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Alarmierende Studien

Stress, Zukunftssorgen und Ängste: Kinder in Pandemie stärker belastet

Gleich drei neue Studien schlagen Alarm: Die pandemiebedingten Einschränkungen verursachen großen Stress, Zukunftssorgen und Ängste bei jungen Menschen. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert deshalb mehr Unterstützung für Kinder.

Sorgen wegen wachsender psychischer Belastung: Nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen stellt die Corona-Pandemie junge Menschen vor eine große Herausforderung. Foto: Matthias Balk picture alliance/dpa

Während ein Ende der Pandemie wegen der raschen Ausbreitung der Mutanten noch nicht absehbar ist, wachsen in der Fachwelt die Sorgen über die Auswirkungen des Corona-Ausnahmezustands auf Kinder.

Gleich drei neue Studien zeigen, dass die psychische Belastung durch Lockdowns und Schulschließungen auf junge Menschen offensichtlich stärker ist als bislang angenommen wurde. Das Deutsche Kinderhilfswerk mahnt deswegen eine bessere Unterstützung von Jugendlichen an.

Die Trauma-Symptome von Kindern im Alter zwischen drei und zwölf Jahren sind Ende 2020 im Vergleich mit der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 um rund 60 Prozent gestiegen. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam der Uniklinik Innsbruck, das in einem Langzeitprojekt das psychische Wohlergehen von Kindern in Tirol untersucht. Dabei werden Familien befragt, um unter anderem die Angst-, Stress- und Trauma-Symptome sowie die Lebensqualität der Kinder zu analysieren.

Jedes sechste Kind mit klinisch relevanten Trauma-Symptomen

„Rund 15 Prozent der Kinder, im März 2020 waren es noch drei Prozent, zeigen Symptome, die auch klinisch relevant sind“, sagt die Gesundheitspsychologin Silvia Exenberger, die an der Studie mitarbeitet. Die Angst sei gestiegen, ebenso zeigten 45 Prozent mehr Mädchen und Jungen Aufmerksamkeitsprobleme. „Aus Sicht der Eltern haben sich die somatischen Beschwerden, also beispielsweise Bauchweh oder Schlafstörungen der Kinder, mehr als verdoppelt“, so Exenberger.

Diese Befunde decken sich mit Erkenntnissen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, die Auswirkungen des ersten Lockdowns untersuchen. Die sogenannte Motorik-Modul-Längsschnittstudie beider Forschungspartner zeigt, dass sich die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Frühjahr 2020 verschlechtert hat.

Gefahr für mentale Gesundheit

Die Wissenschaftler bewerten das mentale Wohlbefinden mit einem Punktesystem. Der Durchschnittswert bei jungen Menschen liegt normalerweise bei 50 Punkten. „Aktuell liegen die Werte zur mentalen Gesundheit bei 40 Punkten bei Jungen und 41 Punkten bei Mädchen“, erklärt die Sportwissenschaftlerin Kathrin Wunsch vom KIT. „Wir sehen deutlich, dass die Pandemie einen negativen Einfluss auf die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat.“

Das verdeutlichen auch zwei von den Universitäten Hildesheim und Frankfurt im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführten Jugendbefragungen „Jugend und Corona“.

Die in dieser Woche veröffentlichte Studie zeigt, dass jungen Menschen extremen Belastungen ausgesetzt sind. Nach Bertelsmann-Angaben fühlen sich 61 Prozent von ihnen teilweise oder dauerhaft einsam. 64 Prozent seien psychisch belastet, 69 Prozent würden von Zukunftsängsten geplagt werden. Zudem gibt ein Drittel der Jugendlichen an, finanzielle Sorgen zu haben; vor Corona lag ihr Anteil noch bei etwa einem Viertel.

Mehr Angebote für Jugendliche notwendig

„Wenn ein Austausch im Freundeskreis nur eingeschränkt möglich ist, gleichzeitig Schulen geschlossen sind und die Angebote der offenen Kinder- und Jugendarbeit wegfallen, ist das für viele Jugendliche sehr belastend“, kommentiert Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes.

Er warnt davor, insbesondere Jugendliche mit einer unsicheren Zukunftsperspektive zu „verlieren“. Das Kinderhilfswerk fordert deswegen „außerschulische Angebote, die soziale Interaktion ermöglichen, Bewegungs- und Ernährungsangebote für Kinder und Jugendliche aufrechterhalten sowie eine Ansprechfunktion in schwierigen familiären Situationen“.

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