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Strafkammer verhandelt den Fall

Russisch-orthodoxer Priester in Baden-Baden soll 16-Jährige missbraucht haben

Die Staatsanwaltschaft Baden-Baden wirft dem 48 Jahre alten Mann vor, seine Vertrauensstellung ausgenutzt und eine Minderjährige in zehn Fällen missbraucht zu haben. Der Angeklagte ist bislang nicht geständig.

Ein weiterer mutmaßlicher Missbrauchs-Skandal erschüttert die Region. Foto: Arne Dedert/dpa/Archiv

Ein weiterer mutmaßlicher Missbrauchs-Skandal erschüttert die Region. Die 2. Große Strafkammer des Landgerichts Baden-Baden wird am 21. Oktober die Verhandlung gegen einen früheren Priester der Russisch-Orthodoxen Kirche in Baden-Baden eröffnen. Die Staatsanwaltschaft hatte im August 2019 Anklage gegen den 48 Jahre alten Mann erhoben. Die Ermittlungsbehörde wirft dem Angeklagten sexuelle Übergriffe gegenüber einem damals 16 Jahre alten Mädchen in zehn Fällen vor. Der Priester soll zwischen März und und Mai 2017 in einem dieser Fälle Gewalt angewendet und in einem Fall Geschlechtsverkehr mit der Minderjährigen gehabt haben.

Das Opfer litt unter psychischen Problemen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat das Mädchen unter psychischen Problemen gelitten, sodass dessen Eltern den Priester der Russisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Patriarchat Moskau, so der vollständige Name, um Hilfe angesprochen hatten. Der Mann als Vertrauensperson der Familie habe die Notlage der Jugendlichen ausgenutzt.

Unter dem Vorwand, es handele sich um „Medizin“ habe der Angeklagte gegen den Willen des Opfers über zwei Monate hinweg sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen und von dem Mädchen an sich vornehmen lassen. Der mutmaßliche Täter hat nach Auskunft der Staatsanwaltschaft bislang nicht gestanden. Die Ermittlungen gegen ihn kamen in Gang, weil die 16-Jährige sich an die Polizei gewandt hatte.

Der mutmaßliche Täter ist inzwischen suspendiert

Der Angeklagte sei erst zwei Jahre vor den mutmaßlichen Missbrauchsfällen als Priester zur Russisch-Orthodoxen Gemeinde Baden-Baden gekommen, sagt deren Vorsitzender auf Nachfrage unserer Redaktion. Er sei inzwischen vom Dienst suspendiert. „Wir sind alle sehr schockiert. Uns war davon nichts bekannt“, sagt der Vorsitzende weiter. Die Gemeinde habe 40 bis 50 Mitglieder.

Sie feiert ihre Gottesdienste in der Russisch-Orthodoxen Kirche in der Lichtentaler Straße bei der Einfahrt in den Michaelstunnel. Mit ihren goldenen Kuppeln gilt sie als Wahrzeichen für Bauwerke im byzantinischen Stil. Wladimir Potemkin und Bernhard Belzer haben das Gotteshaus 1880 – 1882 erbaut, das im Inneren nach Entwürfen des „Malerfürsten“ Grigor Grigorijewitsch reich mit Fresken geschmückt ist.

Auch in anderen mittelbadischen Kirchengemeinden gibt es Missbrauchsfälle

Der mutmaßliche Missbrauch durch einen russisch-orthodoxen Priester ist ein weiterer Fall innerhalb verschiedener Kirchengemeinden in Mittelbaden. Ein katholischer Pfarrer in Bühl seht in Verdacht, sexuelle Übergriffe gegenüber Schutzbefohlenen begangen zu haben. Ein evangelischer Priester in Baden-Baden erhielt vor einigen Jahren einen Strafbefehl, weil er ein sexuelles Verhältnis mit einer Minderjährigen hatte.

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