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Mehr Instagram-User, weniger TV-Gucker

SWR stellt neues Programm vor: Bleibt das Fernsehen in Zukunft auf der Strecke?

Mit hohem Anspruch an die Qualität seiner Angebote versucht sich der SWR im Digitalen einen Namen zu machen. Fernsehen und Radio verlieren dabei zunehmend an Bedeutung.

Digital ist Trumpf: Der SWR produziert inzwischen vornehmlich für seine digitalen Kanäle wie Youtube oder die ARD Mediathek. Bei der Jahrespressekonferenz stellte Intendant Kai Gniffke das Angebot für 2021 vor. Foto: Sebastian Gollnow picture alliance/dpa

Der Abgesang ist unüberhörbar. Mit dem guten, alten Fernsehen geht es zu Ende. Nur: So richtig öffentlich mochte das bislang noch keiner zugeben. Und schon gar kein Vertreter einer öffentlich-rechtlichen Sendeinstitution wie dem Südwestrundfunk (SWR). Deshalb winden sich Intendant Kai Gniffke und seine Programmdirektorinnen und -direktoren bei der Vorstellung des Jahresprogramms für 2021 zu Beginn auch noch ein wenig.

Doch nach rund einer Stunde, in der die SWR-Verantwortlichen ihre neu entwickelten Sendungen und Formate vornehmlich für Youtube und andere digitale Kanäle vorgestellt haben, bringt es ein Journalist unausweichlich auf den Punkt: „Wird das alles eigentlich auch im Fernsehen zu sehen sein oder kommen da künftig nur noch ,Kein schöner Land’ und Tatort-Wiederholungen?“, will er von Programmdirektor Clemens Bratzler wissen.

Wie aus der Pistole geschossen antwortet der: „Wir werden die Chance nutzen, manches auch im Fernsehen zu zeigen.“

Instagram, Youtube und die Mediathek statt Radio und TV

Instagram, Youtube und die eigene digitale Mediathek, in der Inhalte wann immer und wo immer abgerufen werden können, – das sind die Kanäle, auf die man beim SWR für die Zukunft setzt.

Der Erfolg eines Formats hängt nicht mehr davon ab, dass es im linearen Programm läuft
Kai Gniffke, SWR-Intendant

Immer mehr Programme werden deshalb außerhalb des klassischen Fernsehens und des Hörfunks produziert. „Der Erfolg eines Formats hängt nicht mehr davon ab, dass es im linearen Programm läuft“, meint Intendant Gniffke.

Seit September 2019 steht der 59-jährige Journalist an der Spitze der zweitgrößten Rundfunkanstalt der ARD. Den Umbau des SWR zu einem modernen und innovativen Medienhaus hatte er sich als Ziel gesetzt. Doch die ersten 16 Monate seiner Amtszeit verliefen durch die Ausbreitung der Corona-Pandemie etwas anders als erwartet. „Das war ein sehr spannendes Jahr“, so Gniffke.

Gniffke sieht positiven Effekt der Corona-Pandemie

Die Pandemie scheint dem Sender jedoch nicht geschadet zu haben. Im Gegenteil: „Die Krise hat uns eine ganz besondere Nähe zum Publikum beschert“, betont der Senderchef.

Außerdem habe der SWR einen Digitalisierungsschub ohnegleichen erlebt. Lockdown und Kontaktverbote hätten die Produktion von Inhalten erschwert und verändert.

Gleichzeitig hätten viel mehr Menschen die Angebote genutzt. Die ARD-Mediathek erreichte im Januar 2021 mit mehr als 170 Millionen Abrufen einen Höchstwert. In den vergangenen zwölf Monaten habe sich die Zahl der Abrufe verdoppelt.

SWR plant Nachrichten-Date für Alexa und Co.

Um im Wettbewerb mit Streamingdiensten und anderen Anbietern mithalten zu können, setzt der SWR für 2021 auf Dokumentationen, Diskussionsformate und schnellere Nachrichten. Über alles Wichtige im Südwesten informieren beispielsweise die neuen zehnminütigen Info-Dates, die ab dem 8. Februar morgens, mittags und abends über Sprachassistenten wie Alexa oder Google abgerufen werden können.

In einer Instagram-Serie setzt der SWR die NS-Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die 1943 hingerichtet wurde, ins mediale Leben von heute: Wie wäre ihr Leben verlaufen, hätte sie sich in ihrem letzten Lebensjahr auf Instagram mitteilen können? „Ich bin Sophie Scholl“ soll vor ihrem 100. Geburtstag am 9. Mai beginnen und täglich Inhalte anbieten.

Neu im Programm ist auch die Dokureihe „Friederike klopft an“, die im Sommer auf Instagram und in der ARD-Mediathek zu sehen sein wird. Schauspielerin Friederike Kempter aus dem Tatort Münster ist dafür aus ihrer Wahl-Heimat Berlin aufs Land zurückgekehrt, um mutige und durchsetzungsfähige Frauen zu porträtieren.

Weitere Highlights: In der Sitcom „Almania“ spielt der Comedian Phil Laudes einen unbeirrbaren deutschen Lehrer, der an einer Brennpunktschule auf pädagogische Härtefälle trifft (zu sehen in der ARD Mediathek ab 19. März) und „Die Deutschland3000-Show“ kombiniert politische Talkshow mit Gameshow (ab Sommer).

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