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Neue Testmöglichkeit ab März

Spucken für die Sicherheit: Was bringen Corona-Selbsttests?

Sie sollen einfach zu handhaben sein, ziemlich treffsicher und günstig genug, um ganze Familien zu versorgen: Die neuen Corona-Selbsttests für Laien werden in den kommenden Tagen auf dem Markt erwartet. Was bringen sie?

Schnelle Prüfung ohne fremde Hilfe: Corona-Heimtests für Laien sind in Österreich schon weit verbreitet. Ab März sollen solche Tests auch in Deutschland in Apotheken und dem Einzelhandel verkauft werden. Foto: Sebastian Kahnert picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Bilder der tief in den Nasen steckenden Wattestäbchen stehen symbolisch für die vergangenen Monate. In Deutschland wird millionenfach auf Sars-CoV-2 getestet, allerdings werden solche Abstriche bislang meist vom geschulten Personal vorgenommen – etwa in Apotheken, Arztpraxen oder in speziellen Testzentren.

So werden Corona-Schnelltests durchgeführt. Foto: BNN-Grafik, Quelle: DPA

Nach einer Gesetzesänderung sollen in Kürze jedoch zusätzlich einfache Corona-Schnelltests für die Heimanwendung auf den Markt kommen.

Rund 30 Anträge auf Sonderzulassungen sind in Arbeit.

Worum handelt es sich genau? Wie zuverlässig sind diese Verfahren? Für wen sind sie geeignet? Unser Redaktionsmitglied Alexei Makartsev beantwortet die wichtigsten Fragen.

Worum geht es bei den neuen Corona-Selbsttests für zu Hause?

Das sind Antigen-Produkte, mit denen sich jeder etwa binnen einer Viertelstunde testen kann. Die Methode entspricht den bereits weit verbreiteten Corona-Schnelltests mithilfe eines Rachen- oder Nasenabstrichs: Anhand bestimmter Virusproteine wird über einen Teststreifen, wie bei einem Schwangerschaftstest, eine Infektion nachgewiesen oder ausgeschlossen. Der Unterschied bei den Laientests besteht in der deutlich einfacheren Handhabung.

Was genau ist einfacher bei den Heimtests?

Ein korrekter, tiefer Nasenabstrich ist für Ungeübte eine schwierige und unangenehme Aufgabe, weswegen das oft Fachkräfte übernehmen. Bei den neuen Antigen-Schnelltests reicht es dagegen, wenn man selbst eine Speichelprobe durch Spucken sammelt und sie untersucht. Alternativ soll ein Abstrich in der Nase entnommen werden, aber viel weiter vorne als bei gewöhnlichen Tests. Bei der dritten Testmöglichkeit für daheim geht es um eine spezielle Flüssigkeit, die gegurgelt wird, um Partikel aus dem Rachen zu lösen. Danach kommt die Flüssigkeit in ein Proberöhrchen. Eher unpraktisch ist, dass derlei Proben bislang noch in ein Labor geschickt werden müssen.

Gibt es noch andere Tests zum Selbermachen?

Ja. Sogenannte Antikörper-Tests durch eine Blutprobe weisen vor allem eine vergangene Corona-Infektion nach, wenn der Körper bereits Antikörper gegen den Erreger gebildet hat. Antikörper-Tests sagen nichts darüber aus, ob die Betroffenen noch infektiös sind, wie lange die Infektion zurück liegt oder ob ein ausreichender Immunschutz gegen eine erneute Infektion vorhanden ist. Es gibt Antikörper-Tests in Form von Labor- oder Schnelltests.

Warum sind Selbsttests jetzt erlaubt?

Die Politik verfolgt das Ziel, den Pandemieverlauf besser zu überwachen und zu kontrollieren, um baldmöglichst den Lockdown beenden zu können. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie sind die Corona-Schnelltests. Bis Anfang Februar war ihre Abgabe nur an bestimmte Personengruppen und Einrichtungen wie Arztpraxen, Pflegeheime und Schulen erlaubt, nicht aber an Privatpersonen. Mithilfe von Antigen-Tests zur Eigenanwendung durch Laien möchte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) jetzt diese Strategie optimieren. Sein Ministerium hat im Februar mit einer Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung den Weg dafür freigemacht.

Können Laien überhaupt so zuverlässig testen wie geschulte Fachleute?

Das ist die große Frage. Es hängt sicher viel von der individuellen Sorgfalt ab. Aber grundsätzlich halten Experten dies für möglich. Die Berliner Charité und die Uniklinik Heidelberg haben dies im vergangenen Herbst an rund 150 Corona-Verdachtspatienten getestet. Diese mussten sich im vorderen Nasenbereich einen Abstrich machen. Das Ergebnis: Beim Selbsttest wurden 33 von 40 Infizierten erkannt, beim Einsatz von Fachpersonal waren es 34.

Aber weisen die Tests an sich zuverlässig Sars-CoV-2 nach?

