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Kabs warnt vor „Stichbelästigungen“

Rheinhochwasser könnte zu Schnakenplage führen

Die Schnakenbekämpfer des Kabs-Vereins warnen vor „Stichbelästigungen“ im Rhein-Vorland. Denn nach dem starken Rhein-Hochwasser befinden sie sich in einem Wettlauf gegen die rasante Entwicklung der Schnaken-Larven.

Menschliche Blutspender gesucht: Die Stechmücken werden in den nächsten Tagen verstärkt die Bewohner des Rheinvorlands heimsuchen. Die Schnakenbekämpfer der Kabs gerieten durch das starke Hochwasser an ihre Grenzen. Foto: Patrick Pleul / dpa

Nach dem starken Hochwasser droht am Rhein nun der Ansturm der sirrenden Plagegeister. Denn die Schnakenbekämpfer können in viele überflutete Gebiete nicht vordringen – die Larven der Stechmücken können sich deshalb ungestört entwickeln. „Man wird es definitiv merken“, sagt Xenia Augsten, Sprecherin der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs). „An diesem Wochenende werden wir die Folgen des Hochwassers vom 10. Juli spüren, nächste Woche das vom 14. Juli.“

Spüren heißt in diesem Fall: Die Blutsauger werden vermehrt um die Menschen herumschwirren und ihre nervtötenden Surrgeräusche machen. Juckende Pusteln an den Einstichstellen werden Kratzorgien auslösen. Wer eine Grillparty im Garten plant, ist voraussichtlich gut beraten, wenn er neben den Würstchen auch das Schnakenabwehr-Spray in den Einkaufskorb packt.

Hunderte Mückenlarven pro Liter

Mehrere Hundert Larven pro Liter Wasser schwimmen teilweise auf den Überflutungsflächen, sagt Augsten: „Bei normalem Hochwasser sind es etwa 50 bis 100 Larven pro Liter, in trockenen Jahren teilweise nur fünf bis zehn.“ Denn starkes Hochwasser erweckt auch ältere Schnaken-Eier zum Leben. „Die Eier werden im feuchten Erdboden abgelegt“, erklärt die Kabs-Expertin. „Sie sind sehr trocken- und kälteresistent und können mehrere Jahre im Boden überdauern.“

Direkte Hochwasserfluten, aber auch viele Druckwassertümpel bringen den Lebenszyklus dann wieder in Gang. Die Larven der Auwald-Schnaken schlüpfen allerdings in der Regel erst, wenn die äußeren Bedingungen günstig sind und beispielsweise das Hochwasser sie nicht mehr wegreißen kann.

Hubschrauber ist nicht überall effektiv

Laien könnten sich nun fragen: Warum fliegt die KABS nicht einfach mit ihren Hubschraubern übers Hochwassergebiet und wirft großflächig das Eiweiß-Granulat namens BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) ab, das die Schnakenlarven abtötet? Die Antwortet lautet: Weil immer nur ein Teil der Schnaken-Brutstätten von der Luft aus unschädlich gemacht wird. „Wenn das Wasser unter Büschen liegt, macht das wenig Sinn“, sagt Augsten. „Die Hubschrauber setzen wir über offenen Flächen ein.“

Oft gebe es außerdem sehr schmale Wassergräben von vielleicht 50 Zentimetern. Die könne man nur zu Fuß gezielt mit BTI bestücken. Die Boden-Teams der Kabs verwenden Wurfgranulat oder versprühen wassergelöstes BTI. Mehrere Hundert Saisonkräfte sind aktuell in der Rheinregion unterwegs, um den Wettlauf mit den Schnakenlarven zumindest teilweise zu gewinnen.

Als Larven zappelt der Schnaken-Nachwuchs etwa sechs bis acht Tage lang. „Bei den aktuellen hohen Temperaturen verpuppen sich die Larven schneller, als wenn wir fünf bis zehn Grad weniger hätten“, sagt Augsten. Zwei bis drei Tage lang dauert dann das Puppenstadium, ehe die Stechmücken schlüpfen.

Stichbelästigungen werden nicht zu vermeiden sein.
Xenia Augsten, Sprecherin der Kabs

Problematisch ist für die Kabs diese Saison, dass es innerhalb weniger Juli-Tage zu zwei Hochwasserwellen kam – und dass der Rhein zuletzt einen so hohen Pegel erreichte, wie es sonst in mehr als zehn Jahren nur einmal vorkommt. „Wir können vorerst nicht in die Gebiete hinter dem Hauptdamm vordringen“, sagt Augsten. Daher sei es nicht möglich, überall die Larven noch vor der Verpuppung zu erwischen. Nur im Larvenstadium wirkt das BTI-Eiweiß.

Das starke Hochwasser habe die Schnakenbekämpfer an ihre Leistungsgrenze gebracht, erklärt Augsten. „Darüber hinaus mussten Helikoptereinsätze in der letzten Woche zum Teil aufgrund des starken Regens und heftiger Windböen abgebrochen werden.“ Selbst wenn das Hochwasser abgeflossen ist, haben die Schnakenbekämpfer möglicherweise noch mit Widrigkeiten zu kämpfen: Schlamm-Massen könnten ihre Arbeit in den Auwäldern bremsen. Deshalb müssten sich die Menschen in den Dörfern und Städten am Rhein auf eines einstellen, sagt die Kabs-Sprecherin: „Stichbelästigungen werden nicht zu vermeiden sein.“

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