin und erst 24 Jahre alt – 1946 eine Sensation.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wird Deutschland von den Alliierten in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Teile Badens, Württembergs und Rheinland-Pfalz stehen unter französischer Besatzung. Baden-Baden wurde von Luftangriffen verschont. Der Grund: Die Franzosen wollen dort ihr Hauptquartier aufschlagen.

Im April 1945 lassen sich französische Offiziere in den Hotels nieder. In Rastatt wird das Tribunal Général eingerichtet. Das Gericht macht deutschen Naziverbrechern den Prozess. „Es tagt ab 1946 im Ahnensaal des Rastatter Schlosses und arbeitete bis 1954“, erzählt Martin Walter, Kreisarchivar des Landkreises Rastatt. Helga Stödter ist als Pflichtstrafverteidigerin mittendrin.

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