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Plan für Öffnung steht

Wie geht es an den Schulen im Südwesten weiter?

Die Schulen starten am 22. Februar den nächsten Versuch mit der Öffnung. Der Plan dafür steht. Ob er sich allerdings umsetzen lässt, ist fraglich. Es hängt letztlich davon ab, wie sich die Corona-Zahlen weiter entwickeln.

Ein leeres Klassenzimmer an einer Grundschule. Foto: Sebastian Gollnow picture alliance/dpa

Montag in einer Woche sollen Kitas ganz und Grundschulen schrittweise öffnen. Doch ob das klappt, ist offen: Noch steht das Vorhaben unter Vorbehalt. Erste organisatorische Details stehen aber fest.

Axel Habermehl und Elvira Weisenburger geben Antworten auf Fragen zum Thema.

Was ist an Kitas geplant?

Sie sollen für „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ öffnen. Alle Kinder dürften kommen. Wie vor Beginn des Lockdowns im Dezember sollen feste Gruppen gebildet werden und alle besonders gut auf Hygiene achten.

Und an Grundschulen?

Hier will man schrittweise und mit geteilten Klassen vorgehen. Geplant ist ein Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht. In Schulen werden Klassen geteilt und räumlich getrennt unterrichtet. Die Gruppen sollen immer gleich zusammengesetzt sein und möglichst keinen Kontakt haben. Die Ziele: Abstand halten und das Ansteckungsrisiko mindern und überschaubar halten. Mögliche Infektionen blieben nachverfolgbar.

Wer darf denn nun am 22. Februar in die Schule kommen?

Das soll je Schule unterschiedlich sein. Das Kultusministerium sieht vor, dass im Wochenwechsel zwei Klassenstufen an der Schule sind, zwei im Fernunterricht. Ob erst die Stufen 1 und 2 kommen, dann 3 und 4, können die Schulen selbst entscheiden. Auch an weiterführenden Schulen soll der Betrieb zunehmen. Bestimmte Abschlussklassen gehen ebenfalls in Wechselunterricht mit Präsenzphasen. Zudem sollen alle Stufen schriftliche Arbeiten an den Schulen schreiben – verpflichtend für alle.

Geht das so einfach?

Personell wird es knapp. Für geteilte Klassen braucht man mehr Lehrer. Zugleich soll der Fernunterricht weiterlaufen: für die Schüler, die gerade nicht kommen dürfen – oder wollen, denn es gibt keine Anwesenheitspflicht. Außerdem soll die „Notbetreuung“ weitergehen. „Die Grundschul-Lehrkräfte arbeiten alle schon im roten Bereich“, warnt Edgar Bohn, Vorsitzender des baden-württembergischen Grundschulverbands.

Kommen die Öffnungen sicher?

Nein. Kretschmanns Vorbehalt lautet: „Wenn die Infektionslage das zulässt.“ Was genau das heißt, ist unklar. Die Mutanten, deretwegen die letzte Öffnung abgesagt wurde, sind inzwischen weiter verbreitet. Auch sonst sind die Voraussetzungen unklar. Ob die 7-Tage-Inzidenz die kommenden zehn Tage weiter sinken muss oder nur nicht steigen darf, ob der R-Wert landesweit ein bestimmtes Maß nicht überschreiten sollte – all das ist nicht fixiert.

Wie groß ist das Risiko?

Das ist umstritten. Viele Lehrer sind in Sorge. Ralf Scholl, Landeschef des Philologenverbands, warnt mit Verweis auf die Ausbreitung ansteckenderer Virusvarianten: „Die Häufigkeit der Superspreader-Events in Kindergärten in den letzten zehn Tagen lässt für den Fall von Schul- und Kindergartenöffnungen, selbst im Wechselbetrieb, Schlimmstes befürchten.“ Die Öffnungsdiskussion komme „zum völlig falschen Zeitpunkt“. Scholl verweist etwa Superspreader-Ereignisse im Hohenlohekreis. Dagegen sieht Professor Thomas Iftner, Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Tübingen, keinen Grund, die Öffnungen zu stoppen, wenn die üblichen Sicherheitsmaßnahmen befolgt würden. Von Öffnungen erwartet er keinen wesentlichen Einfluss auf die pandemische Situation.

Gab es denn zuletzt viele Infektionen in Bildungseinrichtungen?

Seit den Schließungen am 23. Dezember findet an Kitas und Grundschulen nur „Notbetreuung“ statt. Trotzdem kam es, mit einer Ausnahme, in jeder Woche zu einzelnen Corona-Ausbrüchen in solchen Einrichtungen in Baden-Württemberg. Das geht aus entsprechenden Wochenberichten des Landesgesundheitsamts hervor. Die Statistik vermerkt seitdem insgesamt 47 Ausbrüche an Kitas mit 348 Infizierten. Für Schulen sind 30 Ausbrüche mit 223 Infizierten aufgeführt. Gemessen an der Zahl der Ausbrüche insgesamt ist das aber ein geringer Anteil.

Welche Entwicklung im Hohenlohischen bereitet dem Lehrerverband Sorgen?

Die Neuansteckungen sind im Hohenlohe-Kreis innerhalb von zehn Tagen sprunghaft angestiegen: von 28,4 auf 129,6 pro 100.000 Einwohner. Mehrere Kindergärten, eine Privatfeier und das Logistikzentrum des Würth-Konzerns in Künzelsau zählen zu den Infektionstreibern. Die britische Virus-Mutation ist mindestens bei einem Teil der Infizierten im Spiel. „Für mich heißt das: Durch die höhere Ansteckung bei dieser Virus-Variante geht es jetzt rund“, sagt Scholl und verweist auch auf Corona-Ausbrüche in Kitas anderer Bundesländer.

Was fordern die Gymnasiallehrer des Philologenverbandes?

Einen Stufenplan für die Schulöffnungen mit strengen Infektionsgrenzwerten. „Wir müssten eigentlich zunächst auf eine Inzidenz unter 20 oder 15 kommen“, meint Scholl. Und er fordert: Die Maskenpflicht müsse auch für Grundschüler und ältere Kindergartenkinder gelten, außerdem solle das Land endlich Raumlüftungsgeräte für die Klassenzimmer anschaffen: „Das würde etwa 270 Millionen Euro kosten – das wäre ein kleiner Prozentsatz dessen, was das Land für die Folgen der Corona-Pandemie ausgibt.“

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