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Debatte um Ärzte-Honorare

Wird die Arbeit in Corona-Impfzentren zu großzügig entlohnt?

Sind 130 Euro pro Stunde für Beratung von Patienten und einen Piekser zu viel? Die finanzielle Regelung der Länder für die entstehenden Corona-Impfzentren wird von Manchen als überzogen und unanständig empfunden.

Testlauf in einem Corona-Impfzentrum in Hessen: Das Werben um Personal für die Impfprogramme, die schon bald in den Bundesländern starten sollen, zeigt Wirkung. So haben sich in Baden-Württemberg bereits einige Tausend Mediziner gemeldet, die in den Zentren arbeiten möchten. Foto: Boris Roessler picture alliance/dpa

Kurz vor Beginn der Corona-Impfoffensive in Baden-Württemberg zeichnet sich eine wichtige Wende bei der Personalgewinnung ab. Die Landesregierung hat für den Betrieb der neun zentralen Impfzentren (ZIZ) und etwa 50 Kreisimpfzentren einen Personalbedarf von etwa 4.700 Mitarbeitern errechnet.

Besonders die Suche nach verfügbaren Ärzten und medizinischem Fachpersonal für die Zentren gestaltete sich unter den Corona-Bedingungen schwierig. Sie zahlt sich jetzt aber aus.

4.500 Freiwillige für das Impfprogramm

Nach Angaben des Landessozialministeriums haben sich bis Mittwoch bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) rund 3.000 Ärztinnen und Ärzte sowie 1.500 medizinische Fachangestellte für den Impf-Einsatz gemeldet.

Die Landesärztekammer sprach Anfang Dezember von mehr als 2.000 positiven Rückmeldungen auf einen Aufruf an Ärzte außerhalb der Regelversorgung und im Ruhestand. Ein möglicher Grund für das Interesse ist eine relativ großzügige Entlohnung für die Mediziner im Impfprogramm. Und genau darum entzündet sich nun eine kontroverse Debatte.

Die Landesregierung in Stuttgart hat mit der KVBW einen Stundensatz von 130 Euro für die Ärzte in den Impfzentren ausgehandelt. Pro Acht-Stunden-Schicht macht das 1.040 Euro. Arzthelfer und Personen, die die Impfstoffe aufbereiten und den Vorgang dokumentieren sollen, erhalten demnächst 220,80 Euro am Tag (Stundenlohn von 27,60 Euro).

Ähnliche Kosten veranschlagt die Landesregierung für weitere Beschäftigte an Impfzentren: Reinigungskräfte, Ordner, Personal für Videovorführungen und die Registrierung. Deutlich besser bezahlt werden sollen die Dolmetscher, die einen Tagessatz von 320 Euro erhalten.

Ärzte in Impfzentren viel besser entlohnt als Notfallmediziner

In Rheinland-Pfalz gibt es bereits Ärger über die finanzielle Regelung für die Impfzentren. Nach Angaben des SWR empfinden einige Mediziner sie als „unverhältnismäßig, unanständig, überzogen“.

Sie vergleichen die ärztliche Honorarhöhe von 140 Euro pro Stunde in Rheinland-Pfalz mit der Entlohnung von Notfallmedizinern oder in Bereitschaftsdiensten, die weniger als 70 Euro die Stunde erhalten. Auch im Südwesten gibt es vereinzelt kritische Stimmen.

Die Landesregierung in Stuttgart hat jedoch für derlei Vorwürfe wenig Verständnis. Auf Anfrage der BNN teilte das Sozialministerium mit, dass man sich an den Sätzen der KVBW in der Corona-Pandemie orientiert habe.

So habe die Kassenärztliche Vereinigung als Anreiz 130 Euro pro Stunde gezahlt, um Ärzte für die Testungen in Abstrichstellen und Fieberambulanzen zu gewinnen. „Damit liegen wir deutlich unter dem Satz aus Rheinland-Pfalz“, sagte ein Ministeriumssprecher.

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