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Automatische Terminabfragen blockiert

Wie die Suche nach Impfterminen künstlich schwieriger gemacht wird

Überlastet, zu kompliziert, unzuverlässig: In Baden-Württemberg sorgt die Vergabe von freien Impfterminen für Frust und Ärger. Angebote, die die Online-Terminbuchung erleichtern sollen, werden blockiert - darunter auch die Impfterminübersicht von bnn.de. Das Land macht nun Druck beim Bund für eine eigene Übersicht.

Die Impfterminübersicht der BNN hat zahlreichen Menschen bei der Buchung eines Impftermins geholfen. Doch nun werden derartige Übersichten von Impfterminservice.de blockiert. Foto: Stefanie Prinz

Mehr schlecht als recht funktioniert seit dem Impfstart im Januar die Terminvergabe für die Corona-Impfung. Impfwillige berichten von überlasteten Telefonhotlines, einer nächtelangen erfolglosen Suche im Internet und Abweisungen in den Impfzentren trotz Termins.

Wer in Baden-Württemberg und fünf weiteren Bundesländern online einen Termin vereinbaren will, muss dies über das Portal Impfterminservice.de der Kassenärztlichen Bundesvereinigung tun. Doch wer dort einen Termin ergattern will, braucht Geduld: Jedes Impfzentrum lässt sich nur einzeln auswählen, anschließend muss ein mehrstufiger Registrierungsprozess durchlaufen werden - um anschließend zu erfahren, dass oft doch keine Termine verfügbar sind.

Angebote wie die Impfterminübersicht der BNN, aber auch Seiten findiger Programmierer wie etwa covidimpftermine.de oder impfterminmonitor.de, sollten Impfwillige bei der Terminbuchung unterstützen - indem sie eine Übersicht bieten, in welchen Impfzentren gerade Termine frei sind. Zahlreiche BNN-Leser haben so bereits einen Impftermin erhalten.

Automatische Abfragen werden unterbunden

Doch seit vergangener Woche stehen diese Angebote nicht mehr zur Verfügung. Der Grund dafür sind technische Änderungen auf Impfterminservice.de, mit der automatische Abfragen der Verfügbarkeit von Terminen unterbunden werden. Die KV Digital, Dienstleister der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und Betreiber der Terminbuchungsplattform, begründet dies mit Spamschutz-Maßnahmen.

Die Abfragen derartiger Dienste seien nicht von schädlichen Aufrufen unseriöser Programmierer zu unterscheiden, teilte Josephine Röwekamp, Sprecherin der KV Digital mit. Deshalb habe man den Zugriff unterbinden müssen.

Zugleich räumt sie auch ein, dass eine solche Übersicht offenbar politisch nicht gewünscht ist. „Wir haben uns nach Rücksprache mit den Ländern bewusst gegen eine Übersicht der offenen Termine entschieden, um einen Impftourismus zwischen den Bundesländern zu vermeiden. Daher stellen wir eine solche Übersicht nicht zur Verfügung“, so Röwekamp auf BNN-Nachfrage.

Uns ist bewusst, dass eine Übersicht über verfügbare Termine die Nutzerfreundlichkeit erhöht. Wir befinden uns hierzu deshalb in Gesprächen mit dem Bund.
Florian Mader, Sprecher Sozialministerium

Im Sozialministerium in Stuttgart sieht man das anders. „Für uns ist das keine Frage des ‘Impftourismus’, schließlich haben wir es innerhalb von Baden-Württemberg bewusst ermöglicht, dass man sich grundsätzlich in jedem Impfzentrum in Baden-Württemberg impfen lassen kann, je nachdem, wo es für einen selbst geschickt ist“, teilte Ministeriumssprecher Florian Mader auf BNN-Anfrage mit. „Uns ist bewusst, dass eine Übersicht über verfügbare Termine die Nutzerfreundlichkeit erhöht. Wir befinden uns hierzu deshalb in Gesprächen mit dem Bund“, macht Mader leise Hoffnung, dass die Impfterminvergabe in Zukunft etwas unkomplizierter werden könnte.

Übersichten sind gefragt

Denn solche Übersichten treffen einen Nerv. Allein die Impftermintabelle der BNN verzeichnete innerhalb von rund vier Wochen mehr als 200.000 Aufrufe. Hinweise auf das Angebot wurden von Schulen, Verbänden und Politikern weiterverbreitet und erreichte so viele Menschen. Der Impfterminmonitor, der alle an Impfterminservice.de angeschlossenen Bundesländer abdeckt, verzeichnete noch einmal deutlich höhere Abrufzahlen.

Doch damit ist nun vorerst Schluss. Es sei offensichtlich gegen den Willen des Betreibers, eine solche Übersicht zur Verfügung zu stellen, schreibt Impfterminmonitor-Entwickler Joshua Jung auf seiner Webseite. Er betont aber auch: „Ich hege keinen Groll gegen die Kassenärztliche Bundesvereinigung.“

Bei der KV Digital hofft man unterdessen, dass sich solche Angebote demnächst von selbst erübrigt haben - dann nämlich, wenn genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen.

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