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Polizei hat Ermittlungen aufgenommen

Unfall mit Ministerpräsident Kretschmann: War Fahrer zu schnell unterwegs?

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich in Sorge um die Schwerverletzten des Unfalls, in den auch er am Montagabend verwickelt war. Die Polizei ermittelt derweil gegen seinen Fahrer wegen der Geschwindigkeit.

Ermittlungen eingeleitet: Die Polizei prüft, ob der Fahrer des Ministerpräsidenten seine Geschwindigkeit nicht an die Verhältnisse auf der nassen Fahrbahn angepasst hat. Foto: Franziska Hessenauer/Einsatz-Report24/dpa

Den Schrecken glaubt man Winfried Kretschmann noch ein wenig anzusehen, als er am Tag danach über den Unfall spricht. Im prasselnden Regen gerät sein Dienstwagen am Montagabend auf der A81 nördlich von Heilbronn ins Schleudern.

Kretschmanns Fahrer verliert kurz die Kontrolle, der Wagen prallt gegen die Mittelleitplanke und bleibt auf dem Standstreifen stehen. Ein Begleitfahrzeug und ein Polizeiwagen bremsen am Rand und parken, kurz bevor ein weiterer Wagen wohl ebenfalls Probleme mit Aquaplaning bekommt und gegen das zweite Auto aus der Kretschmann-Kolonne kracht.

Ministerpräsident mit Gedanken bei Verletzten

Dabei wird ein einjähriges Mädchen im Kindersitz auf der Rückbank nach Polizeiangaben lebensgefährlich verletzt, der 33 Jahre alte Fahrer des Wagens erleidet schwere, seine 29-jährige Beifahrerin leichte Verletzungen. Kretschmann bleibt unversehrt, sein Dienstwagen ist am Folgeunfall nicht beteiligt.

„Meine ganze Sorge gilt den beiden Schwerverletzten”, sagt der Grünen-Politiker nach einem Termin am Dienstag in Tuttlingen. „Meine Gedanken sind natürlich bei ihnen.”

Das Gespräch in Tuttlingen bleibt der einzige Punkt auf dem Tagesprogramm seiner Sommertour, den er am Dienstag wahrnimmt. Der Rest des Programms an diesem Tag wird abgesagt. Die bis zum Freitag geplante Tour durch das Land mit Besuchen und Gesprächsrunden soll aber nach Angaben des Staatsministeriums am Mittwoch zunächst fortgesetzt werden.

Im sozialen Netzwerk Twitter kritisierten Menschen ohne bestätigte Informationen, der Ministerpräsident sei mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Nach Angaben der Polizei hat sehr wahrscheinlich Aquaplaning beide Unfälle auf der Autobahn bei Möckmühl verursacht. Schon niedrige Geschwindigkeiten reichten in solchen Fälle aus, um ins Schleudern zu geraten, sagte ein Polizeisprecher.

Die Geschwindigkeit kann nicht angepasst gewesen sein.
Sprecher der Polizei Heilbronn

Ermittler prüfen nun, wie schnell das Auto unterwegs war. „Das wird sehr schwierig”, betont ein Sprecher der zuständigen Polizei Heilbronn gegenüber den BNN. Man sei auf Angaben des Fahrers oder eine Blackbox mit Aufzeichnungen im Auto angewiesen.

Ob es ein solches technisches Gerät in diesem Auto gibt, sei noch unbekannt. „Die Geschwindigkeit kann aber nicht angepasst gewesen sein”, sagt der Sprecher. „Sonst wäre er nicht ins Schleudern geraten.”

Unfall hat Kretschmann „psychisch mitgenommen”

Regierungssprecher Rudi Hoogvliet betonte gegenüber den BNN: „Der Ministerpräsident bemüht sich um Informationen über den Gesundheitszustand der Schwerverletzten.” Noch wisse man gar nicht, wie es den beiden Schwerverletzten gehe, erklärte er der „Stuttgarter Zeitung”: „Wir hoffen sehr, dass sie wieder vollständig genesen.” Über den Ministerpräsidenten sagte er: „Die Sache hat ihn psychisch mitgenommen.”

Selten sind Dienstwagen von Politikern in Unfälle verwickelt, es kommt aber immer mal wieder vor. So musste die damalige saarländische Ministerpräsidentin und heutige Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Januar 2018 von der Rückbank aus miterleben, wie ihre Limousine in den frühen Morgenstunden kurz vor dem Autobahndreieck Potsdam auf einen Lastwagen auffuhr. Die CDU-Bundesvorsitzende wurde dabei leicht verletzt.

Auch Brandenburgs damaliger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte vergleichsweise Glück: Er überstand einen Autounfall mit seinem Dienstwagen in Potsdam im Mai 2017 unverletzt. Sein Fahrer soll einen Schwächeanfall gehabt haben.

Mit Material von dpa

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