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Starkregen und Hagel

Schweres Unwetter zieht über Baden-Württemberg und verursacht große Schäden

Heftige Gewitter, Starkregen und Sturmböen: Ein schweres Unwetter hat große Teile von Baden-Württemberg am Montagabend heimgesucht. Auch den Enzkreis und den Kreis Calw traf es. Es gab zahlreiche Einsätze.

Ein Auto steht in der überfluteten Autounterführung am Österreichischen Platz in Stuttgart. Foto: Marijan Murat/dpa

Alleine in Stuttgart habe die Feuerwehr eigenen Angaben zufolge vom Montagabend bis in die frühen Morgenstunden am Dienstag 330 Einsätze gezählt. Auch nach Angaben der Polizei habe in Stuttgart der anhaltende Starkregen und Wind dazu geführt, dass diverse Tunnel in kürzester Zeit mit Wasser vollliefen.

Erdrutsche im Kreis Calw

Im Kreis Calw waren Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei am Montagabend schwer beschäftigt. Ein Sprecher der Polizei Pforzheim bestätigte am frühen Dienstagmorgen überflutete Straßen, überlaufende Gullys und Erdrutsche in der Gemeinde Altensteig.

Am Fluss Nagold wurde eine Mauer über einige Meter weggerissen. Der Pegel der Nagold war mit 2,50 Meter teilweise kritisch, seit den Morgenstunden aber wieder fallend, so der Polizeisprecher. In Altensteig wurden Keller überflutet. Bei Unterreichenbach lag auf der B463 ein Baum.

Braune Wassermassen rauschen über eine Treppe nach unten. Foto: Aaron Klewer/Einsatz-Report24/dpa

Der Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Calw, Udo Zink, sprach von ziemlich heftigen Überschwemmungen. Der Süden und Osten des Kreises seien besonders betroffen. Bäume würden auf Straßen und Gleisen liegen, Keller seien vollgelaufen. Die Leitstelle sei personell verstärkt worden. Er sprach von 150 Einsätzen in zwei Stunden. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. Wie heftig die Schäden und Ausmaße des Unwetters sind, war zunächst unklar.

Während Pforzheim und der Großraum Karlsruhe weitestgehend verschont blieben, hat es den Enzkreis heftiger getroffen. Im Bereich Tiefenbronn sorgten Geröll und Wassermassen für blockierte Straßen. Die Feuerwehr Neuhausen mussten an einem Abfluss das Gitter entfernen, damit die Wassermasse abfließen konnte.

Aquaplaning auf der A8

Die A8 bei Heimsheim hat es ebenfalls erwischt. Dort ereigneten sich zwei Unfälle durch Aquaplaning. Verletzte gab es keine, lediglich Sachschaden. Insgesamt verzeichnete das Polizeipräsidium Pforzheim zwischen 17.25 Uhr und 23.20 Uhr 13 Einsätze.

Im Kreis Freudenstadt wütete das Unwetter auch. Dort wurde der Parkplatz am Hotel Sonnenblick in Besenfeld überflutet. Der Fluss Eyach in Horb-Mühringen trat über die Ufer und erreichte einen Wasserstand von 3,43 Meter. Auch den Raum Baiersbronn traf es, ebenso den Kreis Rottweil. Dort wurde in Bösingen die Ortsdurchfahrt überflutet. Aufnahmen im Netz zeigen, wie Autos in den Eis- und Wassermassen versinken. Ein Sprecher der Polizei berichtete von 40 Einsätzen allein in der Gemeinde.

Staatsoper Stuttgart beschädigt

An der Staatsoper Stuttgart seien Teile der Dachverkleidung abgedeckt worden. Zudem seien Statuen von ihrem Sockel gefallen. „Ich stehe unter dem Dach und werde ganz schön nass“, sagte der Intendant Viktor Schoner der dpa am Montagabend. Die Seitenbühne habe unter Wasser gestanden - teils sei der Regen über die Lampen ins Gebäude geflossen. 250 Gäste seien zur Zeit des Unwetters bei einem Liederabend in der Oper gewesen, niemand sei verletzt worden.

Ein umgestürzter Baum liegt im oberen Schlossgraten vor dem Opernhaus in Stuttgart. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Die Deutsche Bahn meldete auf Twitter, dass ein Baum zwischen Stuttgart und Ulm auf dem Gleis liege. Fernverkehrszüge würden zurückgehalten und nach Möglichkeit umgeleitet, es komme zu Haltausfällen. Auch die Gäubahn sei vom Unwetter betroffen. Zwischen Horb und Rottweil sei die Strecke unterbrochen.

Ebenfalls stark getroffen hat es erneut Reutlingen. Das Unwetter sorgte dort für teils schwere Überflutungen. Die Reutlinger Feuerwehr meldete am Abend im Auftrag des baden-württembergischen Innenministeriums, dass alle Notrufleitungen im Kreis Reutlingen überlastet seien.

Auch über Rheinland-Pfalz und Teile Hessens zogen teils heftige Unwetter hinweg. In der Vorderpfalz habe es 265 Einsätze aufgrund des Starkregenereignisses binnen kurzer Zeit gegeben, teilte die Feuerwehr am frühen Dienstagmorgen mit. Allein im Stadtgebiet Ludwigshafen waren es demnach 84 Einsätze, die Wasser aus Keller und Wohnungen gepumpt oder umgestürzte Bäume beseitigt haben.

Auch in Bayern wütete das Unwetter am späten Abend bis tief in die Nacht. Innerhalb kürzester Zeit waren 101 Feuerwehr- und 25 Rettungsdiensteinsätze im Einsatz, wie die Stadt Würzburg mitteilte. Die Kräfte beseitigten demnach umgestürzten Bäumen, sicherten herumfliegenden Teile, pumpten vollgelaufene Keller aus und sicherten überflutete Fahrbahnen ab.

Kein Ende in Sicht

Eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklärte am Dienstagmorgen, dass noch kein Ende des Unwetters in Sicht sei. Zwar sei das aktuelle Unwetter, das sich über Baden-Württemberg und Bayern formiert habe, nun teilweise nach Tschechien gezogen, doch die Wetterlage bleibe komplex. Immer wieder komme es zu neuen Unwetterlagen. Vor allem der Starkregen und die Sturmböen seien weiterhin ein Problem.

Auf zwei Autobahnen in Rheinland-Pfalz kam es bei heftigen Regenfällen zu Unfällen mit Verletzten. Auf der A3 und der A48 gab es am späten Nachmittag im Bereich der Autobahnpolizei Montabaur insgesamt sieben Unfälle, wie die Polizei mitteilte. Dabei wurde ein Mensch schwer verletzt, drei weitere erlitten leichte Verletzungen. Insgesamt seien zwölf Fahrzeuge in die Unfälle verwickelt gewesen.

Auch über Teile Hessens zogen am Abend Unwetter mit Blitz und Donner und viel Regen hinweg. Betroffen war zunächst insbesondere Südhessen. Bei Lützelbach im Odenwald wurde nach Angaben der Polizei wegen umgestürzter Bäume eine Landesstraße gesperrt. In Michelstadt wurde ein Gullydeckel hochgespült, auf einer Kreisstraße landete Geröll auf der Fahrbahn. In Dieburg schlug ein Blitz in ein Dach ein.

Auch in der nordrhein-westfälischen Stadt Bocholt mussten der Feuerwehr zufolge zahlreiche Keller ausgepumpt und Bäume beseitigt werden. Insgesamt habe es bis Mitternacht 119 Einsatzstellen in der Stadt gegeben.

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