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Hitzewelle

Waldbrandgefahr und Niedrigwasser: Baden-Württemberg kämpft mit der Trockenheit

Am Wochenende werden bis zu 38 Grad erwartet. Für Sonnenanbeter eine Freude, für die Natur hingegen Stress. Immer mehr Flüsse führen inzwischen Niedrigwasser. Experten haben eine klare Einschätzung der Lage.

Menschen kühlen sich bei heißen Temperaturen im Epplesee in Rheinstetten ab.
38 Grad: Für Sonnenanbeter (hier am Epplesee in Rheinstetten) eine Freude, für die Natur hingegen Stress. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Ungewöhnlich hohe Temperaturen für diese Jahreszeit soll es am Wochenende in Baden-Württemberg geben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagt Rekordwerte voraus.

Von der Kurpfalz bis zum Breisgau sagte der DWD für Samstag teilweise bis zu 38 Grad vorher. „Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen wurden in Baden-Württemberg Mitte Juni keine 38 Grad gemessen“, sagte ein Sprecher des DWD.

Am Oberrhein, an der Tauber und örtlich auf der Alb erwarten die Fachleute dann eine tropische Nacht mit Temperaturtiefstwerten von 21 Grad.

Am Sonntag könnte es ab dem Mittag Hitzegewitter geben. Dann steige auch die Gefahr vor Starkregen und Sturmböen bei Temperaturen bis 31 Grad im Bergland und 37 Grad in Teilen Südbadens.

Waldbrandgefahr steigt noch einmal an

Mit der Trockenheit einher geht zudem eine steigende Waldbrandgefahr. Der Waldbrand-Gefahrenindex des DWD zeigt hohe bis sehr hohe Werte im ganzen Land an – für die Rheinebene und den Kraichgau wird für das Wochenende die höchste Gefahrenstufe genannt. Die relevanten Werte werden in den Stationen Rheinstetten und Waghäusel-Kirrlach erfasst.

„Offenes Feuer und Rauchen sind im Wald tabu“, sagte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Waldbesucher sollten nur die ausgewiesenen Grillstellen benutzen.

Die Landeshauptstadt geht noch einen Schritt weiter und sperrte die öffentlichen Grillplätze. „Die Waldbrandgefahr in Stuttgart ist innerhalb kurzer Zeit stark angestiegen“, teilte das Rathaus mit. Die Grillstellen würden wieder geöffnet, sobald das Wetter dies zulasse.

„Feuer entstehen sehr häufig durch Unachtsamkeit“, warnte das Kreisforstamt Freudenstadt in dem Zusammenhang. „Die weggeworfene Zigarettenkippe zählt hierzu genauso wie die unachtsam liegen gelassene Flasche oder das Verlassen eines ungelöschten Grillfeuers an einer hierfür vorgesehenen Grillstelle.“

15.06.2022, Baden-Württemberg, Steinmauern: Zwei Frauen sonnen sich bei sehr warmen Temperaturen an der Murg. In den nächsten Tagen steigen vor allem im Südwesten die Temperaturen vielerorts auf Hochsommerwerte. Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Zwei Frauen sonnen sich an der Murg. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Daher sei beim Ausflug am Wochenende Vorsicht geboten: Ausgetrocknete Bodenvegetation oder Reisig in den Wäldern könnten schnell Feuer fangen.

„Besonders gefährlich ist dabei der Funkenflug, der offenes Feuer in der freien Natur zum unkalkulierbaren Risiko macht.“ Offenes Feuer und Rauchen im Wald seien daher tabu, teilte das Amt mit.

Vierbeiner mögen Hitze nicht

Bei der Hitze müssen auch Hundebesitzer besonders gut auf ihre Vierbeiner aufpassen. Die Tiere im Auto zu lassen, anstrengende Spaziergänge am Fahrrad oder Hundepfoten auf heißem Asphalt sind gefährlich, wie der Landestierschutzverband mitteilte.

„Der Hundespaziergang sollte derzeit auf dem frühen Morgen und späten Abend verlegt werden, wenn die Sonne nicht mehr so brennt“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Stefan Hitzler.