Das ist unklar, denn bislang sind die meisten solcher Produkte nicht zertifiziert. Dem zuständigen Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) liegen derzeit knapp 30 Anträge für Sonderzulassungen vor, drei Erlaubnisse wurden erteilt. Dabei handelt es sich um Nasen-Abstrich-Tests. Auf BNN-Anfrage wollte das Institut keine Details über andere aussichtsreiche Produkte verraten. Grundsätzlich muss im Prüfverfahren nachgewiesen werden, dass die Selbsttests einfach angewendet werden können und so aussagekräftig sind, dass die Gefahr falscher Ergebnisse gering bleibt. Manche Experten erwarten bei den Heimtests eine Sensitivität zwischen 70 und 85 Prozent. Das ist deutlich weniger als bei den zu 99 Prozent zuverlässigen PCR-Laboranalysen, aber hoch genug, um Patienten mit einer hohen Viruslast erkennen zu können.

Kann man also nach einem negativen Heimtest sicher sein, dass man nicht infiziert ist?

Nein, eben nicht. Denn es könnten Infizierte mit geringer Virenlast möglicherweise nicht entdeckt werden. Außerdem können die Tests immer nur eine Momentaufnahme sein – am nächsten Tag kann die Viruslast bereits gestiegen und nachweisbar sein. Manche Fachleute mahnen deshalb, dass die Heimtests allenfalls als zusätzliche Unterstützung der Corona-Verhaltensregeln behandelt werden sollen, aber nicht als Möglichkeit zum Freitesten, um etwa Corona-Lockerungen in Anspruch nehmen zu können.

Was werden die Corona-Tests für zu Hause voraussichtlich kosten?

Das BfArM prüft unterschiedliche Testmethoden von Herstellern aus Deutschland und dem Ausland. Nächste Woche sollen weitere Zulassungen erteilt werden. Solange nicht feststeht, welche Produkte zugelassen werden, kann über deren Preis nur spekuliert werden. Die von den BNN befragten Apotheker in der Region gehen jedoch von einem wahrscheinlichen Preis zwischen 10 und 20 Euro pro Test-Set aus.

Wo wird man die Schnell-Selbsttests kaufen können?

In seiner „Auslegungshilfe“ zur Änderung der Abgabeverordnung schreibt das Bundesgesundheitsministerium: „Die Selbsttests können in der Apotheke, aber auch über andere Vertriebswege erworben werden.“ Das bedeutet, dass man die Tests bald online bestellen, aber auch in einer Drogerie oder im Supermarkt kaufen kann. Das sehen allerdings viele Fachleute kritisch. Sie glauben, dass viele Verbraucher die Tests nicht korrekt anwenden, wenn sie vorher keine Fachberatung erhalten. Dadurch könnten sie sich bei falsch negativen Ergebnissen in trügerischer Sicherheit wiegen und schlimmstenfalls andere Menschen anstecken.

Besteht die Gefahr von billigen Produktfälschungen?

Ja, wie in vielen anderen Konsumbereichen. Experten raten deshalb, beim späteren Kauf von regulär zugelassenen Selbsttests unbedingt auf Qualitätsmerkmale wie die CE-Kennzeichnung zu achten. Sie steht für die Einhaltung europäischer Schutz- und Qualitätsstandards. Eine vierstellige Nummer hinter dem CE-Zeichen zeigt zudem das überwachende Prüfinstitut an. Bei Dekra ist dies beispielsweise CE 0158.

Gibt es schon Erfahrungen mit Corona-Selbsttests im Ausland?

Ja, zum Beispiel in Österreich, etwa mit Gurgel- und Spucktests. Ein unkomplizierter Antigen-Test mit einem Nasenabstrich wird dort bereits in Schulen eingesetzt. Die Schulen sollen in den nächsten Wochen mit insgesamt 20 Millionen Testeinheiten ausgestattet werden. Von März an soll es für jeden der knapp neun Millionen Einwohner kostenlose Selbsttests in der Apotheke geben, jeweils bis zu fünf Stück im Monat. Die Kosten dafür will das Land Österreich übernehmen.

Und wie bewerten Wissenschaftler in Österreich solche Tests?

In einer Pilotstudie im vergangenen Frühjahr mit mehr als 5.000 Schülern und Lehrern in Wien hatte das Gurgeln nach Angaben des Mikrobiologen und Studienleiters Michael Wagner von der Universität Wien vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert.

Wo könnten sie Selbsttests in Deutschland zum Einsatz kommen?

Überall im privaten Gebrauch. Wenn sie in ausreichender Zahl verfügbar sind, sollen sie aber auch als Teil der Teststrategie der Länder für Kitas und Schulen zum Einsatz kommen können, wie es in dem Entwurf des Gesundheitsministeriums für das Corona-Kabinett heißt. Zudem sei laut der Nationalen Teststrategie des Bundes „ein niedrigschwelliger Zugang“ für alle Bürger sinnvoll, wie jetzt auch Bundesgesundheitsminister Spahn bekräftigt hat.

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