Skip to main content

Der Weg zur Herdenimmunität

Studie der Uni Konstanz: Zwang zur Corona-Impfung wäre kontraproduktiv

Es ist nicht sicher, dass die notwendige 80-Prozent-Schwelle zur Herdenimmunität in Deutschland erreicht wird. Eine neue Studie warnt aber davor, einen Corona-Impzwang einzuführen, sollte es nicht genug Freiwillige geben.

Die Corona-Impfung in Deutschland ist freiwillig - und sie sollte es laut einer neuen Studie der Uni Konstanz so bleiben. Die Forscher warnen, dass es sonst zu Trotzreaktionen und einem Vertrauensverlust der Bürger in die Politik kommen könnte. Foto: Matthias Bein picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Seit Jahresbeginn hat die Politik in der Pandemie neben den Inzidenzzahlen noch einen anderen Wert fest im Blick: 80 Prozent. Etwa so viele Menschen in Deutschland müssten sich gegen Covid-19 impfen lassen, damit die Herdenimmunität eintritt und auch alle Ungeimpften geschützt werden. Doch wie erreicht man diese wichtige Schwelle angesichts der Impfskepsis, der Rückschläge in der Impfkampagne und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Impfung nicht für alle eine Option ist? Jedenfalls nicht durch Druck und Zwang, zeigt jetzt eine neue Studie der Universität Konstanz.

In Deutschland gibt es bekanntlich keine Corona-Impfpflicht. Ob sich aber am Ende genügend Menschen freiwillig impfen lassen, treibt Politiker und Wissenschaftler seit einer Weile um. Nicht ohne Grund: In Israel, das als Musterbeispiel bei Impfungen gilt, stagniert das Impfniveau bei 63 Prozent.

Impfbereitschaft könnte bald abnehmen

Prognosen sagen, dass sich im Laufe des Sommers das Problem von der Impfstoffknappheit hin zur nachlassenden Impflust verlagern könnte. Ein Grund dafür ist, dass impfwillige Personen eher am Anfang der Kampagne erreicht werden, während die Menschen, die eine Impfung aufschieben, eine Herausforderung bleiben. Zudem nehme die Infektionswahrscheinlichkeit und damit der individuelle Nutzen der Impfung in Deutschland ab.

Die Konstanzer Verhaltensökonomin Katrin Schmelz und ihr US-Kollege Samuel Bowles stellten im Frühjahr und Herbst 2020 denselben rund 2.600 Personen jeweils zwei Fragen: Würden sie sich impfen lassen? Und würden sie das tun, wenn eine Impfpflicht ihnen die Entscheidung aus der Hand nähme?

Im Ergebnis stellten sie eine abnehmende Bereitschaft fest: Drei Viertel der Befragten äußerten einen Impfwunsch, der im Falle einer Pflicht bei 44 Prozent erhalten blieb. Im Herbst waren es dann nur noch 28 Prozent.

Vertrauen in den Staat ist entscheidend

Das Vertrauen in öffentliche Institutionen sei entscheidend, glaubt Schmelz. „Wer dem Staat misstraut, mag sich nicht zum Impfen zwingen lassen.“ Die Akzeptanz einer möglichen Impfpflicht – aber auch die freiwillige Impfbereitschaft – sei im Laufe der Krise gerade bei den Menschen zurückgegangen, die Vertrauen in die Politik verloren hätten.

Laut der Studie lohnt es sich deshalb weiter, auf die freiwillige Impfbereitschaft zu setzen. Ein Modell zeige, dass der Wunsch der Ungeimpften, den Corona-Schutz zu erhalten, mit dem Anteil der Geimpften steigen werde, zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Eine Impfpflicht könnte die Motivation dagegen verringern – aus Widerstand gegen Zwang und weil die freiwillige Impfentscheidung anderer ein positives Signal sei, das bei einer verpflichtenden Impfung verloren ginge.

Sollte die Impfkampagne in Deutschland ins Stocken geraten, sollten die Politik sich deswegen der möglichen hohen Kosten einer Impfpflicht bewusst sein, so Samuel Bowles: „Vermutlich würde die Entfremdung der Bevölkerung von den Regierenden zunehmen.“

nach oben Zurück zum Seitenanfang