Skip to main content

Hotspots Badeseen

Verkehrschaos durch Massenansturm: So will die Polizei jetzt am Epplesee durchgreifen

Beim Krisengipfel im Rheinstettener Rathaus hat die Polizei Hilfe bei der Bewältigung des Verkehrschaos rund um den Epplesee versprochen. Doch auch an anderen Badeseen in der Region gibt es Probleme.

Heiß begehrte Abkühlung: Der Epplesee an der südlichen Stadtgrenze zu Karlsruhe gelegen, ist ein beliebtes Ziel für Badetouristen aus der Umgebung. Der Andrang macht jetzt zu Corona-Zeiten noch mehr Probleme als sonst. Foto: Peter Sandbiller

Rund um den Epplesee will die Polizei an heißen Tagen nun für Ordnung sorgen. Beim Krisengipfel im Rathaus von Rheinstetten versprachen Vertreter des Polizeipräsidiums (PP) Karlsruhe bereits an diesem Wochenende ein rigoroseres Verkehrskonzept zu entwerfen und für dessen Einhaltung zu sorgen.

„Wir wollen jetzt schnell abschleppen, wenn Autofahrer kreuz und quer parken“, kündigte Raphael Fiedler, Sprecher des PP Karlsruhe, an.

Wenn die Zufahrtswege zugeparkt würden, werde eine Straße nach der anderen gesperrt. Zuletzt, wenn nötig, auch noch die Kreisstraße 3581. Die Straße, die von der A5-Ausfahrt Ettlingen zum See führt, werde gesperrt, wenn die Gefahr eines Rückstaus zur A5 bestehe.

Nur für die Anwohner im Silberstreifen bleibt die Straße frei. Mit der Maßnahme würden Seeschließungen vorerst verhindert. Vorerst. Denn, so Fiedler: „Die Besucher entscheiden durch ihr Verhalten darüber, ob der Epplesee weiter besucht werden darf.”

Epplesee hat ein riesiges Einzugsgebiet

Der Epplesee mit einem Einzugsgebiet bis in die Region Stuttgart hinein, gehört zu den beliebtesten Seen in der Region. Über 10.000 Menschen kommen an heißen Sonntagen hierher. Angesichts des Verkehrschaos rund um den See hatte der Oberbürgermeister der Stadt Sebastian Schrempp um mehr Hilfe durch die Landespolizei gebeten und diese nun auch bekommen.

Aber an den anderen Bade- und Baggerseen zwischen Bruchsal im Norden und Achern im Süden bietet sich an heißen Tagen ein ganz ähnliches Bild. Weil die Freibäder wegen der Corona-Verordnung ihre Besucherzahlen um 50 Prozent reduzieren müssen, ist der Andrang an den Baggerseen in diesem Sommer besonders groß. Die Gemeinden sind in den meisten Fällen gezwungen, sich selbst zu helfen.

Kontrolleur am Goldkanal

Am Goldkanal in Elchesheim-Illingen spielen sich an heißen Wochenenden ähnlich chaotische Szenen ab. Im Frühjahr hatte die Gemeinde zunächst ein Badeverbot ausgesprochen, dieses Ende Mai aber wieder aufgehoben. Seitdem gibt es immer wieder Ärger wegen illegalen Parkens und Müllablagerungen. Einen Gemeindevollzugsdienst hat Ellchesheim-Illingen bislang nicht. Die Gemeinde will künftig einen Kontrolleur auf 450-Euro-Basis einstellen.

Erlichsee ertrinkt in Wildparkern

Auch die Oberhausen-Rheinhausener berichten von unhaltbaren Zuständen rund um den Erlichsee. Insbesondere an Wochenenden, aber auch unter der Woche abends sei der See völlig überlaufen, berichten Beobachter. Taucher, Stand-up-Paddler, Badegäste, Camper, Hundehalter und sogar Menschen mit Pferdetransportern rücken an.

