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Schutz von Eigentum

Wie künstliche DNA Einbrecher abschreckt und warum das in Baden-Württemberg trotzdem kein Thema ist

Die Polizei in Bremen experimentiert seit Jahren mit sogenannter künstlicher DNA zur Markierung von Eigentum. Wissenschaftliche Begleitforschung belegt, dass dieser vorbeugende Schutz wirkt. Wie funktioniert das?

Am Einbruchsschutz sollte nicht gespart werden: Eine Sicherheitsfirma wirbt mit einem Plakat in einem Neubauviertel für verschiedene Möglichkeiten.
Am Einbruchsschutz sollte nicht gespart werden: Eine Sicherheitsfirma wirbt mit einem Plakat in einem Neubauviertel für verschiedene Möglichkeiten. Foto: Jochen Lübke/dpa

Einbrecher werden abgeschreckt. Das Sicherheitsgefühl der Bürger in ihren eigenen vier Wänden wird gestärkt. Und die Nachbarschaftshilfe profitiert auch. Die Polizei in Bremen experimentiert seit Jahren mit sogenannter künstlicher DNA zur Markierung von Eigentum.

Wissenschaftliche Begleitforschung belegt, dass dieser vorbeugende Schutz wirkt. Während die Freie und Hansestadt das Projekt deshalb ausweitet, spielt kDNA in anderen Bundesländern offenbar keine Rolle. Auch in Baden-Württemberg nicht.

Volker Neuwald hat die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Thema zusammengestellt.

Was ist kDNA?

Künstliche DNA ist eine biochemische Flüssigkeit, die nur unter UV-Licht sichtbar wird. Sie haftet wie Farbe an Gegenständen, Kleidung und Haut. Wie bei der biologischen DNA ist die Flüssigkeit unverwechselbar. Der darin enthaltene Code kann eindeutig zugeordnet werden.

Wie wird kDNA eingesetzt?

Die Substanz kann auf Uhren, Schmuck, Fernseher und andere Wertsachen aufgetragen werden, ein kleiner Klecks reicht aus. Werden die Gegenstände nach einem Diebstahl sichergestellt, lässt sich der Eigentümer zweifelsfrei feststellen. Sogar die Markierung von Kriminellen durch eine DNA-Sprühanlage ist möglich. Tatverdächtige können so von der Polizei auch nach längerer Zeit eindeutig überführt werden.

Wie lassen sich damit Einbrüche verhindern?

Der Pressesprecher der Polizei in Bremen, Nils Matthiesen, betont: „Wir sehen die kDNA als wichtigen präventiven Baustein im Bereich Einbruch- und Diebstahlschutz.“ Es gehe also gar nicht darum, möglichst viel markiertes Diebesgut sicherzustellen. Im Gegenteil: „In der Vergangenheit wurden wenig markierte Gegenstände gefunden“, räumt Matthiesen ein. Allerdings habe es im Zuge der Pandemie auch deutlich weniger Einbrüche gegeben.

Wie wird dann der Erfolg gemessen?

Matthiesen hat Daten der Jahre 2009 bis 2016 aus problematischen Stadtteilen im Bremer Norden. Öffentlich sichtbare Hinweise auf kDNA wie Straßenschilder und Aufkleber an Eingangstüren hätten gezeigt, dass in Gebieten mit Anwohnerinitiativen deutlich weniger eingebrochen wurde als in Vergleichsregionen.

Was hat es mit diesen Anwohnerinitiativen auf sich?

In Bremen beteiligen sich derzeit rund 8.000 Haushalte und Unternehmen. „Voraussetzung für die Gründung einer Anwohnerinitiative sind mindestens zehn Haushalte, die sich mit dem Ziel zusammentun, gemeinsam Eigentumsdelikte in ihrem Wohnbereich vorzubeugen“, so Matthiesen. Sie wenden sich an die Polizei. Im Rahmen eines Treffens werden Wirkungs- und Funktionsweise von kDNA erläutert und weitere Tipps für das kriminalpräventive nachbarschaftliche Zusammenwirken gegeben. Ist die Entscheidung für das Anschaffen von Markierungssets gefallen, werden auch die Straßenhinweisschilder angebracht.

Was kostet das Ganze?

Ein kDNA-Set kostet laut Polizei rund 90 Euro und enthält neben der Markierungsflüssigkeit für bis zu 50 Gegenstände auch Aufkleber.

Schreckt kDNA Täter ab?

Wissenschaftliche Befragungen des Bremer Instituts für Polizei- und Sicherheitsforschung (IPoS) in Justizvollzugsanstalten haben schon 2012 ergeben, dass kDNA Insassen bekannt ist, bestätigt Institutsleiter Professor Arthur Hartmann. Viele gaben an, dass Objekte, in denen Aufkleber auf kDNA hinweisen, für sie nicht infrage kämen.

Wird das Sicherheitsgefühl unter den Nachbarn gestärkt?

Davon ist die Bremer Polizei überzeugt: „Die Menschen kommen wieder ins Gespräch, Nachbarn informieren sich über Abwesenheiten und achten vermehrt aufeinander.“

Warum wird kDNA in Baden-Württemberg nicht angeboten?

Das Polizeipräsidium Karlsruhe teilt mit, dass man über keine Erfahrungen in dem Bereich verfüge und bislang nur sehr am Rande damit in Berührung gekommen sei. „Daher wird auch in der Prävention dieses Thema bisher nicht aufgegriffen“, erklärt eine Sprecherin. Auch Offenburg muss passen: „Der Einsatz von kDNA findet bei uns im Polizeipräsidium derzeit noch nicht statt“, so ein Sprecher.

Baden-Württemberg folgt einer anderen Strategie: Fast die Hälfte aller Wohnungseinbrüche scheitert nach Angaben des Innenministeriums mittlerweile, weil die Besitzer geeignete Sicherheitstechnik einsetzen. Was unter anderem auch auf jahrelange polizeiliche Aufklärungsarbeit zurückzuführen sei. Einbrecher sollen also gar nicht erst in die Wohnung gelangen.

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