Wasserstände sinken für Juni ungewöhnlich stark

Immer mehr Flüsse im Land führen inzwischen auch Niedrigwasser, wie aus den Angaben der Hochwasservorhersagezentrale Baden-Württemberg hervorgeht. Betroffen ist demnach vor allem der südwestliche Landesteil. Aber auch in anderen Regionen sinken die Pegelstände.

Die tagelange Trockenheit hat die Wasserstände in Baden-Württemberg vielerorts für Mitte Juni ungewöhnlich stark sinken lassen. „Das derzeitige Niedrigwasser in den Bächen und Flüssen ist außergewöhnlich niedrig für die Jahreszeit, beziehungsweise früh im Jahr“, teilte eine Sprecherin der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe mit.

„Üblicherweise entwickeln sich entsprechende Niedrigwasser eher im Spätsommer und nicht bereits Mitte Juni.“ Die Niederschläge in der Nacht auf Montag hätten nur an einigen Pegeln zu einem kurzfristigen leichten Anstieg der Wasserstände in den Gewässern geführt. Dieser sei zumeist schon wieder abgeklungen.

Stadtkreis Baden-Baden: Wasserentnahme verboten

Besonders betroffen sind nach LUBW-Angaben die Landkreise Ortenau und Emmendingen sowie der Stadtkreis Baden-Baden. In diesen Regionen haben die Behörden in den vergangenen Tagen auch schon die Entnahme von Wasser aus Bächen und Flüssen verboten.

„Die geringe Wasserführung und die steigenden Wassertemperaturen belasten sowohl die Tiere als auch die Pflanzen im Gewässer“, hatte der Leiter des Amts für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Ortenaukreis, Jürgen Mair, dazu erläutert. Es drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro.

Laut Hochwasservorhersagezentrale führen vor allem viele Flüsse im Westen des Landes Niedrigwasser, beispielsweise die Schutter bei Seelbach (Ortenaukreis) und der Rhein-Nebenfluss Möhlin bei Ehrenkirchen (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwal). Aber auch in anderen Regionen Baden-Württembergs sind Gewässer betroffen.

Schon Anfang des Monats hatten die LUBW-Fachleute mitgeteilt, dass unterdurchschnittliche Grundwasserverhältnisse im Südwesten überwiegen. „Mit großräumigen Engpässen in der Wasserversorgung ist aufgrund der momentanen Beobachtungen nicht zu rechnen“, hieß es zwar. Allerdings gingen die Experten davon aus, dass die Grundwasserstände im Land in den kommenden Wochen weiter zurückgehen.

Rhein bei Karlsruhe: Erste Folgen für die Schifffahrt

Für die Schifffahrt hat das bislang nur wenige Folgen. Am Neckar ist Trockenheit kein Problem, weil der Fluss durch Schleusen gestaut wird. So kann eine Wassertiefe von mindestens 2,80 Metern permanent garantiert werden.

Auch im staugeregelten Bereich des Rheins von Basel bis Iffezheim (Kreis Rastatt) gibt es laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Oberrhein keine Einschränkungen für die Schifffahrt. Die garantierte Mindesttiefe liegt hier bei 3,00 Metern.

Rhein, Spaziergänger
Im Rhein bei Maxau gibt es erste Folgen für die Schifffahrt. Foto: Susanne Jock

Im freifließenden Bereich am schifffahrtsrelevanten Pegel Maxau in Karlsruhe hingegen gibt es erste Einschränkungen. Die sogenannte Abladetiefe, also die Eintauchtiefe eines Schiffes bei Ruhe, beträgt laut WSA rund 2,70 Meter, 40 Zentimeter weniger als bei Mittelwasser. Schiffe müssen unter Umständen also auf Teile der Ladung verzichten.

Die Prognosen bis zum 25. Juni zeigen einem Sprecher zufolge einen leicht fallenden Trend. Ohne relevante Niederschläge würde die Abladetiefe dann auf 2,21 Meter fallen. Die Solltiefe der Fahrrinne wird aber noch nicht unterschritten.

Aus hydrologischer Sicht handele es sich noch nicht um ein Niedrigwasserszenario, erklärte der Fachmann. Die Abladetiefe würde dann nur noch 1,32 Meter betragen.

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