Große Teile des Erlichsees sind frei zugänglich und werden nicht überwacht. Dementsprechend wird dort wild geparkt und mitunter wild campiert. Regelmäßig parkten die Badegäste öffentliche Wege zu. Montagmorgens lassen sich anhand des vielen Mülls die Eskapaden vom Wochenende erahnen.

Ähnlich sieht es in Untergrombach aus. Dort hat man jetzt Konsequenzen gezogen. Ab sofort wird die Anzahl der Parkplätze halbiert und der Gemeindevollzugsdienst geht regelmäßig auf Seestreife.

DLRG warnt vor Seeschließungen

„Die Seen sind viel voller als zu Nicht-Corona-Zeiten”, hat Ludwig Schulz vom DLRG Baden festgestellt. Er koordiniert den Einsatz seiner Rettungsschwimmer an 22 Badestellen, darunter auch Schwimmbäder und Badeseen mit Eintritt, zwischen Forst und Achern. Auch er beobachtet mit Sorge die drangvolle Enge an den Badestränden.

Eine Patentlösung für das Problem der übervollen Seen hat auch er nicht parat. „Das ganze Appellieren ist ja schön und gut, aber wenn es heiß wird, sind die Leute kaum aufzuhalten. Dann wollen sie halt ans Wasser”, sagt er. Von Seeschließungen ist der Lebensretter auch nicht überzeugt. „Dann suchen sich die Menschen andere und womöglich sehr viel gefährlichere Badestellen.”

Entspannte Ruhe in den Schwimmbädern

Der Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel kann sich dieser Tage vergleichsweise entspannt zurücklehnen. Die Corona-Hausaufgaben für die Städtischen Bäder sind gemacht. Sobald am Eingang die maximale Besucherzahl erreicht ist, macht die Kasse einfach dicht. Dann kommt keiner mehr rein.

Drinnen wachen Sternagels Mitarbeiter darüber, dass die Becken nicht zu voll werden und die Badegäste die Mindestabstände untereinander auch einhalten. Alles in allem laufe das ganz gut, sagt der Bäderboss. Selbst an heißen Tagen sei es in Karlsruhes größtem Freibad, dem Rheinstrandbad in Rappenwört, nie zu Situationen gekommen, in denen der Infektionsschutz ernsthaft in Gefahr war.

Kein Wunder auch. Denn von den 12.000 Besuchern, die das Bad an einem heißen Tag sonst besuchen, dürfen derzeit nur knapp 6.000 rein. „Wir mussten einige Abweisen”, sagt Oliver Sternagel. Der Aufenthalt ist zeitlich nicht begrenzt.

In Pforzheim ist noch Platz in den Becken des Wartberg- und des Nagoldbades. Dort lässt Bäderchef Lutz Schwaigert pro Tag 1.000 Besucher ins größere Wartbergbad und 350 in das seit kurzem erst eröffnete kleinere Nagoldfreibad. Der Aufenthalt für die Badegäste ist in Pforzheim aber begrenzt. „Wir haben zwei Zeitbereiche im Angebot. Einmal morgens und einmal nachmittags.”

Still ruht der See am Buchtzig

An den Badeseen mit Eintritt wie dem „Buchtzig” in Ettlingen gibt es keine Probleme. Weder mit übervollen Parkplätzen noch mit der Nichteinhaltung der Corona-Regeln. Das Treiben rund um den See ist auch an heißen Tagen entspannter als in Vor-Corona-Zeiten.

Wo sonst bis zu 5.000 Menschen planschen dürfen jetzt nicht mal die Hälfte rein. „Wir dürfen pro Badetag 1.200 Tickets verkaufen”, sagt Heidi Daum, die dort an der Kasse sitzt. Die Tickets müssen sich die Badegäste vorher im Internet besorgen. Wer zuerst kommt, badet auch.

nach oben Zurück zum Seitenanfang