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Zum Tag des Artenschutzes

Wilhelma-Direktor warnt: Krise stellt Artenschutz in den Schatten

Die Zahl der Arten weltweit ist nicht annähernd bekannt. Die Masse der bedrohten Tiere und Pflanzen aber auch nicht. Im Schatten der Corona-Krise könnte der Schutz dieser Arten zunehmend aus dem Fokus geraten, fürchtet der Stuttgarter Zoo-Direktor.

Thomas Kölpin, Direktor der Stuttgarter Wilhelma, aufgenommen im Zoo.
Thomas Köplin, Direktor der Stuttgarter Wilhelma, warnt: Der Stellenwert und die Aufmerksamkeit des Artenschutzes dürfe in der Pandemie nicht untergehen. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild

Im Schatten der Corona-Pandemie verliert der Artenschutz nach Ansicht des Direktors der Stuttgarter Wilhelma, Thomas Kölpin, zunehmend an Stellenwert und Aufmerksamkeit. So berichtete es die Deutsche Presse-Agentur. „Seitdem sich die Gesellschaft um das Virus sorgt, wird der Artenschutz vergessen“, sagte der Leiter des zoologisch-botanischen Gartens.

Wir haben die Chance, aus der Corona-Pandemie zu lernen.
Thomas Kölpin, Direktor der Stuttgarter Wilhelma

„Und wenn nicht darüber geredet wird, sinkt die Spendenbereitschaft der Menschen.“ Gerade diese Mittel seien aber abseits der Budgets der Zoos notwendig, um wichtige Projekte zum Erhalt der Arten vor Ort zu finanzieren, mahnte Kölpin im Vorfeld des Artenschutztags, der am Mittwoch, 3. März, weltweit begangen wird.

Spenden für mehr Artenschutz

Die Wilhelma sammelt vor allem durch die freiwillige Abgabe des sogenannten Artenschutz-Euros beim Kauf eines Eintrittspreises Spenden für ihre Projekte vor Ort. Jahr für Jahr kommen auf diesem Weg rund 500.000 Euro durch die Besucher zusammen, wie Kölpin sagte.

Insgesamt kamen bei der Wilhelma in den vergangenen drei Jahren zwei Millionen Euro zusammen, darunter Spenden des Artenschutz-Euros, Mittel des Fördervereins und Geld aus dem eigenem Artenschutz-Budget.

Corona wirke sich teils sogar positiv auf Arten aus

Aus der Corona-Pandemie ließen sich auch Schlüsse ziehen für den Artenschutz, zeigte sich Kölpin überzeugt. „Wir haben die Chance, aus der Corona-Pandemie zu lernen.“ Das vergangene Jahr habe bewiesen, dass es den Arten helfe, wenn der Mensch weniger mobil ist. „Die Bestände der Meereslebewesen erholen sich, wenn weniger Schiffe unterwegs sind. Und es sterben weniger Insekten, wenn wir seltener Auto fahren.“

Vom Zurschausteller zum Artenschutzzentrum

Das Engagement für den Artenschutz verändert auch zunehmend Aussehen und Auftreten der deutschen Zoos, sagte Kölpin. „Zoos werden vom Zurschausteller zu modernen Artenschutzzentren mit eigenen Zuchtprogrammen und einer Aufgabe als Botschafter für Projekte.“

Nashorn Wilhelma
Weniger Vorzeigeobjekte, mehr Artenschutz: Die Wilhelma unterstützt die Zucht des stark bedrohten Sumatra Nashorns. Foto: frei

Die Wilhelma zum Beispiel fördert derzeit mehr als 20 Projekte weltweit, darunter eine Zucht für das stark bedrohte Sumatra Nashorn in Indonesien sowie den Landkauf zum Erhalt von Arten im mittelamerikanischen Belize. Vielen Besuchern sei die Bedeutung von Zoos in dieser Hinsicht noch nicht bewusst, sagte Kölpin. „Aber wir müssen dahin kommen, dass es nach einem Zoobesuch zumindest ein bisschen Klick macht.“

Umweltministerien und Naturschutzgruppen berichten am Artenschutztag über Projekte zum Schutz bedrohter Spezies. Der Tag erinnert an die Erstunterzeichnung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens Cites am 3. März 1973. Es verbietet oder begrenzt den Handel von Tausenden bedrohten Tier- und Pflanzenarten.

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